Battlestar Galactica–- 9/10
Hier mal ein paar Zeilen von mir zur Serie. Das ist keine aufschlussreiche, methodische Analyse, sondern nur ein paar Gedanken, die mir gerade so einfallen. Dabei fasse ich jeweils die Handlung zusammen und gehe anhand dieser auf ein paar Sachen näher ein. Bis Staffel 2 werde ich wichtige Spoiler kennzeichnen. Ab Staffel 2 sollte man lieber nicht weiterlesen, wenn man die Serie nicht sah. Das Fazit ist dann wieder ohne Spoiler.
Mini Series –- 9/10
Die Mini-Serie bietet einen großartigen Einstieg in das Universum von BSG. Schon die erste Szene macht in ihrer düsteren und poetischen Schönheit Lust auf mehr. Die Charaktere werden kurz und zweckmäßig vorgestellt, bevor die Zerstörung der menschlichen Zivilisation innerhalb weniger Stunden ihren Lauf nimmt. Wobei für mich bereits hier Gaius Baltar und Number Six die interessantesten, tragischsten (Baltar) und unterhaltsamsten Charaktere sind. Die anderen Figuren bekommen zu Beginn noch nicht viel Tiefe zugesprochen. Das kommt erst im Laufe der Serie. Stattdessen konzentriert man sich sinnvollerweise erst mal auf die Etablierung des Hauptkonflikts und liefert ein paar Hintergründe. Zusätzlich hält man das Publikum mit gelungener Action bei Laune. Das Ganze endet dann selbstverständlich mit einem Cliffhanger. Einem Guten.
Stilistisch gab die Mini-Serie natürlich die Marschrichtung für den Rest der Serie vor. Das Design ist karg und düster (bis auf Caprica) und erinnert in vielen Details an die heutige Zeit. In der Form spiegelt sich auch der Inhalt wieder. Es ist keine lockere, eskapistische Space-Opera, sondern tut das, wofür Science-Fiction prädestiniert ist, nämlich aktuelle soziale, politische, ja sogar philosophische Themen in einem anderen Kontext zu präsentieren. Auf diese Weise kann man den Zuschauer dazu treiben, ein Thema vielleicht von einer anderen Seite zu betrachten, hat aber vor allem auch die Möglichkeit, durch den „unrealistischen“ Kontext viele verschiedene Themen zu behandeln. In dieser Hinsicht richtet sich die Serie auch klar an ein erwachsenes, oder zumindest reifes Publikum. Das wird noch dadurch unterstrichen, dass man sich nicht Action-Szenen und Special Effects ergeht, sondern beides nur als Mittel zum Zweck einsetzt. Der wackelige, amateurhafte Handkamerastil (auch in kompletten CGI-Sequenzen) soll dabei einen gewissen Realismus erzeugen („youtube-Stil“, auch wenn es youtube zu Zeiten der Mini-Serie noch gar nicht gab; man könnte BSG hier eine Vorreiterrolle attestieren). Er lässt das Geschehen nicht nur intensiver und näher erscheinen, er bringt vor allem auch etwas visuelle Abwechslung. Von dem martialischen Titel und dem Sci-Fi Szenario sollte man sich also nicht abschrecken lassen.
Season 1 (und Allgemeines) –- 9/10
Die erste Staffel knüpft direkt an die Mini-Serie an. Die Menschen werden verfolgt und scheinen verzweifelt. Wobei zu Beginn der Serie in der Flotte noch nicht viel geschieht. Man schaltet einen Gang zurück und nimmt sich nun die Zeit, die Charaktere auszubauen und Gesellschaft und Situation innerhalb der Flotte zu charakterisieren. Gleichzeitig liefert man etwas Hintergrund (Cylons sind mehr als Maschinen) und legt Grundsteine für spätere Konflikte (Zarek). Wobei in der ersten Hälfte der ersten Staffel schon einige politische Konflikte aufbrechen (Spoiler: [Präsidentin verbietet Abtreibungen, Gefangenenrevolte). Dabei wird man nie plakativ und nimmt sich immer die Zeit, beide Seiten (oder mehr) darzustellen. Das ist auch die große Stärke der Serie. Die Charaktere sind keine Ansammlungen von ein paar Klischees, wie man es so häufig bei ähnlichen Serien sieht. Sie verfügen über eine gewisse Tiefe und treffen nachvollziehbare, kontroverse Entscheidungen. Das funktioniert vor allem deshalb so gut, weil alle Schauspieler exzellente Leistungen zeigen und die Autoren spannende Dialoge und Konflikte schreiben. Das führt dann dazu, dass die Geschichten und Auseinandersetzungen keine einfache (einseitige) Gesellschaftskritik sind, sondern eher Analysen, ohne dass dabei wirklich Partei ergriffen wird. Das bleibt geschickterweise dem Zuschauer überlassen.
