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Matt Damon und Heath Ledger spielen die Brüder Grimm, die von Ort zu Ort reisen und die Bürger mit dem Austreiben falscher Geister austricksen. Als die französischen Besatzer jedoch vom Treiben der Brüder erfahren, werden sie in ein Gebiet geschickt, in dem mehrere Mädchen auf mysteriöse Weise verschwunden sind und sie müssen feststellen, dass es scheinbar doch übersinnliche Kräfte gibt und, dass diese dort am Werk sind.

Terry Gilliam ist bereits des Öfteren durch überaus skurrile und eigenartige Filme in Erscheinung getreten, von provokanten Komödien, wie "Das Leben des Brian" oder "Der Sinn des Lebens" über die bizarre Satire "Brazil", bis hin zu dem genialen Sci-fi-Psycho-Thriller "12 Monkeys" und dem verkorksten Drogen-Trip "Fear and Loathing in Las Vegas". Dabei muss man aber jedem seiner Filme einen hohen Grat an Innovation und eine gewisse Ideenvielfalt einräumen und dies ist auch bei diesem Werk der Fall, doch der hohe Grat an Innovation, der den Film zum Meisterwerk hätte machen können ist leider gleichzeitig der größte Mangel und der Genickbruch des Films. Die Umsetzung ist einfach zu bizarr. Zunächst einmal findet man sich als Zuschauer kaum in dieser überaus komplexen Welt mit den verschiedensten Fabelwesen zu Recht und bekommt mit der Zeit den Eindruck, dass Gilliam in seinem Übermut möglichst viele der Grimm-Märchen und Geschöpfe einzubauen den Bogen deutlich überspannte. Die Kulisse ist dabei ebenfalls gewöhnungsbedürftig, liefert aber alles in allem ordentliche Aufnahmen aus der Zeit des Barock. Durch die gehetzte Musik und die übertrieben skurrile Maske kann Gilliam leider keine gespannte Atmosphäre aufbauen, womit "Brothers Grimm" nicht zu dem spannenden Alptraum wird, der er wohl hätte werden sollen. Das Erzähltempo ist sehr schnell, womit der Film endgültig keinen Ansatz von Spannung aufbauen kann und zu allem Überfluss auch noch gehetzt wirkt. Ob die Produzenten Bob und Harvey Weinstein mit ihrem Einmischen bei den Dreharbeiten wirklich für diesen verkorksten Film verantwortlich sind würde ich aber auch nicht abstreiten, da man von Gilliam auch schon wesentlich bessere Filme gesehen hat.

Bei dieser gehetzten Umsetzung bleibt natürlich nicht sonderlich viel Raum für eine vielschichtige Darstellung der einzelnen Charaktere oder der Welt der Brüder Grimm. Aber auch die Handlung an sich, die ein völlig verunglücktes Vehikel aus diversen Märchen der Brüder Grimm darstellt, ist nicht sonderlich gut gelungen und nervt mit kaum zu unterbietenden Wendungen und dämlichen Dialogen. Vor allem zum Ende hin wird wirklich nur noch unlogische und bizarre Kost serviert, die sich jeder Logik und jedem guten Geschmack entzieht. Dieses Fantasy-Horror-Abenteuer-Märchen-Wie-auch-immer-Projekt scheitert hier auch an der Story. Außerdem empfinde ich es als Frechheit, den Film mit dem Titel "Brothers Grimm" zu versehen und damit direkt die Assoziation des Zuschauers an eine Biografie oder Ähnliches zu wecken, doch statt der Biografie der beiden Göttinger Professoren, die für liberale Ideen eintraten und eine Märchensammlung niederschrieben, gibt es nur diesen Fantasy-Müll zu sehen. Alles in allem ist die Story wirklich der letzte Schrott.

Einzig und allein die guten Darsteller können noch retten, was zu retten ist, auch wenn angesichts der überhasteten Umsetzung nicht mehr viel Raum für darstellerische Meisterleistungen bleibt. Heath Ledger präsentiert sich in der Rolle des Jakob Grimm solide und ist in seiner letzten Rolle vor "Brokeback Mountain" endgültig in der Elite Hollywoods angekommen. Er drehte kurz vor seinem überraschenden Tod am 22.1.2008 erneut unter der Regie von Terry Gilliam. Matt Damon zeigt sich nach "Dogma" und "Unzertrennlich" erneut in einer skurrilen Rolle, mit der er gut zu Recht kommt. Jonathan Pryce spielt nach "Brazil" erneut unter der Regie von Terry Gilliam und präsentiert sich erneut stark. Peter Stormare spielt meiner Meinung nach am besten und verkörpert einmal mehr einen undurchsichtigen und amüsanten Charakter. Auch der übrige Cast, zu dem unter Anderem Monica Bellucci und Lena Headey gehören ist gut.

Fazit:
Mit einer überhasteten, spannungslosen und skurrilen Umsetzung ist "Brothers Grimm" ein vollkommen missglücktes Projekt, das wirklich anstrengend anzusehen ist. Auch die Story, die nichts als ein verkorkstes Vehikel aus den verschiedenen Märchen der Brüder Grimm ist nervt und lediglich die namenhafte und solide spielende Besetzung macht ein bisschen Boden gut, womit Kult-Regisseur Terry Gilliam seinen bisher schlechtesten Film liefert. Am besten erst gar nicht ansehen.

29%

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