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„Crimson Tide – In tiefster Gefahr“ ist eine weitere Zusammenarbeit zwischen Regisseur Tony Scott und dem Produzenten Jerry Bruckheimer (damals noch zusammen mit seinem mittlerweile verstorbenem Kumpanen Don Simpson).
Das Szenario ist fiktiv, aber realitätsnah: In Russland kommt es zu einem Putsch, da sich politische Rebellen immer noch gedanklich im Kalten Krieg befinden und den Westen als Feind sehen. Zu allem Überfluss können sie einige Nuklearraketen sowie eine Abschussvorrichtung in ihre Gewalt bringen, mit der sie einen Atomschlag gegen die USA führen können. Überraschend, aber gelungen unspektakulär wird dem Zuschauer das Szenario in Form einer CNN-Reportage gezeigt. So verschenkt Scott die Atmosphäre des Szenarios nicht durch ablenkende Actionszenen.
Um einen eventuellen Präventivschlag auszuführen, wird von den USA das Atom U-Boot USS Alabama ausgeschickt. An Bord befindet sich der altgediente Kapitän Frank Ramsey (Gene Hackman), als ersten Offizier stellt man ihm den relativ unerfahrenen Ron Hunter (Denzel Washington) zur Seite. Neben der Einführung der beiden Hauptfiguren, welche die Positionen alter Haudegen und Rookie vertreten, dient die recht lang gezeigte Vorbereitung der Fahrt der USS Alabama zwei Zwecken: Zum einen werden die wichtigsten Mitglieder der Mannschaft vorgestellt (gespielt unter anderem von Viggo Mortensen, James Gandolfini und George Dzundza), zum anderen kann Tony Scott seine Inszenierung voll und ganz glänzen lassen: Große Reden vor versammelter Mannschaft im strömenden Regen, das Ganze garniert mit bombastischem Soundtrack und Scottscher Ästhetik. Fan-Herz, was willst du mehr?

Doch als die USS Alabama in die Tiefe geht, geschehen ein paar Dinge, die Hunters Vertrauen in Ramsey erschüttern, z.B. als ein Mann während einer Übung stirbt, auch wenn Ramsey keine Schuld daran trägt. Schließlich kommt es zum Eklat: Kurz nach dem Befehl, die Atomraketen abzufeuern, folgt ein weiterer Befehl des Flottenkommandos – allerdings unvollständig. Ramsey will an dem alten Befehl festhalten und feuern, während Hunter dafür stimmt, die andere Nachricht erneut zu empfangen, was allerdings Zeit kostet, da das Funkgerät kaputt ist. Es kommt zu einer Art Duell zwischen den beiden Offizieren, wobei eine Fehlentscheidung den dritten Weltkrieg auslösen bzw. die USA schutzlos dastehen lassen würde.
Auch wenn die Story von „Crimson Tide“ ein wenig an Filme aus der Zeit des Kalten Krieges erinnert, so ist sie dennoch extrem spannend und innovativ. Dabei setzt Scott auch kaum auf äußere Action, sondern auf die kleinen Gefechte (meistens mit Worten), die sich seine beiden Hauptdarsteller liefern. Zudem bleibt die Frage, wer denn nun recht hat, bis zum Ende spannend, vor allem da bei jeder Fehlentscheidung eine große Katastrophe bevorsteht. Allerdings hat der Plot auch ein paar Stellen, an denen einfach etwas mehr Tempo nötig gewesen wäre.
Neben dem Szenario und dem größten Teil der Story stimmt auch die Atmosphäre, auch wenn Scott wenig mit dem Klaustrophobie-Effekt an Bord eines U-Bootes arbeitet. Dennoch ist seine Inszenierung mal wieder über jeden Zweifel erhaben, denn wirklich alles ist mal wieder in der Ästhetik abgefilmt worden, die ich so sehr an Tony Scott schätze, abgefilmt worden.

Ein paar U-Boot Kämpfe sowie diverse Tauchszenen hat „Crimson Tide“ ebenfalls zu bieten, die allesamt sehr schick aussehen. Dabei sind die Szenen immer spannend und gehören zur Handlung; sie werden nicht aufgrund des spektakulären Effektes eingesetzt oder um Plotlöcher zu füllen. Die Szenen sind übrigens derart gut gelungen, dass sie später in B- und C-Movies wie „Crash Dive“ oder „Agent Red“ weiterverwendet wurden.
Hackman und Washington spielen, dass es eine wahre Freude ist. Dabei gelingt es Hackman den alten Kapitän nicht als verbittert oder gar als Bösewicht darzustellen, auch wenn er neben Hollywoods Saubermann Denzel Washington immer etwas schlechter aussieht. Auch der Rest der recht bekannten Schauspieler wie z.B. Viggo Mortensen, James Gandolfini, Matt Craven, George Dzundza und sogar Ryan Phillipe in einer ersten Minirolle erbringen gute bis sehr gute Leistungen.

„Crimson Tide“ ist ein spannender und optisch brillanter U-Boot-Thriller mit kleinen Längen, aber dennoch sehenswert.

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