Der Zweite und für mich interessantere Handlungsstrang der ersten Staffel ist die Odyssee von Helo und Boomer auf Caprica. Hier wird großartige Spannung aufgebaut, nach Hitchcock‘schem Vorbild („Die Bombe ist unterm Tisch, und das Publikum weiß es“). Auch die Hintergründe der Cylons werden näher beleuchtet, aber nie zu ausführlich. Das wichtigste bleibt immer im Dunkeln, so dass man zum großen „Plan“ nur spekulieren kann (Spoiler: Umso enttäuschter ist man dann, wenn einem spätestens in der dritten Staffel dämmert, wie ausgesprochen planlos alle agieren). Die bedrohliche Atmosphäre, die aufgebaut wird, gefällt mir dabei sehr gut. Hinzu kommt, dass beide Charaktere auch einfach besonders sympathisch sind. Helo ist von allen Charakteren sicherlich der moralisch integerste, noch vor Adama und Co, wodurch er jedoch nicht zum Helden wird, sondern später sogar das Misstrauen und die Verachtung seiner Kollegen auf sich zieht (großartig!).
Das noch unterhaltsamere Pärchen sind Baltar und Head-Six. Sie sind auch diejenigen, die für den wenigen Humor in der Serie sorgen. Ich frage mich immer, wie man Baltar nicht leiden könnte (was es ja unter den Fans geben soll). Er ist unter den Hauptcharakteren wohl der tragischste. Er kommt von einer, bestenfalls mitverschuldeten, Bredouille in die nächste (Spoiler: Er ist hauptverantwortlich für die schnelle und problemlose Vernichtung der Menschheit, er weiß wer Boomer ist, er muss sich in der dritten Staffel ergeben und die ganze Menschheit gleich mit und zu allem Überfluss hat er den vermeintlichen Feind im Kopf implantiert). Man kann nicht anders, als mit ihm zu leiden. James Callis liefert hier eine großartige Show. Die Dialoge zwischen den Beiden sind recht rätselhaft und lassen weitere Spannung hinsichtlich des Plans aufkommen, was vor allem auch der geheimnisvollen, leicht bedrohlichen aber auch erotischen Ausstrahlung von Tricia Helfer als Number Six geschuldet ist. Man kann Gaius verstehen. Er ist irritiert, hat zunächst Angst, ist aber auch neugierig (Wissenschaftler) und fühlt sich zu ihr hingezogen, schließlich war er die letzten 2 Jahre mit Ihr zusammen (Spoiler: Dass es sich (blöderweise) um eine andere Entität handelt, wird erst mit der großartigen Folge Downloaded am Ende der zweiten Staffel mehr oder weniger klar).
Einige andere Charaktere blieben für meinen Geschmack noch recht blass (Starbuck, Apollo). Die Präsidentin entwickelt sich schon früh zur absoluten Unsympathin (aus meiner Sicht), auch wenn sie noch nicht die faschistischen Züge späterer Staffeln zeigt. Integrität besitzt sie keine. Adama ist einfach ein alter, erfahrener Offizier. Kein Kämpfer, kein Held, kein Intelektueller. Er ist niemand, der sich einen Masterplan ausdenkt und diesen dann ohne Probleme durchzieht. Er begeht Fehler und geht Kompromisse ein. Er ist ein sehr menschlicher und realistischer Charakter aber kein besonders interessanter. Olmos hält die Serie jedoch mit seiner Autorität zusammen und gibt den anderen genug Freiraum. Tyrol finde ich besonders im Zusammenhang mit Boomer interessant. Ansonsten gibt er den Standard-Bordingenieur. Er ist jedoch auch noch eher eine Nebenrolle. Erst später wird er etwas interessanter.
