Amerika in den Dreißigerjahren. Der intelligente junge Kleinkriminelle Ulysses (George Clooney) fällt in die Hände der staatlichen Exekutive und findet sich unversehends in den Ketten einer Strafanstalt wieder. Doch der gewitzte Betrüger kann sich nicht so recht damit anfreunden seine Karriereaussichten auf Steine klopfen und Fußmatten knüpfen einzuschränken und so sinnt er auf Möglichkeiten, wie er die ungastliche Stätte schnellstmöglich wieder hinter sich lassen kann. Und tatsächlich: Ulysses Plan geht auf und zusammen mit seinen beiden Kettengenossen gelingt ihm ein Entkommen. Von nun an befinden sich die Drei auf der ständigen Flucht vor den sie verfolgenden Staatsdienern sowie auf der Hatz nach einem Geldschatz, den Ulysses einst versteckt haben will...
"O brother, where art thou?" bemüht sich erfolgreich um eine größtenteils realistische Darstellung der 30er-Jahre-Ära. Die gelungenen Szenarios, Sets und Ausstattungen werden hierin zudem durch den meist in Braun- und Ockertönen gehaltenen Bildgrundton unterstützt, der mit Schwarzweiß-Lookalike den "angestaubten" Charackter des Filmes noch zusätzlich verstärkt. Die musikalische Untermalung ist eingängig und von höchster Qualität, wenngleich Thematiken und Text oft nicht so recht zu den Szenen passen wollen, in denen sie eingesetzt werden. Ja, die Menschen fangen hier auch gerade in den noch so absurdesten Situationen an zu singen und scheinen sich dabei im Random-Select Mode bezüglich ihrer Songwahl zu befinden. Politiker bestreiten ihre Wahlkämpfe zu den Klängen von Kinderliedern, die KKK-Kapuzler häulen auf dem Crossburn melancholische Blues-Weisen (!) vor sich hin und ein Song über das Leiden wird zum mittanzbaren Smash-Hit hochgefeiert. Aber mit ein bißchen Gutwill kann man über diese Faux Pas' hinwegsehen und sich an der einnehmenden Klangfülle und Bandbreite der Songs sowie an einer so interessanten wie außergewöhnlichen Storyline erfreuen.
Denn wenngleich sich die Geschichte im insgesamten noch recht realitätsnah gibt, so bricht sie doch immer wieder auch gerne und mutwillig aus diesem Rahmen aus und schweift ins Absurde ab. [Spoiler] Als Mitausbrecher Pete (ophn Turturro) beispielsweise am See entführt wird, gibt es auch im weiteren Filmverlauf keine Erklärung warum seine Klamotten danach so feinsäuberlich aufgereiht im Sand liegen und warum seine Kameraden so absolut synchron dem Schlaf verfallen konnten um sein Kidnapping erst "möglich zu machen". Auch in solchen Fällen gilt es dem Zuschauer gnädig ein Auge zuzudrücken und sich an den so unwahrscheinlichen wie unterhaltsamen Erlebnissen des Trios zu ergötzen. Ob ihnen nun gerade ein geldgieriger Bibelvertreter die Barschaft aus den Rippen prügelt, sie unfreiwillig mit einem größenwahnsinnigen Bankräuber auf Tour gehen oder gar dem Leibhaftigen selbst begegnen. [/Spoiler] Der Streifen ist eine ausgesprochene Komödie und als solche nimmt er sich erfrischenderweise auch nicht übermäßig ernst, sodern widmet sich ohne unnötige Grenzen zu beachten seiner Mission: Der Spaß des Zuschauerschaft.
F A Z I T :
Sehr unterhaltsam, was die Regisseurgebrüder Coen hier abgeliefert haben. Die Story ist zwar recht konfus, aber doch in sich stimmig und schafft es immer wieder zum fast schon nebensächlichen Hauptstrang zurückzufinden. Sein Flair zieht der Streifen aber aus den sympathischen Hauptcharakteren und deren irrwitzigen und humorigen Erlebnissen. Und eben diese halten den Zuschauer, zusammen mit dem genialen Soundtrack, dann auch dauerhaft bei der Stange. Hier ist bestes Entertainment garantiert und ich kann "O brother, where art thou?" wirklich jedem ehrlich empfehlen. Ein noch höhere Wertung blieb diesem gelungenen Film nur dadurch versagt, dass ihm einfach noch das Zünglein an der Waage fehlt um in den gehobenen Kultolymp aufzusteigen.