"Best Entertainment" will uns "The Child" als "brutalen Horror-Thriller von Lucio Fulci" verkaufen - doch geübte Betrachter entlarven diesen Etiketten-Schwindel auch ohne eingehende Recherche schnell. Dabei könnte man sich vielleicht, zwei zugedrückte Augen vorausgesetzt, mit dem Prädikat "Horror-Thriller in der Machart eines Fulci" gerade noch anfreunden. Denn dieses offentsichtlich in den USA entstandende Machwerk möchte sich dreist in die lange Reihe italienischer Zombie-Slasher einschmuggeln.
In einigen Szenen gelingt es der Geschichte um eine zombiebefehligende Göre sogar, die Illusion eines Fulci-Filmvergnügens vorzugaukeln - albtraumähnlichen Kamerafahrten und wenigen gut plazierten Schnitten sei Dank. Wenn die Regie das Abkupfern aber einstellt und eigene Ideen folgen lässt, tendiert der Spannungsbogen gleich null. Daran ändert auch der nervtötend-überdrehte Soundtrack, der permanent Grusel suggerieren möchte, nichts.
Mehr Tiefen als Höhen - das gilt auch für den Rest des Schauspiels. Der Plot ist im Ansatz gar nicht mal so bescheuert, doch um den Betrachter wirklich zu fesseln, fehlt der Dramaturgie die richtige Konsequenz. Aber wer hätte hier am Set auch die nötige Disziplin aufbringen können? Die Macher haben ja schon arge Probleme damit, sich mit dem naturgegebenen Zyklus von Tag und Nacht abzufinden. Da soll gerade die Nacht eingebrochen sein - und der semi-talentierte Cast irrt plötzlich bei hellstem Sonnenschein durch die Provinz. Nur einer von vielen Gründen, warum der Horror nicht zünden will. Da hilft auch kein Dauerfeuer aus der Nebelmaschine.
Die spärliche Dosierung wohl überlegter Schocker bricht dem Streifen dann endgültig das Genick. Gut, es ist eine Sache, sich für einen späten Auftritt der Zombies zu entscheiden. Dann braucht es in der ersten Stunde aber mehr als flackernde Lampen und Tierkadaver im Wald, um richtig für Suspense zu sorgen. Wenn es dann doch mal blutig wird, geht das Spektakel - im Anbetracht der Entstehungszeit -in Ordnung. Auch die Herren aus der Gruft sehen gar nicht mal so beschissen aus. Mit dem altgedienten Italo-Zomibe haben sie zwar nichts gemein, aber das macht die Viecher hier umso interessanter. Wenn sich die lebenden Toten aus der amerikanischen Einöde nicht von einer handelüblichen Autohupe verjagen lassen würden. Das aber nur als Randnotiz.
Fazit: Ein herrlich trashiger Auftakt und das solide Ende reichen nicht, um über einen elend langatmigen Mittelteil hinweg zu täuschen. Die Erwartungen waren nicht hoch, dementsprechend bin ich nach dem Genuss dieses Filmchens nicht besonders enttäuscht. Wirklich schrecklich sind nur die miese Filmqualität, die verhunzte Synchro und der Ohrenkrebs verursachende Schmelztiegel aus fiebrigem Klaviergeklimper, tollwütigen Synthesizer-Sounds und schrillen Walgesängen. Ansonsten gerade noch annehmbar. (3/10)