Es ist bezeichnend, dass ich gerade die beiden (sagen wir drei) wichtigsten Cylons der ersten Staffel auch für die interessantesten Charaktere halte (Spoiler: [wobei sich Head-Six nicht als Cylon herausstellen wird). Dass es sich um „Maschinen“ mit Bewusstsein und Emotionen handelt, bzw. was diese ausmacht, ist nun kein neues Thema. Blade Runner wird mehr als einmal zitiert (Olmos spielte da sogar mit). Durch sympathische, komplexe, nachvollziehbare und sehr gut gespielte Charaktere wird daraus aber trotzdem ein sehr persönliches und emotionales Drama. Durch das Serienformat ergeben sich hier natürlich auch mehr Möglichkeiten, indem man tiefer in die Charakterzeichnung gehen kann und diese langfristig begleitet. Weniges wird einfach nur behauptet. Die poetische, „filmische“ Qualität eines Blade Runner oder Ghost in the Shell wird dabei natürlich nicht erreicht. Für blöder halte ich die Serie jedoch keineswegs. In den ersten beiden Staffeln wenigstens.
Storytechnisch geschieht in den 12 Folgen der ersten Staffel noch nicht viel. Man macht zum Schluss den ersten Schritt auf dem langen Weg zur Erde, bleibt aber insbesondere am Ende sehr vage. Die mystischen Elemente hielt ich zu diesem Zeitpunkt noch für interessant bis geschickt. Ich hoffte darauf, dass man vielleicht die Religionen gegeneinander ausspielt, dass es sich als Teil des Plans erweist (Spoiler: Pustekuchen). Der Cliffhanger zum Ende ist nochmal sehr gut und sorgt für einige emotionale Momente zu Beginn der zweiten Staffel.
Season 2 –- 9,5/10
In Staffel 2 schreitet die Story schneller voran als vorher. Die ersten 5 oder 6 Folgen beschäftigen sich noch direkt mit den Ereignissen am Ende der ersten Staffel. Dort passiert dann auch einiges. Adama liegt im Koma, Tigh ist völlig überfordert, Boomer weiß gar nicht was los ist und alle wollen den nächsten Hinweis zur Erde finden. Die Ereignisse überschlagen sich, alles dicht inszeniert und spannend. Gleiches gilt auf Caprica, wo Starbuck erstmals ein paar sehr gute Szenen bekommt. Nachdem man Kobol verlässt, kehrt wieder Ruhe ein. Weitere Konflikte werden vorbereitet und die Charaktere weiter vertieft.
Bis der vielleicht beste Story-Arc der Serie aufgemacht wird. Die erste Pegasus-Folge halte ich für die gelungenste der ganzen vier Staffeln. Hier kommt alles zusammen, was mir an der BSG gefällt und das auf denkbar dramatische Art und Weise. Da zahlt sich dann auch die ausführliche Charakterzeichnung aus, da man wirklich mit seinen Lieblingscharakteren mitleidet. Neue moralische Dilemmata tun sich auf und unerwartet ernsthafte Themen werden angeschlagen, wie Vergewaltigung als gezielte Foltermethode. Zusätzlich wird mit Gina Iviere ein sehr interessanter Charakter eingeführt, der unsinnigerweise später verheizt wird. Das gilt leider für viele Cylonen-Nebencharaktere. Man wollte die Zuschauer wohl nicht verwirren, indem man mehr als zwei Rollen mit derselben Schauspielerin besetzt. Bei Gina kam sicher auch noch dazu, dass man auf New Caprica nicht viel mit ihr hätte anfangen können, was nicht auch mit Caprica-Six möglich gewesen wäre. Hier rächt sich wieder, dass das Mastermind hinter der Serie, Ronald D. Moore, nicht von Anfang an einen Plan hatte, sondern bestenfalls eine halbe Staffel vorausplante (laut eigener Aussage). Das wird meiner Meinung nach auch bei Head-Six sehr deutlich. Ich bin mir sicher, dass sie zunächst als Teil des cylonischen Plans gedacht war. Dass das wohl nicht der Fall ist, wird spätestens bei der nächsten großartigen Folge der Serie klar, Downloaded.
Jene Folge dient vor allem der Vorbereitung des Cliffhangers der zweiten Staffel, ist allerdings einiges mehr. Hier wird die Geschichte erstmals direkt und ausführlich aus Sicht der Cylons erzählt und dabei auch gleich zwei (drei) alte Bekannte zurückgebracht. Das halte ich für sehr geschickt. Spätestens hier wird offensichtlich, dass sie den Menschen zum Teil sehr ähnlich sind und schon gar keine homogene Masse wie die Borg, was Anders am eigenen Leib erfährt. Man lernt mehr über die Hintergründe und die beiden Hauptcharaktere machen eine interessante und vielversprechende Wandlung durch. Besonders die Idee, dass auch Caprica-Six Visionen von Baltar hat, gefiel mir zunächst sehr gut. Dass dies allerdings auch bedeutet, dass Baltars Vision eben nicht das Bewusstsein von Caprica sind und dass sie wohl nicht mal zum Plan gehören, ja dass es wohl nicht mal einen Plan gibt, blendete ich aus. Leider markierte diese Folge den Anfang vom Abstieg der Serie in der dritten Staffel und am Ende. Für sich betrachtet gehört sie für mich jedoch zu den beiden besten der Serie, obwohl, oder gerade weil sie eine völlig andere Richtung einschlägt.
