Es steht wohl außer Zweifel, dass kaum eine Vorlage so oft verfilmt wurde wie „Der Hund von Baskerville" von Arthur Conan Doyle. Dabei ist die Entstehung dieser längeren Sherlock-Holmes-Geschichte eher sonderbar zu nennen. Doyle hatte nämlich, nachdem er die zwei überaus erfolgreichen Zyklen „Die Abenteuer von Sherlock Holmes" und „Die Memoiren von Sherlock Holmes" veröffentlicht hatte, genug von seinem Helden. Folgerichtig ließ er die ihm lästige Figur in einem Schweizer Wasserfall Dank seines Intimfeindes Moriarty über die Klinge springen. Doch die darauf einsetzende Protestwelle, allerdings auch einhergehend mit erneuten Geldnöten und der Krankheit seiner Frau, ließen ihn umschwenken und er schrieb, als Vorankündigung für den dritten Zyklus „Die Wiederkehr von Sherlock Holmes", über einen Fall aus angeblich früheren Tagen des Meisterdetektivs.
Von allen filmischen Umsetzungen dieser Vorlage gefällt mir diese hier mit Basil Rathbone und Nigel Bruce eindeutig am besten. „Der Hund von Baskerville" war gleichzeitig der Auftakt zu einer 14teiligen Reihe mit diesen beiden Schauspielern, wobei nicht alle Filme als völlig gelungen bezeichnet werden können, insbesondere die Propagandafilme während der Zeit des Zweiten Weltkrieges sind Holmes-Fans bis heute fremd geblieben.
Doch mit diesem Streifen droht diesbezüglich keine Gefahr. Wir werden versetzt in die viktorianische Epoche und erfreuen uns an einer ziemlich detailgetreuen Umsetzung der Buchvorlage. Rathbone und Bruce verkörpern das Gespann Holmes/Watson mit viel Herzblut und arbeiten die besonderen Charaktere beider Figuren gut heraus. Der hagere Holmes, der bereits zum Anfang des Filmes einen Beweis seiner Beobachtungsgabe liefert mit der berühmten Spazierstockszene, sticht umso so brillanter hervor, je dümmer er seinen gutmütigen Begleiter Watson hinstellt. Doch genau dieser Gegensatz bereitet soviel Charme, denn trotz der etwas gelegentlich unterkühlten Arroganz wirkt auch Holmes stets sympathisch auf den Betrachter.
Von London, wie immer der Ausgangsort der Ermittlungen, ist natürlich in diesem Streifen so gut wie gar nichts zu sehen, auch Holmes abenteuerliche Behausung in der Baker Street 221B ist nur kurz zu bewundern, zieht es doch beide ziemlich schnell ins Dartmoor, wo Charles Baskerville unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Sein Erbe Henry Baskerville ist bereit, das Anwesen zu übernehmen. Doch auch ihm droht Gefahr, zumindest gibt es verschiedene Warnhinweise.
Der größte Pluspunkt ist natürlich die bedrückende Mooratmosphäre, die in den schwarz-weißen Farben noch bedrohlicher wirkt als zum Beispiel die knallbunte Bonbonoptik der Hammer-Produktion aus den 50ern. Ständig vorbeiziehende Nebelschwaden, altertümliche Monolithen a la Stonehenge, die karge Flora und das gelegentliche Heulen eines Hundes (oder war es doch nur der Wind?) lassen wohlige Schauer aufkommen.
Interessant, dass Holmes und Watson die Ermittlungen getrennt durchführen, ein Stilmittel, welches Doyle nicht zum ersten Mal anwendet. Hier wird wieder deutlich, wie eingegrenzt Watsons Horizont ist, denn während er fleißig auf Baskerville Hall seine nichts sagenden Berichte an seinen Freund schreibt, forscht Holmes auf eigene Faust ganz in der Nähe nach. Das Zusammentreffen im Moor überrascht dann den Doktor völlig, wobei die von ihm gespielte beleidigte Leberwurst ein bisschen gekünstelt wirkt.
Für einen Krimi ist hingegen der eigentliche Spannungsgrad nicht sonderlich hoch, was nicht verwundert. Erstens, da bin ich auch ein bisschen voreingenommen, kennt man die Geschichte ohnehin schon, zweitens ist der Kreis der Verdächtigen auch sehr überschaubar gehalten. Auch in der Buchvorlage weisen die Spuren eigentlich schon ziemlich früh in eine Richtung, mit dem entflohenen Häftling und der befremdlichen Dienerschaft auf Baskerville Hall werden nur dezent falsche Spuren gestreut. Doch das tut dem Vergnügen keinerlei Abbruch. Auch nicht, dass einige Sachen im Film noch zusätzlich eingeflochten oder abgeändert wurden. So passt eine abendliche Meditierrunde ganz gut zum Flair und verbreitet zusätzlich Schrecken, als wieder die unheimlichen Laute aus dem Moor dringen. Auch wird aus Stapeltons Frau Beryl eine Stiefschwester gleichen Namens, so konnte zwischen dieser und Henry eine filmgerechte und offene Romanze stattfinden. Das Finale hätte man allerdings etwas mehr dramatisieren können, die Attacke des Feindes ist zwar gut umgesetzt, dennoch war die Bestie ein etwas zu normaler Hund. Auch der Phosphor fehlte wohl, wäre aber durchaus originalgetreu gewesen. Dass der Täter schlussendlich von dannen flieht und sein gerechtes Schicksal im Moor nicht gezeigt wird, ist ebenfalls noch ein kleiner Minuspunkt. Der lapidare Hinweis von Holmes, dass überall im Moor und auf den Landstraßen Polizeiwachen stehen und der Mörder keine Fluchtchance hat, wird manchem nicht genügen.
Fazit: Dieser Film ist allen Holmes-Fans ohne Einschränkungen zu empfehlen. Trotz einiger Abweichungen zum Buch wird die Originaltreue nur wenig angetastet und kann mit einem guten Schauspielerensemble und toller Atmosphäre aufwarten. Für mich bleibt Basil Rathbone ohnehin der beste Holmes aller Zeiten, auch wenn nicht alle Filme der Serie so überzeugen können wie dieser...