"Halloween 4" gilt allgemein als der Beginn des absoluten Niedergangs der Halloween-Reihe, wobei glatt übersehen wird, daß sowohl Teil 2 (Versuch der totalen Kopie) als auch Teil 3 (wirr und völlig aus dem sonstigen Zusammenhang) wesentlich schlechter waren, als diese Fortsetzung, die die eigentliche Saga vom Ende des zweiten Teils aus einigermaßen unterhaltsam weiterspinnt.
Zehn Jahre war es her, seit der erste Teil produziert worden war und zehn Jahre waren auch im Film in Haddonfield vergangen und da man inhaltlich nicht allzuviel riskieren wollte, rollte man die eigentliche Story noch einmal auf. Dabei ignoriert das Drehbuch frechweg einfach mal die offensichtlichen Gegebenheiten des zweiten Teils, bei dem sowohl Michael als auch Dr.Loomis geröstet wurden, indem Michael, inzwischen wie zu lange geschmortes Grillwürstchen aussehend, seit einem Jahrzehnt noch immer bandagiert auf seiner Liege zuckt und Loomis lediglich humpelt und ein paar zusätzliche Narben trägt. Schön kreuzdoof dann auch die Idee, einen x-fachen Massenmörder ohne Eskorte und nur mit zwei Krankenpflegern loszuschicken, was auch prompt in die Hose geht.
Danach rollt sich das bekannte Schema aus den Vorgängern ab: Michael, im Bestreben aus seinen sämtlichen verbliebenen Familienmitgliedern Hackepeter zu machen, metzelt sich gen Haddonfield, wo die kleine Jamie gar schröcklich von Visionen des Maskenmannes gepiesackt wird. Erst mal da, schlacht er taktisch günstig die Verantwortlichen der Polizei und des örtlichen E-Werks, woraufhin es mal wieder zum fröhlichen Verschanzen einer tapferen Gruppe aufrechter Opfer kommt, so richtig western-like. Garniert mit einem kleinen Teen/Twenkonflikt rund um Sex, der zum Glück nicht allzu betont wird, mündet alles in einer Verfolgungsjagd durch das dunkle, menschenleere Haddonfield, die u.a. auch von dem Bemühen des Scripts bestimmt wird, Loomis so selten einzusetzen, daß er für eine Fortsetzung auch noch überlebt.
Natürlich ist das alles total Banane, aber das war, streng nach IQ-Punkten gerechnet, Carpenters Original auch schon. Natürlich gibt sich Regisseur Dwight Little alle Mühe, das Maximale aus dem alten Schuh rauszuholen, ohne daß es allzusehr stinkt. Der Bodycount hat sich deutlich erhöht, die Schauspieler sind bestenfalls guter Durchschnitt und man watet nicht gerade in Eingeweiden, bekommt aber was zu sehen.
Wo kein gutes Drehbuch, müssen Kamera und Atmo einiges richten. Und hier macht H4 seine Punkte. Die Vorspannsequenzen mit den einsamen Halloween-Dekorationen sind wunderbar eingefangen. Auch später steht die Kamera meist am richtigen Platz und sorgt für annähernd beunruhigende Stimmung. Schön morbide Loomis Besuch an der menschenleeren Tankstelle samt Cafe und auch später wird die Figur des Michael bisweilen gut eingesetzt, wenn sich die Protagonisten gleich von drei Exemplaren des Mörders umzingelt sieht. Der Belagerungszustand ist ordentlich in Szene gesetzt worden, leidet aber beträchtlich unter der totalen Dunkelheit. Die Verfolgungsjagd/Flucht am Ende beweist, daß Little seine Vorgänger gut studiert hat, zumindest fällt nichts extrem Nerviges auf.
Gewisse Aussetzer muß man natürlich zugestehen. Neben dem hirnlosen Transport am Anfang muß Pleasence, der sich hier den Wolf spielt, leider immer wieder zu denselben Phrasen greifen, um sich Gehör zu verschaffen, was auf die Dauer fade wirkt.
Zu langgezogen der Tod des untreuen Boyfriends, der in bester Klischeetradition sein Gewehr nicht geladen bekommt, bis der in Zeitlupe auftretene Michael zu nah für einen Schuß ist. Anschließend bekommt er zweimal Kloppe, könnte aber jedesmal eiligst noch den Sittich machen. Drehbuchgemäß versucht er es aber ein drittes Mal, woraufhin ihm der Hahn abgedreht wird.
Der dicke Hammer ist natürlich der Final Shoot-Out, der alle Anwesenden, die Michael mal so richtig durchlöchern dürfen, im Anschluß in Jubel ausbrechen läßt (incl. Loomis), weil sie das Böse ja nu richtig dolle besiegt hätten. Dabei wird mal flott übersehen, daß dieser schon mehr Kugeln, Messer, Stricknadeln und Gasexplosionen überlebt hat, weswegen ein paar Salven und ein Sturz in einen Schacht ihn nun wirklich nicht lange aufhalten sollte.
Aber es gibt ja noch den Schlußgag, der den Kreis zum ersten Teil dann munter schließt und ein ähnlich offenes Ende für die nächste Fortsetzung bereithält.
Man kann also eine Menge Spaß haben, wenn man alle Fehler und Kopien von den Vorgängern aufzählen will. Man kann es aber auch lassen und wird trotzdem ausreichend unterhalten. Was bleibt, ist ein konventioneller Slasher, dessen Titelfigur nur eben einen berühmten Namen hat. Damit bleibt der Film aber grundsätzlich konsumierbar und ist auch handwerklich robust und sorgfältig gemacht. Solider Mittelklasse-Horror, der allerdings kein Kino-Format mehr besitzt. (5,5/10)