Nach dem kommerziellem Debakel von „Halloween III“ hatte John Carpenter keine Lust mehr auf weiteren Halloween - Horror und widmete sich anderen Dingen (genauso wie Scream - Queen Jamie Lee Curtis). Der Produzent Moustapha Akkad konnte allerdings wohl ob des Geldes, das die Fortsetzungsmaschinerien der beiden großen Konkurrenz – Horrorfilmserien „Freitag, der 13.“ Und „Nightmare on Elm Street“ einbrachten nicht untätig auf seinen Rechten herumsitzen und brachte nun ohne Carpenters Beteiligung (dessen Name als Schöpfer des Halloween – Musik – Themas trotzdem noch immer im Vorspann erscheint) ein neues Sequel heraus indem wieder Michael Myers metzeln durfte.
Handlungsmäßig spielt sich hier das meiste nach Schema F ab. Michael Myers soll wieder einen Abend vor Halloween (an dem es auch wieder bedeutungsschwer gewittert) verlegt werden, er tötet seine Begleiter und flieht, geht in das Städtchen Haddonfield um seine letzte lebende Verwandte zu töten. Dr. Loomis, der wie Myers das Feuer aus „Halloween II“ wundersamerweise nur mit einigen Narben überlebt hat, versucht abermals die Killermaschine aufzuhalten. Zumindest einige kleine Neuerungen in der Story sind zu verzeichnen. Die erste und wichtigste, nämlich, dass Michael hier neben den üblichen Teenagern auch einem kleinen Mädchen (seiner Nichte Jamie, Laurie Strodes Tochter, deren Mutter gestorben zu sein scheint) nachstellt, ist nur innerhalb der Reihe eine Neuerung. Viel interessanter ist da schon die Bürgerwehr, die sich nach Myers Auftauchen aus einigen trink- und schießfreudigen Kleinstädtlern formiert. Diese Selbstjustiz ist durchaus als Gesellschaftskritik zu verstehen, allerdings auch nur als jener Funke, wie er in der amerikanischen Filmindustrie nicht unüblich ist.
„Halloween 4“ kann mit den ersten beiden Teilen der Reihe nicht mithalten, doch scheint dies auch nie im Sinne des Regisseurs gewesen zu sein. Vielmehr wird versucht eine kaum originelle, aber doch spannende und atmosphärische Fortsetzung zu präsentieren, was auch durchaus gelingt. Obwohl die typischen Spannungssituationen der allein im Dunkeln umherlaufenden Personen vorkommen, gelingt es nie wirkliche, intensive Spannung zu erzeugen wie es Carpenters Original und auch teilweise noch Rick Rosenthals Sequel vermochten. Dafür gelingt es wunderbar eine nächtliche Atmosphäre des Bösen einzufangen, wobei der Ort Haddonfield hier fast noch düsterer und unheimlicher wirkt als im Original. Hierfür zeichnet zum einen der gelungen Soundtrack von Alan Howarth (der zuvor einige Male als Co – Komponist für John Carpenter aufgetreten war), insbesondere aber die viel gelobte, vorzügliche Kameraarbeit verantwortlich. Diese kommt auch in der Belagerungssituation gegen Ende des Films zum tragen, wenn sich die Figuren im Haus des Sheriffs verbarrikadieren und Myers Anwesenheit immer wieder durch einige gespensterhafte Erscheinungen angedeutet aber nie voll bestätigt wird.
Michael Myers Erscheinen selbst wurde für diesen Film leicht variiert. Seine Maske macht einen fast schon traurigen Eindruck, sein körperliches Erscheinen aber ist durch das Engagement des stämmigen Stuntmans George P. Wilbur noch bedrohlicher. Ansonsten bewegt sich der Film darstellerisch auf solidem Niveau. Donald Pleacence ist ja über jedem Zweifel erhaben, wenngleich seine Rolle hier deutlich anders angelegt wurde als in den Teilen 1 und 2. War er dort noch ein ruhig, besonnen und besorgt wirkender Mensch, dem man nur seine fantastischen Beschreibungen von Michael Myers nicht ganz abnehmen konnte (auch wenn sie sich als zutreffend erwiesen) ist er jetzt ein völlig exzentrischer, alter Kauz, der von seinem Auftreten her selber in die Klapper gehört. Da gefiel mir persönlich die alte Interpretation besser.
Die kleine Danielle Harris macht ihre Sache ganz gut, spielt die Angst und Panik auf der Flucht vor Michael Myers wirklich überzeugend. Ellie Cornell ist ihrerseits ein recht hübsches, sympathisches Final – Girl. Auch der Rest der Besetzung ist im grünen Bereich. Dass Sasha Jenson als treuloser Freund Rachels so nervt, wird wohl an seinem unsympathischen Charakter liegen und er spielt auch eine typische ICH – FASS – MIR – AN - DEN – KOPF – Szene, wenn er im Angesicht des sich nähernden Michael Myers scheinbar endlos lang versucht das leer geschossene Gewehr nachzuladen.
Obwohl man in diesem Film versucht die Stimmung des Originals nachzuahmen, wird hier im Gegensatz dazu auf eine detailliertere Darstellung von Gewalt nicht verzichtet. Einige kurze aber wirkungsvolle blutige Effekte sind (in der ungeschnittenen Fassung) zu bewundern. Wobei die für Splatterfreunde wohl interessanten Aktionen folgende sind:
SPOILER
- Daumen wird in Stirn gebohrt. Blut fließt
- Hals wird unter lautem Knacken zerquetscht. Blut wird gespuckt.
- Hals wird blutig aufgerissen.
SPOILER ENDE
Zum Ende hin bekommt dann der Zuschauer auch einige Überraschungen geboten, so dass man für die bis dahin auftauchenden Klischees ein wenig entschädigt wird. Nach Teil 2 scheint es hier dem Zuschauer am Schluss wieder so, als hätte man Michael Myers endlich zur Hölle geschickt, was dann eine wirklich unerwartete Pointe zur Folge hat.
Abschließend zu sagen „Halloween 4“ wäre ein guter Horrorfilm, wäre wohl zuviel gesagt. Es ist ein solides Slasher - Movie, das vor allem denjenigen Unterhaltung bietet, denen die ersten beiden Teile sehr gut bis gut gefallen haben. Den Gruseldurst stillen kann er allerdings nicht, da bleibt der Wunsch nach mehr übrig.
Wertung: 6 / 10