Das unmittelbar folgende Finale der zweiten Staffel markiert einen Wendepunkt in der Serie. Plötzlich befinden wir uns ein Jahr in der Zukunft. Damit werden die meisten wirklich spannenden Konflikte und Charakterentwicklungen der zweiten Staffel weggeschmissen und größtenteils auch nicht mehr aufgegriffen. Aber das wurde erst in der dritten Staffel offenbar.
The Resistance Webisodes –- 6,5/10
Diese 20 minütige Mini-Serie sollte man vor der dritten Staffel sehen. Sie stimmt bereits etwas auf die cylonische Besatzung ein und stellt zwei Charaktere vor, die zu Beginn der dritten Staffel Nebenrollen bekleiden. Für sich gesehen sind die Episoden nicht der Rede wert. Sie wurden offenbar mit sehr geringem Budget produziert. Es gibt kaum Außendrehs oder Special-Effects, Schießereien finden im Off statt. Auf der Blu Ray liegen sie in augenkrebserzeugender youtube-Qualität vor (auf Beamer besonders schrecklich). Es geht wirklich nur um die Einführung der Charaktere und die Motivationen für ihre späteren Entscheidungen. Die ersten paar Folgen der dritten Staffel machen mit diesem Hintergrundwissen mehr her. Ein Muss sind diese Mini-Folgen jedoch nicht
Season 3 -- 7,25/10
Die Staffel beginnt noch mal vier Monate nach dem Ende der zweiten. Seit der zweiten Staffel sind also fast eineinhalb Jahre vergangen. Alle Charaktere finden sich in völlig neuen Situationen wieder. Ron Moore fürchtete, die Serie könne sich verfahren und wollte die Karten neu mischen. Etwas Schlimmeres hätte ihm jedoch kaum einfallen können.
Gleich zwei Stärken der Serie gehen dadurch verloren. Erst einmal haben sich viele der Charaktere in der vergangenen Zeit natürlich weiterentwickelt. Diese Entwicklung wird größtenteils jedoch nur behauptet und selten begründet. Die Motivationen muss man sich also aus den Fingern saugen. Das hätte man abschwächen können, indem man in spätere Folgen Rückblenden einbaut. Auch einen ganzen Film zu dem Thema hätte ich mir vorstellen können. Gerade in der recht langwelligen zweiten Hälfte der Staffel hätte das die Serie etwas aufgelockert. Rückblicke gibt es zwar, jedoch spärlich und nur für wenige Charaktere. Eine der Entwicklungen, die mich störten, war beispielsweise die plötzliche Integration Athenas in die Crew, wo sie es doch in der letzten Folge nicht mal für nötig hielt, die anderen vor Cavil zu warnen (Zitat: Do you think I care anymore?). Auch die völlig vernachlässigte, obwohl eigentlich wichtige, Entwicklung von Boomer (nicht Athena) störte mich. Downloaded am Ende der zweiten Staffel hat da weit mehr versprochen.
Das zweite Problem des Zeitsprungs und der Besatzung ist, dass man die Cylons ihrer geheimnisvollen Ausstrahlung beraubt. Sie agieren recht hilflos. Nichts da mit: Sie haben einen Plan! Die Entzauberung der Gegner nimmt weiterhin Spannung und Atmosphäre heraus. Nicht zuletzt die besondere Blödheit der Cylons, durch militärische Besatzung einen Frieden erzwingen zu wollen, stößt mir auf. Aber dafür gibt es sicherlich genügend historische Beispiele.
Allerdings muss ich trotz dieser Probleme gestehen, dass man aus den neuen Voraussetzungen recht viel herausholt. Sehr einfach kann man die Besatzung als Allegorie auf die amerikanische Besatzung Iraks und Afghanistans sehen, auch wenn ich das eher allgemeiner betrachtet habe. Die Cylons als technologisch und militärisch überlegene Besatzungsmacht gegen die armen Einwohner, die auf Guerilla-Taktiken zurückgreifen. Wobei hier sicherlich auch etwas Nazi-Frankreich/Osteuropa hineinspielt, wenn es um den Terror der Besatzer geht. Man traut sich hier etwas Außergewöhnliches: Die „Helden“ greifen hier auf Selbstmordattentate zurück, vor allem um Rache zu üben. Dabei geht man geschickt vor, indem man das Verhalten versteh- und greifbar macht, aber natürlich nicht glorifiziert. Es ist eine Spirale der Gewalt, ohne Gewinner. Mit einer Wertung hält man sich BSG-typisch zurück. Die kann der Zuschauer gefälligst selbst vornehmen (eine große Stärke der Serie). Trotz schlechter Voraussetzungen bleibt die Serie auch zu diesem Zeitpunkt spannend und brisant.
