Auch die Coens erlauben sich mal einen Fehlgriff. Zugegeben, es es passiert nicht oft, aber "O Brother, Where Art Thou?" ist einer. Auch wenn es eine nette Idee ist, das Odysseus-Motiv in die 30er Jahre zu legen. Aber letztendlich ist Homers "Odyssee" eine Verkettung von Einzelerlebnissen - und als solche präsentiert sich auch der Film, in arg verkürzter Fassung versteht sich.
Klar, es ist nett zu entdecken, welche Elemente der berühmt-berüchtigten Vorlage entnommen wurden (der Zyklop, die Sirenen etc.), doch in der Praxis werden diese etwas lieblos aneinandergereiht: Bevor eine Episode richtig an Fahrt gewinnen kann, ist diese schon vorbei. Manchmal ist weniger mehr - in diesem Fall trifft das Sprichwort tatsächlich zu. Zwar erweist sich der Streifen so als rasantes Abenteuer-Roadmovie, die Faszination hält sich in Grenzen.
Darunter leidet auch die Entwicklung der Charaktere, die im Großen und Ganzen oberflächlich bleibt. Im Mittelpunkt: Drei Sträflinge, davon einer intelligent und gewitzt, wenn auch mit einer gehörigen Portion Selbstüberschätzung (Clooney), die anderen beiden minderbemittelte Sidekicks (Turturro, Blake). Die Figuren werden zwar gut von ihren Darstellern dargestellt (vor allem die Gesichtsentgleisungen von Turturro sind ein paar Lacher wert), dramaturgisch bleiben diese allerdings blass. Auch die sonst von den Coens so akribisch zusammengestellten Nebencharaktere erweisen sich zwar als gewohnt skurill, wissen aber genauso wenig zu fesseln.
"O Brother, Where Art Thou?" ist ein misslungener Spagat zwischen intellektuellem Anspruch und Mainstream-Comedy. Wer sich über die zahlreichen Anspielungen an Homers Werk erfreut, wird sich über den stellenweise stark über das Knie gebrochenen Humor ("Stück Ratte", Clooneys Haarpflege-Manie) ärgern - und umgekehrt. Und während in anderen Coen-Streifen mal die eine oder andere Frage offen bleiben darf, muss hier alles in einer arg konstruierten Schlussepisode aufgelöst werden.
Einzig und allein der technische Standard der Produktion erreicht Championsleague. Die drei Galgenvögel streifen durch malerische und technisch auf Hochglanz polierte Landschaften sowie authentische 30er Jahre Sets, die eine perfekte Südstaatenatmosphäre transportieren. Auch der Soundtrack mit reichlich viel Banjogezupfe passt wunderbar.
Fazit: Nichts Halbes und nichts Ganzes, so könnte das Motto des Films lauten. Gute Ideen, deren Umsetzung zu wünschen lässt und gut gemeinte, aber ungewohnt schwache Charaktere. Leichtfüßigkeit, die in Belanglosigkeit abdriftet. Trotz geschichtsträchtiger Vorlage nicht mehr als ein schön eingefangenes Filmchen für den Sonntagnachmittag. (5/10)