Wahrscheinlich wurde Doyles „Hund von Baskerville“ deshalb so häufig verfilmt, weil der Stoff Krimi- und Gruselfreunde gleichermaßen anspricht und die Schauplätze rund um Dartmoor einen besonderen Schauder hervorrufen. Zugleich ist die Verfilmung von 1939 die erste einer 14-teiligen Reihe mit Basil Rathbone als Meisterdetektiv Sherlock Holmes.
1889: Nach dem Tod von Sir Charles reist sein Nachkomme Sir Henry (Richard Greene) nach Baskerville Hall, wo er bereits vor seiner Ankunft vor dem Moor gewarnt wird. Holmes (Basil Rathbone) und Watson (Nigel Bruce) erfahren kurz darauf von einem Fluch, der im Zusammenhang mit einer todbringenden Bestie steht und bisher jeden der Baskervilles heimgesucht haben soll. Die Ermittler begeben sich nach Baskerville Hall und stolpern über eine Reihe mysteriöser Begebenheiten…
Regisseur Sidney Lanfield konzentriert sich auf den Kern der Geschichte und erzählt diese recht straff und ohne Schnörkel. Veränderungen zur literarischen Vorlage sind geringfügig: Das Butler-Paar heißt Maryman statt Barymore, die Andeutung einer Seance wird hinzugedichtet und gegen Ende werden die Hintergründe einer Person etwas weichgespült, was allerdings keine Auswirkung auf die Auflösung hat.
Holmes und Watson bilden ein starkes Team, wobei Watson im Mittelteil die alleinige Regie übernimmt und sich beileibe nicht so dumm anstellt, wie man es bei dem leicht tölpelhaften Chronisten eventuell vermuten könnte. Der Kreis der Verdächtigen bleibt zwar überschaubar, doch sobald Lichtzeichen im Moor auszumachen sind, wird der eine oder andere Haken geschlagen, während die Bestie lange Zeit nur akustisch wahrnehmbar ist, was natürlich den Gruselfaktor erhöht.
Die Ruinenlandschaft offenbart zwar nur geringe Anteile einer tückischen Moorgegend, doch sie schürt eine dichte Atmosphäre, wozu der permanente Bodennebel in nicht unerheblichem Maß beiträgt. Zudem werden kleine Schattenspielchen veranstaltet, es gibt ein Areal mit alten Gräbern und zwischenzeitlich die Konfrontation mit der titelgebenden Bestie, welche beachtlich inszeniert ist. Auch ein Rückblick in die Familienchronik ist durchaus gelungen, indem ein altes Dokument als sprichwörtlicher Rahmen dient.
Neben Rathbone und Bruce, die bereits beim ersten gemeinsamen Spiel sehr gut aufeinander abgestimmt sind, überzeugen auch die Nebendarsteller: Richard Greene mimt den unbekümmerten und zugleich charmanten Jüngling Sir Henry mit einer ordentlichen Präsenz, John Carradine und Eily Malyon geben ein Butlerpaar mit vorzüglich düsteren Minen ab, während Barlowe Borland als kauziger Nachbar Frankland unterwegs ist und alles und jeden vor Gericht schleppen will, was die Chose zwischenzeitlich ein wenig aufheitert.
So ist es durchaus möglich, den einigermaßen komplexen Fall in nur 76 Minuten Laufzeit auf den Punkt zu bringen, ohne wesentliche Details auszulassen. Die stimmungsvollen Kulissen überzeugen ebenso wie die Darsteller und das Whodunit (sofern das nach so vielen Verfilmungen und Vertonungen überhaupt noch möglich ist) hält ebenfalls bei Laune.
Für Fans der Reihe um Basil Rathbone eine glasklare Empfehlung.
8 von 10