Die weitere Entwicklung der Staffel ist von meiner Seite aus negativ zu bewerten. Hier konnte mich hauptsächlich Baltars Aufenthalt auf dem Basestar bei der Stange halten. Auch wenn sich hier vieles wiederholt. Das „Highlight“ zur Mitte der Staffel auf dem Planeten ist inhaltlich ziemlich lahm. Man geht hier langsam stärker in eine mystische Richtung. Nachvollziehbare Erklärungen sind Mangelware, wodurch das Interesse sinkt. Die Autoren wurden offenbar faul und der Konflikt zwischen Menschen und Cylons profitiert von den Ereignissen kaum. Der eigentliche Stand-Off ist jedoch noch spannend.
Die zweite Hälfte der Staffel halte ich dann für den langweiligsten Teil der Serie. Hier Reihen sich uninteressante Stand-Alone-Episoden aneinander und die Geschichte tritt auf der Stelle. Im Fokus stehen Charaktere, die mich wenig interessieren. Baltar spielt kaum eine Rolle und die Cylons können ebenfalls nicht viel beitragen. Ansonsten werden nur ein paar der mystischen Elemente der vierten Staffel vorbereitet (Starbuck). Die Besetzung von Xena finde ich gut. Ihre Rolle gibt halt leider nicht viel her.
Erst das Ende wird dann wieder interessant. Baltar wird der Prozess gemacht, was ich nicht zuletzt durch den neuen Charakter Lampkin halbwegs amüsant finde. Auch wenn einige sicherlich zu Recht kritisieren mögen, dass ein so schrulliger comic-relief Charakter nicht zur Serie passt. Lee Adama hat auch erstmals ein paar interessante Szenen. An dieser Stelle wird die Serie auch wieder einmal besonders politisch, allerdings auf etwas plakativere Art. Ansonsten drehen noch vier Crewmitglieder offenbar durch, bis sie dann ihre wahre Identität erkennen müssen. Das wirkt etwas gewollt und übertrieben, aber irgendeinen Cliffhanger musste man sich ja ausdenken. Gleiches gilt für das plötzliche (aber an dieser Stelle erwartbare) wiederauftauchen Starbucks. In Anbetracht des Endes der Serie passt der Einsatz von All Along The Watchtower ganz gut. Die Frage ist natürlich, ob es unbedingt hätte sein müssen. Auch das kann man gerne befremdlich finden. Das Lied sorgt auch in der vierten Staffel für noch ein paar schöne Momente.
Minisodes –- 8/10
Hierbei handelt es sich fast ausschließlich um Szenen, die später auch in Razor vorkommen. Wenn man also vor hat, Razor ohnehin zu schauen, kann man auf die Minisodes verzichten. Sie waren als Appetizer für den Film gedacht und funktionieren als solcher recht gut. Da es sich um Szenen aus dem Film handelt musste man beim Budget keine Kompromisse eingehen. Es gibt vor allem Action und Schlachten. Inhaltlich geht es um die Erlebnisse Adamas im ersten Krieg, was auch einen der interessanteren Aspekte von Razor darstellt. Allerdings weiß ich nicht, wie sich diese Ereignisse mit der bald erscheinenden Serie Blood and Chrome vertragen können. Wir werden sehen.
Razor -– 6,5/10
Razor geht nochmal auf die Pegasus zurück. Auch die Produzenten haben wohl erkannt, dass die der beste Story-Arch der Serie war. Leider verschwendet man zu viel Zeit auf einen neuen Charakter, der für die Serie keine Rolle spielt. Die interessanten Aspekte der Geschichte, wie Gina, müssen dahinter zurücktreten. Viel Neues gibt es hier nicht zu sehen und die Beziehung zwischen Lee und Kara ist so interessant nun auch nicht. Lediglich die kurze Geschichte um den Ursprung der Cylons (Minisodes) ist relevant und passend umgesetzt.
