Das Alles ist schon mal geschehen, und es wir wieder geschehen. Battlestar Galactica ist ein Serien-Remake einer gleichnamigen US-Serie, welche kurze Zeit nach dem ersten Star Wars eben auf jenen Zug aufspringen wollte. Die Prämisse war ein verfolgtes menschliches Volk auf der Flucht vor den bösen Zylonen und auf der Suche nach der legendären ursprünglichen Menschenkolonie genannt Erde. So offensichtlich billig die Effekte waren, so schäbig waren auch die Stories, ein gewisser religiöser Kontext konnte ebenso wenig verhehlt werden, schließlich war man auf der Suche nach dem gelobten Land, und der Anführer der Menschen hieß Adama. Und schließlich handelte es sich um ein Produkt des kalten Krieges, wodurch man schon gewisse Analogien zum Ostblock in den Bösen ausmachen konnte.Bedurfte es daher eines Remakes einer eigentlich vergessenswerten billigen kleinen Serie?Sicherlich nicht… Und doch: 2003 wurde ein Remake in Auftrag gegeben, wobei aber die gesamte Grundprämisse neu aufgesetzt wurde. So waren die Zylonen nun die Maschinen, die sich gegen ihre Erbauer, die Menschen richteten, und dabei fast die komplette Menschheit ausrotteten. Nun war die Menschheit zwar immer noch auf der Flucht und auf der Suche nach der legendären ursprünglichen Menschenkolonie genannt Erde, doch ein weiterer Twist war, dass Adama gar nicht an die Erde glaubte, sondern sie nur erfand, um den überlebenden Menschen Hoffnung zu geben.Was nun folgte war in keinster Weise eine belanglose Happy-Go-Lucky-Serie wie das Original. Statt dessen wurden erwachsenere Themen wie Völkermord, Kriminalität, Selbstjustiz, Verwahrlosung und Verrohung der Gesellschaft während einer hoffnungslosen Flucht, Religionskriege, Sexualität in positiver als auch negativer Form dargeboten.Auf die Spitze wurde dies getrieben, als in der dritten Staffel eine vermeintlich friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Maschine versucht wird, die Menschen jedoch diejenigen sind, die sich mit Selbstmordattentaten an den Zylonen und den kolabierenden Menschen rächten. Hier wurde besonders deutlich, dass es keine klare Trennung zwischen gut und böse gibt, richtig und falsch. Man konnte das richtige machen wollen, und dennoch würde man das falsche tun. Und auch das Richtige zu tun würde einen nicht vor negativsten Konsequenzen schützen.Also auch hier: die Fallhöhe der Charaktere war immer immens, und gesetzt waren die wenigsten.So Konsequent das alles klingen mag, genauso esoterisch blieb die ganze Serie über die gesamte Laufzeit hinweg und verweigerte sich der Erklärung aller Materie mittels Wissenschaft, ganz im Gegenteil: Recht früh wurde der missionarisch religiöse Eifer der Originalserie beibehalten. Und dennoch, gerade dieses Grenzenausloten, überschreiten, sich nicht auf ein Genre festlegen lassen, machte letztendlich Battlestar Galactica zu einem unglaublich wuchtigen und wichtigen Serienhighlight des frühen neuen Jahrtausends. Im Folgenden nun eine kurze Zusammenfassung und Bewertung der einzelnen Bestandteile: Mini-Serie und 1. Staffel:Was relativ lasch und gewöhnungsbedürftig anfängt, ja fast langweilig und lethargisch, entwickelt sich mit zunehmender Folgenzahl immer mehr zu einem intensiven, kammerspielartigen Kampf ums nackte Überleben. Keiner ist gesetzt, es werden keinerlei Kompromisse gemacht, und nicht jedes Story-Element scheint zu greifen. Doch es wird deutlich werden, dass alles komplett ausgeklügelt ist. 8 Punkte 2. Staffel und TV-Film Razor:Die Serie hat sich endlich selbst gefunden und es werden immer häufiger unbequeme Fragen aufgeworfen, die ganz eindeutig als Allegorie auf die heutige Gesellschaft aufgefasst werden können. Der religiöse Aspekt bleibt nach wie vor beibehalten und es ist eigentlich klar, dass es noch wichtiger werden wird, aber es stört weniger als befürchtet und passt perfekt ins Bild.9 Punkte 3. Staffel und der Plan:Selten hat es im US-TV eine derart deprimierende, verstörende, fast schon hoffnungslose erste Hälfte gegeben, gepaart mit einer mörderisch guten Athmosphäre kann man dies fast als nur Perfekt bezeichnen. Nimmt man die Füller-Episoden als gegeben hin, und akzeptiert die innere Logik der Serie, sowie den perfekten Abschluß, muß man dieser Staffel 10 Punkte geben. 4. Staffel:Mit Sicherheit nicht perfekt, aber wie hier mit den Protagonisten umgegangen wird, wie man ihren Verfall – körperlich und geistig – miterlebt, wie sich die einzelnen Charaktere aufreiben in diesem Endspiel, das ist monumentales Kino. Und da ist die Schlußpointe, die ich nicht vorweg nehmen möchte, in keinster Weise störend. Auch das ewig in die Länge gezogene Finale ist mehr als nur passend. Wunderbar.9.5 Punkte. Insgesamt muß man festhalten, dass die Gesamtwertung vielleicht 9 Punkte rechtfertigen würde, aber wenn man das große Ganze betrachtet, hat Battlestar Galactica mehrere Errungenschaften auf einmal vorzuweisen: