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„Ein Narr ist, wer nach Logik in den Kammern des menschlichen Herzens sucht!“

Nach ihrer Kult-Komödie „The Big Lebowski“ hieß der nächste Streich der Coen-Brüder Joel und Ethan „O Brother, Where Art Thou? - Eine Mississippi-Odyssee“, eine sich an Homers klassischer Odyssee orientierende, in den US-Südstaaten der 1930er Jahre angesiedelte Abenteuerkomödie.

Kettensträfling Ulysses Everett McGill (George Clooney, „Return to Horror High“) hat in nur vier Tagen einen wichtigen Termin, dessen Wahrnehmung durch seine weitere Inhaftierung empfindlich gefährdet wird. Mit dem ausgedachten Verweis auf einen vermeintlichen Goldschatz überredet er seine geistig etwas schlichteren Mithäftlinge Delmar (Tim Blake Nelson, „Fido - Gute Tote sind schwer zu finden.“) und Pete (John Turturro, „Leben und Sterben in L.A.“), mit ihm gemeinsam die Flucht anzutreten. Es folgt eine Odyssee quer durch Mississippi, die das Trio in eine Reihe verrückter Abenteuer verstrickt: Zusammen mit einem schwarzen Gitarristen nimmt man eine Hitsingle auf, tritt gegen einen „Zyklopen“ (John Goodman, „The Big Lebowski“) an, muss sich vor „Sirenen“ an einem Fluss retten, hilft bei einem Bankraub aus und schlägt sich mit Zwergen sowie dem Ku-Klux-Klan herum…

Glänzte man im Vorgängerfilm noch mit dem trockenen Humor des Dudes, der aufbrausenden Cholerik eines John Goodman und viel Situationskomik in einer detailreich ausgeschmückten Handlung, hetzt „O Brother, Where Art Thou?“ seine Protagonisten von einer Situation zur nächsten, dabei grob die Stationen Odysseus‘ persiflierend, und setzt auf ein permanentes Overacting George Clooneys, der damit zwar seine komödiantischen Qualitäten unter Beweis stellt, jedoch weit davon entfernt ist, ein ähnliches Profil wie beispielsweise Jeff Bridges zu entwickeln. Dieser Film ist eine hochgradig alberne Aneinanderreihung von Einzelszenen, die bemüht mit einem roten Faden verbunden werden und sich neben ihrer Starbesetzung allzu sehr auf die durchaus aufwändig auf ‘30er getrimmte Ausstattung und das Herumreiten auf Südstaaten-Klischees verlassen. So zieht sich ein penetranter Country-Soundtrack mit zahlreichen Gesangseinlagen durch den Film, bis die Ohren bluten und bleibt nach der Odyssee vor allem ein Eindruck zurück: Auch die Orientierung an antiker Literatur schützt nicht vor Holzhammer-Humor, der (in diesem Falle) so gar nicht meiner ist, wenn sich auch manch belesen schätzender Rezipient wissend-überlegen ins Fäustchen lachen und sich darüber freuen mag, dass er wieder eine Anspielung mehr erkannt hat, als es ungebildetere Zuschauer evtl. vermögen – wohlweislich übersehend, dass dies den Film leider kein Stück besser macht.

Zugutehalten lässt sich indes die antirassistische Aussage des Films ebenso wie die schauspielerische Leistung Nelsons und Turturros als backpfeifengesichtige Dämlacks, während Clooney seinen Pomaden-Running-Gag überzustrapazieren angehalten ist. „O Brother, Where Art Thou?“ ist ein überkandidelter und -ambitionierter Comic mit realen Schauspielern, der sich an ein Hochglanz-Mainstream-Publikum richtet, aber leider keine Komödie, die meinen Geschmack trifft – dafür fehlen Feinsinn, Tiefgang oder schlicht der gewisse Pfiff, evtl. auch einfach Radikalität oder echte Überraschungen.

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