Season 4.0 -– 8/10
Den ersten Teil der finalen Staffel halte ich insgesamt für die besten Episoden in der zweiten Hälfte der Serie. Endlich konnte man durch den Bürgerkrieg auch den Cylonen mal wieder etwas Interessantes abgewinnen und Baltar ist mit seinem Harem und den (viel zu seltenen) Auftritten von Head-Six lustiger als je zuvor. Die Entdeckung der Erde ist dann auch ein kleiner Schock. Mit den vier Cylons an Bord der Flotte werden noch ein paar halbwegs interessante Geschichten erzählt. Starbucks mystische Rolle gehört sicherlich zu den größten Schwachpunkten dieser Staffel, allerdings fand ich die Story auf der Demetrius noch ganz nett, unabhängig vom Starbuck-Unsinn.
The Face Of The Enemy Webisodes -- 7/10
Hier wird auf Gaetas Gründe für die folgende Meuterei eingegangen. Das Ganze spielt mit ein paar Leuten und zwei Eights in einem versprengten Raptor. Als Hintergrund dient ein kleiner Rückblick auf die Ereignisse auf New Caprica. Hier wird gezeigt, wie eine der Eights von Gaeta Listen in Empfang genommen hat, mit dem Versprechen, die darauf befindlichen Leute zu befreien. Hinzu kommt noch eine Affäre mit Gaeta. Letztendlich stellt sich heraus, dass sie die Leute umbringen ließ. In dem Raptor sterben dann auch nach und nach alle. (Spoiler: Gaeta überlebt als einziger und sein Hass auf die Cylonen ist aufs Neue gefestigt.) Die Handlung um die Eight ist an dieser Stelle etwas fehl am Platz, finde ich. Die Eights und Sixes sind hier eigentlich schon als die „netten“ Cylons etabliert. In diesem Fall handelt es sich jedoch um ein geradezu grotesk bösartiges und blödes Exemplar. Sehr problematisch finde ich das dann aber auch nicht, da sie ja auch als Individuen dargestellt wurden und sie offenbar recht unerfahren in zwischenmenschlichen Beziehungen sind. Insgesamt ist die Mini-Serie eine nette Ergänzung vor Staffel 4.5. An dieser Stelle sei noch gesagt, dass Face Of The Enemy als Einziges auf keiner Veröffentlichung der Serie zu finden ist. Es gibt wohl rechtliche Streitigkeiten, auch wenn ich nicht wüsste, wo diese liegen sollten. Man muss sie sich im Internet zusammensuchen. Auf youtube gibt es nicht alle Folgen.
Season 4.5 -- 7/10
Vor dem endgültigen Finale gibt es noch den Story-Arch mit der Meuterei von Gaeta und Zarek. Das kommt nicht unerwartet und ist meiner Meinung nach ausreichend begründet. Es ist jedoch nicht die erste Story dieser Art. Man wiederholt sich hier selbst. Dennoch bleibt es spannend und straff inszeniert. Nur durch diesen Arch erhält die Staffel 4.5 von mir eine gute Bewertung.
Kommen wir nun also zum Finale. Bis zuletzt hoffte ich ja auf ein Babylon 5 mäßiges Ende, mit dem ich mich gut hätte anfreunden können. Ich wusste schon vorher, dass es wohl etwas Esoterisches werden würde und dass es auf der Erde endet. Daher war ich vom richtigen Ende dann auch nicht gerade schockiert. Sehr schade fand ich es trotzdem. Nicht nur ist es nicht sonderlich logisch, sondern auch unerwartet einfach. Es widerspricht eigentlich allem, wofür die Serie steht und ist mit dem selbstauferlegten Grundsatz der naturalistischen Science Fiction (http://classic-web.archive.org/web/20070208103915/http://www.galactica2003.net/articles/concept.shtml) nicht zu vereinbaren, außer natürlich, man glaubt tatsächlich an solchen Mumpitz. Besonders schade fand ich auch, dass man gerade das nicht tat, was ich ursprünglich erwartet hatte, als die Sprache auf die Religion kam, nämlich, dass die Cylons sie als Unruhestifter einsetzen um die Menschen gegeneinander auszuspielen. Das war, als ich noch an den Plan glaubte. Als ob das nicht genug wäre, ist die letzte Folge auch erschreckend dilettantisch inszeniert. Am meisten stört mich beim Ende gar nicht, dass es ein „Happy End“ ist, oder dass es vor 150.000 Jahren spielt, sondern, dass der ganze Opernhauskram, die Musik und die Head-Charaktere einfach mit Gott als Deus Ex Machina im wahrsten Sinne des Wortes erklärt werden. Da fühlte ich mich dann doch etwas verarscht. Bis zur letzten Folge hätte ich mir ein anderes Ende vorstellen können, auch wenn dafür vielleicht einige Verrenkungen notwendig gewesen wären. Dass man sich noch ein kleines Pseudo-Hintertürchen offen lässt, indem man in der letzten Szene von einem Gott im biblischen Sinn Abstand nimmt (You know, it doesent want to be called that!), ist für mich dann nur noch Schadensbegrenzung. Laut eigener Aussage plante Moore nicht mehr als eine halbe Staffel im Voraus und dachte am Anfang noch in keinster Weise über das Ende nach. Das ist rückblickend auch mehr als offensichtlich. Er manövrierte sich in einige Sackgassen, aus denen ein zufriedenstellendes Herauskommen kaum mehr möglich war. Allerdings gilt ja gerade auch bei dieser Serie, dass der Weg das eigentliche Ziel ist und der Weg in diese Sackgassen machte mir ja durchaus viel Spaß.
