So, jetzt mal Hände hoch: wer hat genug Scheiße im Internet zusammengestöbert, um „Space Invasion from Lapland“ zu kennen?
Äh „Horror in the Midnight Sun”?
Oder “Invasion of the Animal People”?
Wer eine dieser Fragen mit ja beantworten kann, hat auch schon fast den letzten Winkel spinnerter Filmproduktionen aufgestöbert und kann sich auf knorke 70 Minuten im Schnee freuen, denn die Aliens sind gelandet und sie schonen auch keine Rentiere. Oder so ähnlich.
Ok, stellt euch vor, es ist 1959! Die Monster-Rieseninsekten-Dinosaurier-Welle ist sowas von durchs Land geritten und alle Welt sucht neue Ansätze cineastischer Natur, aber gewisse Leute haben noch ein paar Steuerabschreibungen zu machen. Also nimmt man sich ein obskures Alien-UFO-Filmprojekt aus Schweden vor und verkauft es an eine US-Produktionsfirma, die damit (wie bei Godzilla) alles Mögliche im Schneideraum machen darf.
Wobei: es ist ja jetzt nicht so, dass sich ein paar Skandi-Touristen irgendwelchen Amateurkram ausgedacht haben, sondern wir haben es durchaus mit einem soliden Alien-Invasion-Film zu tun, gemacht von Leuten, die offenbar sowohl „Gefahr aus dem Weltall“ wie auch diverse Monster-on-the-Loose-Heuler gut studiert haben.
Der Aufbau ist klassisch: da schlägt in Nordschweden irgendwo ein Meteor ein und räumt gut ab bei den Karibus. Stockholm und London tun sich zusammen und rüsten eine Expedition aus und siehe da im Gletscher, der Meteor ist ein Raumschiff. Und dieses Raumschiff hat viele interessante Nebeneffekte, einer davon ist ein haariger Sieben-Meter-Typ im Zottelfellmantel und mit Wildschweinhauern.
Letzterer stapft also jetzt durch die Einöde, murkst mal irgendwen ab oder macht was kaputt (auch Rentiere) und dann steht ermal wieder nur in der Gegend rum. Zwei waschechte Aliens befinden sich auch noch in der „It came from Outer Space“-Rubikskugel, die aber nur zweimal vorbei schauen und dann schleunigst das Weite suchen, nachdem der „Hero“ den Zotteltyp in eine Felsspalte gekloppt hat.
Dazwischen gibt es viel freundliche Völkerverständigung, eine hübsche Eiskunstläuferin, viele Liebeleien (Scientist meets Skatergirl) und Schnee, Schnee, Schnee…
Man darf sich an recht gelenkigen Ski-Aufnahmen mit Kamera erfreuen, die Willy Bogner gefallen hätten und die Beleuchtung der schneereichen schwedischen Bergwelt (kombiniert mit einigen Modelshots und geschicken Größenaufnahmen) ist wirklich sehr hübsch.
Was nicht so hübsch ist: der dünne Plot, der teilweise wirre Schnitt und der zusammenhangsarme Ablauf, was dann doch irgendwann ziemlich schneeblind macht, vielleicht hätte man den Aliens doch sowas wie ein Vorhaben, eine Absicht, einen Plan oder eine sinnstiftende Vorgehensweise mit auf den Weg geben sollen, denn hier wirkt alles ziemlich zufällig (montiert).
Was die Herren oder Damen nun auf unserem Planeten gewollt haben und in welchem verwandtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnis sie zu dem Zottelriesen stehen und was dessen Mission gewesen ist (mglw. war er ein Haustier und brauchte mal ne Runde Auslauf), man weiß es nicht und erfährt es auch nicht richtig.
Aber: Wer Sachen wie „The Deadly Mantis“ oder „The Amazing Colossal Man” überlebt hat, der findet auch an diesen 70 Minuten was Erfreuliches. Ich habe schon sehr viel schwächere Filme gesehen, hier scheitert es eindeutig am Plot oder weil das Ding später jemand sinnentstellend nachsynchronisiert hat. Loipenhaft! (3/10)