Nachdem mir eine Freundin sagte, wie schlecht "Brothers Grimm" doch sei, wollte ich das Dilemma mit eigenen Augen sehen. Zwar enttäuscht der Film massiv - das soll aber nicht heißen, dass er richtig schlecht ist. "Brothers Grimm" sprüht vor Fantasie, leider kümmerte sich Regisseur Terry Gilliam vielleicht aus diesem Grund nicht um das Publikum. Denn der Film ist wirr und lärmend-aufdringlich geraten.
Nach etwa 30 Minuten des Films ist schon die ganze Story erzählt: Nachdem die Gebrüder Grimm des Betrugs überführt wurden sind (sie "veranstalten" mysteriöse Phänomene) werden sie zur Rehabilitation in ein Dorf geschickt, in dessen umliegenden Wäldern wahrhaft seltsame Dinge vorgehen und immer wieder Kinder verschwinden. Des Rätsels Lösung scheinen die "Volkserzählungen" von "Rotkäppchen", "Schneewittchen" und "Hänsel und Gretel" darzustellen...
Welch tolle und fantasievolle Ausgangsidee, die Grimmschen Märchen als Vorlage für einen düsteren Fantasy-Film zu nehmen. Leider schien sich Regisseur Gilliam dabei zu sehr in die zahlreich vorhandenen Idden der Ausstattung verliebt gewesen zu sein, denn sein (wie immer) etwas skurriler Inszenierungsstil mit garstigen Humor ist diesmal zu zahm, selbstgefällig und wirr ausgefallen um wirklich zu überzeugen. Das Schlimmste dabei ist der verquaste Filmschnitt, welcher zunehmend die Übersicht über die Geschehnisse verlieren lässt. Prätentiös und weichgespült gelingt es Gilliam nicht, die sonst seinen Filmen innewohnenden Seitenhiebe auf gesellschaftlich Zustände (wie beispielsweise in seinem grandiosem "Brazil") zu reflektieren. Auch über die Klasse der Spezialeffekte, mit denen der Film vollgestopft wurde, kann man streiten. Schade drum. Die ganze übersinnliche Mixtur aus Märchen, Action, Fantasy, (schlechter) Komödie und Love-Story wirkt ebenso überdimensional und überzeichnet wie unausgegoren.
Die Stars können das Gesamtbild nur geringfügig aufwerten: Sowohl Matt Damon als Will Grimm (erkläre mir jemand bitte jemand diesen "deutschen" Namen), Jonathan Pryce als General und Peter Stormare als französischer Soldat bleiben eindimensional und werden in ihren Rollen verheizt. Heath Ledger als Jake (soll die "deutsche" Abkürzung für Jakob sein) wirkt gar so hibbelig und aufgezogen, dass man sich fragt, ob im verwunschenen Märchenwald eine Koka-Pflanze wächst.
Fazit: Viele tolle Ideen, doch der Ausstattungs-Overkill lähmt den Film. Der Erzählfluss wird von einem kruden Filmschnitt und (zu) vielen selbstverliebten Kleinigkeiten tot geschlagen. Das Potenzial von "Brothers Grimm" wurde weitgehend verschenkt und der Film ist deutlich eines der schlechtesten Werke Gilliams. Der Prototyp eines seelenlosen Blockbuster-Vehikels mit pseudo-publikumswirksamen Märchen-Versatzstücken.