The Plan --- 8/10
Ich kann verstehen, wenn man mit dem Konzept nicht zurecht kommt. Es werden alte Geschichten aus der ersten und zweiten Staffel aufgewärmt. Das Ganze hat keine wirklich zusammenhängende Story und Dramaturgie und bietet eher Hintergründe als aufregende Neuigkeiten. Das Bindeglied, das die Geschichte zusammenhält, ist Cavil. Es wird versucht die Motivation für seine Handlungen im späteren Verlauf der Serie zu Beleuchten. Beinahe interessanter finde ich aber, dass Charaktere wie Anders und Boomer nochmal ausgebaut werden, indem man Szenen nachliefert, die damals ausgeblendet wurden. Zu Beginn dachte ich, man übertreibt es etwas mit den verschiedenen Handlungssträngen. Man kann in einem TV-Film natürlich nicht alle 15 Hauptcharaktere der Serie einbauen. Am Anfang wirkte es so, als wolle man das. Allerdings verlaufen einige Teilhandlungen dann im Sande, bzw. ihre Bedeutung wird erst später klar. Man konzentriert sich zum Glück auf die Cylons. Für die Geschichte unwichtige Charaktere (Apollo, Starbuck, Roslin, Baltar) spielen gar nicht erst mit, oder kommen nur in Archivmaterial vor. Hier muss vorallem die Frage gestellt werden, ob es derart viel Archivmaterial gebraucht hat. Natürlich nicht. Die Fans können die Ereignisse auch so einordnen und alle anderen verstehen ohnehin nichts. Hätte man an dieser Stelle gespart und unsinnige Szenen wie die mit Tory weggelassen, hätte man auch noch die Zeit gehabt auf die Ereignisse die aus Downloaded folgen, einzugehen. Zu dem Handlungsstrang gibt es sogar deleted scenes, die aber ohne Zusammenhang im Raum stehen, bzw. einfach keinen Sinn ergeben. Dass ich The Plan trotzdem gut finde, liegt an den Charakteren, auf die er näher eingeht. Das ist das, was ich als Fan sehen wollte und hier ist das Writing serientypisch gut, auch wenn Überraschungen ausbleiben. Besonders, dass man dabei nochmal in einige der besten Folgen der Serie zurückgeführt wird, finde ich prima. Die Illusion des "Plans" wird endgültig zerstört. Der Plan war, einfach alle Menschen umzubringen. Naja. Was Anderes wäre nach dem Ende der Serie auch schwer umzusetzen gewesen. Schade ist es trotzdem. Aber dafür kann The Plan nichts.
Die Inszenierung von Regisseur Edward James Olmos ist recht einfach und zum Teil klischeehaft, aber letztendlich zweckmäßig. Erschreckend schlecht fand ich leider die CGI-Effekte. Die Serie hatte immer gute Effekte, zum Schluss hin sogar kinotaugliche. Warum das hier dann zum Teil wie Babylon 5 aussieht, kann ich mir nicht erklären. Gerade bei einem TV-Film hofft man doch auf ein größeres Budget als bei einer Serienfolge. Zum Schluss sei noch erwähnt, dass es erstaunlich viele Titten zu sehen gab ;)
Noch mal zu einigen Schauspielern und ihren Rollen:
Edward James Olmos gibt den etwas grummeligen, erfahrenen Offizier. Er gehört sicherlich zu den routiniertesten Schauspielern der Serie. Es gibt nichts, was man ihm vorwerfen könnte. Sein Spiel ist zurückgenommen und realistisch. Auch hektische Szenen im CIC spielt er ohne Overacting. Sein Charakter und sein Spiel geben der Serie einen Anker. Man weiß, was man von ihm erwarten kann.
