Komödien der Coen Brüder; entweder man liebt oder hasst sie. Da darf man schon pauschalisieren, weil egal in welchem Rahmen das Ganze gepackt ist, die Gebrüder ihrem Stil treu bleiben. Ob nun der Dude, zwei irre Galgenvögel, oder eine gewiefte Frau, irgendwie spielt dabei immer eine Menge Geld, skurrile Charaktere und groteske Ereignisse eine zentrale Rolle. Dass die Filme dann folgerichtig auch für Fans mal mehr oder weniger befriedigend sind, versteht sich natürlich von selbst. „O Brother, Where Art Thou?” gehört eher der Kategorie gelungene Umsetzung „Coenscher-Filmkunst“ an.
Ulysses Everett McGill (G. Clooney) führt eine Dreierbande von Gaunern an, die erfolgreich ausbrechen konnte. Gemeinsam tingeln die drei durch die Südstaaten, um den Schatz, den sie erbeuten konnten, sichern zu können. Dabei läuft nicht wirklich alles nach Plan.
Im Prinzip ist es nicht mehr, aber dazu kommt dann noch der Coen-Faktor, wodurch die Story groteske Züge annimmt. Was diese Episode etwas vom Standard abhebt, ist die bissige Ironie, der Sarkasmus und nicht zuletzt die wunderbare Atmosphäre bestehend aus Südstaaten Flair zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise. Die idyllischen Landschaften Mississippis gepaart mit stimmungsvollen, typischen Songs, ergeben einfach eine wunderschöne Mischung.
Zerlegt wird von den Brüdern so ziemlich alles, was zu dieser Zeit gebräuchlich war. Rassismus, die Doppelmoral innerhalb der Gesellschaft oder Glauben bzw. Aberglauben, nichts ist vor Ironie und Sarkasmus sicher. Slapstick oder derartiges ist zwar auch existent, aber der Witz ist hauptsächlich aufgrund Skurrilitäten oder diversen Anspielungen gegeben. Ein Dauerfeuer an Gags darf jedenfalls nicht erwartet werden, viel mehr dominiert der anspruchsvolle Humor das Geschehen. Vielleicht wurde diese Art ein wenig überreizt, denn alles, speziell die vielen Anspielungen, kann unmöglich erfasst werden und „zünden“. Freunde von kuriosen Szenen kommen dagegen voll auf ihre Kosten, denn wie erwartet passiert hier einiges, was sehr schrill ist. Ob Zyklop, oder verführerische Sirenen, die Odyssee birgt so einige nette Überraschungen in sich.
Ebenso abgedreht sind alle Charaktere, die beteiligt sind. Gemäß den Konventionen gibt es gewisse Konstellationen innerhalb der Crew. Ulysses Everett McGill alias George Clooney ist der eitle, neurotische Rationalist, das Hirn der Verbrecher, während Delmar (Tim Blake Nelson) und Pete (John Turturro) eher den stupiden Part übernehmen. Alle drei Darsteller leisten dabei wirklich sehr gute Arbeit, denn in punkto Gestik und Mimik gibt es keine Steigerung, weil alleine aufgrund dessen die einzelnen Charakterzüge abgeleitet werden könnten. Der totale Irre darf natürlich auch nicht fehlen, wobei Platz eins wieder einmal eindeutig an John Goodman, dem Bibelverkäufer, Klan Anhänger und Zyklopen geht.
Auch wenn die Brüder Coen hier besonders ambitioniert zu Werke gingen, ändert sich stilistisch wenig und bleibt generell Geschmackssache. „O Brother, Where Art Thou?” ist dennoch mehr als nur der hauseigene Standard, weil verschiedene Komponenten, wie perfekt gewählte Musik und imposante Bilder ein stimmungsvolles Gesamtbild ergeben. Darüber hinaus ist der Sarkasmus in Hinblick auf die damalige Zeit und der geographischen Lage perfekt platziert. (7/10)