Comiczeichner Woody (Michael Crawford) ist anfangs nur um den Realismus seiner Erzählung bemüht, als er im Condorman-Kostüm über den Dächern von Paris abstürzt. Da die CIA aber händeringend nach einem Amateur-Agenten sucht, der eine Dokumentenübergabe in Istanbul erledigen kann, verschmilzt Woodys Persönlichkeit zusehens mit dem Condorman. In feinster Bogart-Manier inszeniert sich der Künstler zunächst für das Treffen. Barbara Carrera, die später im James Bond Abenteuer Sag niemals nie mitwirken durfte, sorgt als KGB-Agentin Natalia für ein wenig Knistern im sonst so Kalten Krieg. Da sich Woody vor ihren Augen ganz passabel anstellte, fordert sie nun auch den Agenten Condorman für ihren Seitenwechsel an, doch die CIA kennt diesen Codenamen gar nicht.
Charles Jarrott hat in diesem Zeitraum wie am Fließband gefilmt, doch dies kann kaum der Grund sein, daß diese Disneyproduktion im Jahre 1981 floppte. Condorman stellt sich zwar manchmal etwas ungelenk an, rutscht aber schnell in eine Agentenhatz, für die zahlreiche Gadgets zur Anwendung kommen. Da der Held ja auch nur ein Mensch ist, benötigt er wie Kollege 007 tollste Fahrzeuge und Hilfsmittel, die sich nicht immer an die physikalischen Gesetze halten. So kommt es zu rasanten Verfolgungsjagten zu Lande, zu Wasser und in der Luft, bei denen Raketenantriebe und Laser zur Standardausstattung gehören. Ungewöhnlich für das familienfreundliche Disney-Portfolio kommt es in Condorman auch zu einigen Explosionen, deren Schadhaftigkeit für den Piloten zwar nicht immer verdeutlicht wird, doch deren Überlebenschancen bei einem derart flammendem Inferno eher unwahrscheinlich sind.
Ob das Publikum zu dieser Zeit noch auf eine derartige Bespaßung gewartet hat ist fraglich. Zumindest aber einige Kinder von damals führen Condorman auch heute noch als Guilty Pleasure, während der Film eher stiefmütterlich behandelt wird. So gab es in den USA lange keine Nachpressung der DVD. In England war Disney dem deutschen Markt immerhin so weit vorraus, daß schon 2006 eine Silberscheibe inklusive adäquater deutscher Synchronisation erschienen war, die erst 2012 inhaltlich identisch auch in Deutschland selbst veröffentlicht worden ist.
Auf der DVD-5 findet sich allerdings nur ein suboptimaler Transfer, welcher mit etwas zu kräftigen Farben und viel Rauschen das ansonsten erhaltene Filmkorn nicht wirklich genießen lässt. Bei einem Bildformat von 2,40:1 auf nicht anamorphes Letterbox-Format zu setzen ist auch nicht die weiseste Entscheidung. Eine Condorman Blu-ray ist bisher nicht in Sicht. Zumindest in Deutschland, denn die Engländer sind hier abermals inklusive deutschem Ton vorraus.
Womit Disney allerdings recht haben könnte, ist die eher niedrige Erwartung, mit dem in die Jahre gekommenen Condorman heute noch finanziell große Sprünge machen zu können – zumindest deutet die DVD ja indirekt auf diese Ansicht hin. War Anfang der 80er mit dem Videotheken-Boom blutrünstige Gewalt auf dem Vormarsch, dominierten die Leinwände auch oft düstere Visionen gesellschaftlicher Abgründe und vor allem technologischer Apokalypse. Bei Condorman wirkt alles etwas leichter. Die bösen Russen könnte man auf einen Schnaps treffen, wenn man ihnen nicht gerade auf die Füße tritt und die Gerätschaften sind hilfreiches Zubehör bei der Standpunktsverteidigung. Im Unterschied zu den Swinging Sixties allerdings verlieben sich die Agenten offensichtlich, so daß Condorman seine Natalia auch aus persönlichen Motiven amerikanisieren mag.
Obschon Condorman belegt, daß etwa Mark Millars Ideen um die Annäherung von Otto Normal und dem Comichelden in Ansätzen vorher gesponnen worden sind, gleicht es doch schon fast einem Geschichtskurs, den bunten Helden bei seinen Abenteuern zu begleiten. Was in den 80ern für Kinder gedacht war, weil Agenten und Spione bereits in den 60ern bis hin zu freiwilligen und vor allem unfreiwilligen Selbstparodien ausgeschlachtet worden sind, spricht daher heute eher den Nostalgiker an. Ein wenig Nachmittagsunterhaltung kann man der Stuntparade dann auch abringen. Gerade, weil die liebevolle aber naive Satire nahezu ohne Klamauk auskommt und ein eher keusches Bild vermittelt, könnte man einen Gegenpol zu Austin Powers sehen, in dem ja das Mojo im Vordergrund steht. Wirklich tiefgängig wird es in Condorman natürlich nicht. Im Rahmen von Natalias Befreiung brausen die Agenten vom Osten bis nach Monte Carlo und das war im Grunde die Story. El cóndor pasa… der Kondor fliegt vorrüber.
Fans dürfen die Augen außerdem nach einer Condorman Comicadaption des amerikanischen Verlags Western Publishing unter der Whitman Marke Ausschau halten. Zwar gibt es die Umsetzung der Filmhandlung, bei der aus dem CIA-Boss im Gegensatz zum Leinwandspektakel ein Afro-Amerikaner wurde, auch von Ehapa als Walt Disneys Film-Sonderheft Nr. 1 auf Deutsch, jedoch enthält dieses Condorman Heft nur die Handlung der ersten beiden Whitman Hefte. Mit der dritten Ausgabe vom Februar 1982 erschien ein brandneues Abenteuer, bei dem eine Spielzeugfabrik als Hersteller der Gadgets enttarnt wird und Natalia aus den USA von den Russen zurückgeholt werden soll.
Mit der Übernahme von Marvel durch Disney kam 2009 tatsächlich die Idee auf, Condorman wiederzubeleben und ins Marveluniversum zu integrieren. Dies scheint das Franchise zurück ins Gedächtnis gerufen zu haben, denn Condorman hatte 2011 im Pixar Kurzfilm Toy Story Toons: Small Fry ein Cameo. Im Jahre 2012 erschien dann ferner Henry Mancinis Condorman Soundtrack als limitierte CD in der Intrada Special Collection.