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Lemony Snicket – eine neue Franchise in der Tradition von Harry Potter bahnt sich ihren Weg?
Schwer zu glauben, denn die meisten Epigonen erfolgreicher Serien haben zwar eine treue, aber deutlich kleinere Fangemeinde (siehe auch Star Trek vs. Babylon 5), können aber den Erfolg meistens nicht wiederholen.

So sieht es auch für diese britische Kinderbuchreihe aus, die mit sardonischem und tiefschwarzem Humor den Weg dreier Waisen beschreibt, die den Tod ihrer Eltern aufklären möchten und endlich wieder eine Familie und ein Heim finden wollen, wäre nicht der bösartige Graf Olaf ständig dabei, ihnen ihr Erbe abzuluchsen.
So einen Film hat man selten gesehen, so traurig und überspannt, daß man kniggernd vor Lachen im Kinosessel sich krümmt – und dabei ist er weder von Tim Burton noch von Barry Sonnenfeld.
Brad Silberling heißt der Verantwortliche und er hat seine Lektionen von seinen Vorgängern gut gelernt, was Inszenierung und optischen Einfallsreichtum anbetrifft.

In einer künstlichen Realität, irgendwo zwischen der Addams Family, Sleepy Hollow und Harry Potter, chronologisch uneinheitlich zwischen moderner Technik und dem Oeuvre des frühen 20.Jahrhunderts pendelnd, reiht sich eine düster-komische Episode an die andere, treibt das Böse seine Tücken, mordet, plant Anschläge oder entführt, um dann am Ende immer wieder übertölpelt zu werden.
Denkt euch das Schlimmstmögliche – und dann setzt die Story stets noch einen drauf, das sind die Storys, die Burton-Fans lieben können.

Alles steht und fällt dabei mit der überlebensgroßen Figur des Olaf, geradezu kongenial dargestellt von Jim Carrey, der hier einen Bravourritt in punkto Verschlagenheit, Albernheit und Überdrehtheit hinlegt, ohne zu vergessen, daß er auch noch furchteinflößend sein muß. Dagegen wirken die drei Kinder, zwei Jugendliche und ein dreijähriges Mädchen geradezu schüchtern zurückhaltend, obwohl sie sich allgegenwärtig immer wieder auf ihre eigenen speziellen Fertigkeiten besinnen können.

Daß dabei kein geschlossener Film zustande kommt, ist leider klar. Die episodische Struktur (drei von 13 Büchern wurden zu einem Drehbuch verschmolzen) läßt das Schema in eine Endlosschleife von Wiederholungen verfallen, in dem nur die optische Brillianz darüber hinwegtäuschen kann, daß der erzählerische Gehalt relativ dürftig ist. Immerhin ist Carrey in diversen Masken zu sehen und Meryl Streep legt beachtliche Leistungen als angstgeschüttelte Tante, deren Prophezeiungen dann auch noch wahr werden, an den Tag.
Fakt ist, daß dieses Prinzip keine zwei Filme durchhält, denn es ermüdet bereits, spätestens wenn Streep zu den Fischen muß, noch bevor es zum Showdown kommt. Für einen eventuellen Nachzieher müssen frische Elemente her – immerhin kann der Film klären, wer der Mörder ist und auf welche Weise der Mord geschah, gibt aber keinen Aufschluß darüber warum und was es mit den geheimnisvollen Ferngläsern auf sich hat. Stattdessen flüchten sich die letzten fünf Minuten in simple Sentimentalitäten, die nicht zum Restfilm passen, wobei noch anzumerken wäre, daß der Showdown (die Bühnenhochzeit, die tatsächlich eine echte sein soll), sowohl dramaturgisch schlecht konzipiert und auch ziemlich unaufregend ist.

Bis dahin hat man aber durchaus ein finsteres Vergnügen mit dem Film, wenn auch die erzählerische Vielschichtigkeit einer J.K.Rowling hier an allen Ecken und Enden fehlt. Der finanzielle Erfolg war angemessen, aber nicht überragend, dennoch halte ich eine Fortsetzung für wünschenswert, allein schon wegen Carrey.
(7,5/10)

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