Mary McDonnell verkörpert mit der Präsidentin den zweitunsympathischsten und zweitnervigsten Charakter der Serie. Aber zu Beginn auch einen der wichtigsten. Sie muss meistens die wirklich brisanten (politischen) Entscheidungen treffen, die ja zum Teil gerade die Relevanz der Serie begründen. Sie spielt die Präsidentin als kalte und eigennützige Politikerin, die oberflächlich betrachtet sogar sympathisch ist. Sollte das ihr Ziel gewesen sein, so hat sie es erfüllt. Zum Schluss geht mir ihr Gejammere etwas auf die Nerven. Die Zuneigung seitens Adamas konnte ich nie nachvollziehen.
Grace Park schafft es zuweilen sehr gut, den Beschützerinstinkt des (männlichen) Zuschauers zu wecken, was bei Ihrer Rolle nicht unwichtig ist. Schließlich läuft sie häufig (ernsthaft) Gefahr, erschossen, die Luftschleuse hinausgeschmissen oder vergewaltigt zu werden. Nur selten wirkt sie etwas überfordert. In der zweiten Hälfte der Serie geben die Drehbücher leider nicht mehr viel für sie her und die Autoren wissen offenbar wirklich nichts mehr mit ihren Charakteren anzufangen (das finde ich doof).
James Callis spielt den womöglich unterhaltsamsten Charakter. Er ist nach außen ein wenig umgänglicher und von sich überzeugter, etwas hektischer und seiner Umwelt weit überlegener Wissenschaftler und Pop-Star. Innerlich ist er jedoch höchst verunsichert, was nicht zuletzt an seinen Erlebnissen liegt. Zunächst wirkt er wie der typische Mad Scientist, Callis füllt die missverstandene Figur jedoch ohne weiteres mit Leben und Emotion. Leider ist die Wandlung zum Religionsführer nicht gänzlich glaubwürdig, trotz „himmlischer“ Hilfe.
Tricia Helfer gelingt es, den Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes bei der Stange zu halten. Die verschiedenen Inkarnationen der Number Six verkörpert sie glaubwürdig, vielseitig und effektiv. Auch ehrlich emotionale Momente kauft man ihr gerne ab. Ihre Ausstrahlung ist ein großer Pluspunkt der Serie und ihr Zusammenspiel mit Callis ist herzallerliebst.
Fazit:
Bis zur vorletzten Folge hatte ich das unbedingte Verlangen, nach Abschluss, die Serie direkt nochmal zu beginnen. Mit dem Finale hat sich dann leider erledigt (auch, wenn es sicherlich nicht das letzte Mal war). Ich sah alles OmeU, was insbesondere im Hinblick auf All Along The Watchtower auch inhaltlich sicherlich zu empfehlen ist, wobei ich auf die UTs nicht verzichten wollen würde (Im Gegensatz zu Babylon 5 zum Beispiel). Außerdem sah ich die Serie innerhalb von zwei bis drei Wochen. Ich denke, dass mein Urteil anders hätte ausfallen können, hätte ich die Serie mit einer Woche Pause zwischen jeder Folge geschaut. So wirkte auch in den späteren Staffeln das gewaltige Suchtpotential der ersten Staffeln nach. Ich nahm mir nicht wirklich die Zeit zwischen den Folgen über das Gesehene zu reflektieren und hatte daher sicherlich weniger Probleme mit den esoterischen Elementen und ihrer Bedeutung für die Serie als Ganzes bzw. für das Ende. Ich muss aber auch gestehen, dass das Suchtpotential dieser Serie das größte ist, das ich bisher kennengelernt hatte. Bei anderen Serien schaffte ich es eigentlich immer, nach zwei Folgen aufzuhören, das Geschaute zu verarbeiten und später weiterzumachen. Bei BSG konnte ich sozusagen nicht an mich halten. Und wenn das nicht das beste Argument für eine sehr gute Bewertung meinerseits ist, was dann?
Und für diejenigen, die noch unentschlossen sind, ob sie die Serie schauen sollten: http://www.guardian.co.uk/culture/2009/mar/19/battlestar-galactica-review
"If you're still not convinced you should give it a go, maybe we should leave it to the succinct words of the great amazon.co.uk poet who wrote: "If you liked that other great stuff, you'll like this.""