Zug verpasst, Collegegeld verprasst, Mädels gehasst
Mit den Slashern aus den 80ern ist das so eine Sache, manchmal glaube ich, sie würden immer noch irgendwo frisch im Keller von irgendwem produziert, nur damit immer wieder neue, mir und dem Großteil der Welt komplett unbekannte Kleinode aus irgendeinem Loch kriechen, veröffentlicht werden und mich überraschen... Und es muss das größte Maulwurf-/Mörderloch aller Zeiten sein!... Spaß beiseite. Aber "Rush Week" habe ich simpel gesagt bisher in noch keiner einzigen Slasherliste, keinem Buch zu dem Thema und aus keinem Mund von ähnlich geneigten Fans wie mir vernommen. Und ich habe in der Beziehung quasi alles im Regal stehen, was es zu dem Subgenre gibt... Sehr strange. Er kommt auch nicht aus Europa oder dem Arsch der Welt, sondern geht als as american as american gets durch. Und zudem ist er gar nicht untergründig, skurril und lowbudget, wie man meinen könnte, eher das Gegenteil davon. "Animal House" meets "The House on Sorority Hill" in etwa, mehr Mainstream geht eigentlich kaum. Doch vielleicht ist er auch einfach schon zu 08/15, vanilla, whodunit und generisch und ist deswegen niemandem bisher aufgefallen... Erzählt wird von einer schönen Collegezeitungsschreiberin, die dem Verschwinden einiger ihrer Mitstudentinnen und damit einhergehend einer männlichen Machostudentenverbindung genauer auf den Grund geht...
Porkys with the Slashies
Im Grunde läuft in "Rush Week" gar nicht allzu viel komplett schief. Die 80er-Vibes küssen erste Züge der 90er. Der Slasher als Subgenre war schon nahezu Tod und genau zwischen zwei Epochen, was solche Ausschläge zur "falschen" Zeit umso interessanter macht. Und es gibt genug sehr ansehnliche Nackedeis, männliche wie weibliche, zu bestaunen. Die berühmten "Verbindungsparties" sind detailliert und wild. Es wird gebusselt, gekuschelt und getuschelt. Pranks an jeder Ecke, in jedem Plenarsaal. Fast schon zu viel Blödelei. Aber eine Sache wird wahrscheinlich zu wenig, die wichtigste nämlich... gemordet! Der Bodycount ist doch sehr gering, die Kills sind nicht gerade kreativ und "Rush Week" fehlt's dann damit klipp und klar an einem oder mehreren Alleinstellungsmerkmalen. Und das führte dann insgesamt wohl Ende der 80er zu seinem direkten Vergessen. Das war in Zeiten als selbst Freddy Krueger anfing zu Struggeln einfach nicht genug. Da hilft auch nicht das ein oder andere Tippen auf'm MS-DOS-Betriebssystem und wie gesagt die ersten Blicke in das neue, digitalere Jahrzehnt...
Fazit: sehr später und unbekannter 80s-Slasher mit viel Nacktheit, Plumpheit und Dummheit... Genau wie ich es mag! ;-) Eigentlich. Trotzdem sehr blass. Eine luschige Kamelle insgesamt irgendwie. Hier fehlt's an Raffinesse, Biss oder Härte.