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"Crimson Tide" stammt noch aus der Zeit, als Tony Scott (Last Boy Scout, True Romance) seine Filme noch nicht mit diversen Stilmitteln zumüllte. Hier haben wir altmodisches Spannungskino auf dem Niveau von "Jagd auf Roter Oktober" mit Topbesetzung. Das Drehbuch von Michael Schiffer (Projekt: Peacemaker, Der knallharte Prinzipal) hat es in sich, auch wenn alles frei erfunden ist. Das Produzententeam Jerry Bruckheimer und Don Simpson ließen sich dieses packende und realitätsnahe Szenario über 50 Millionen Dollar kosten, somit waren auch bessere Effekte und Außenaufnahmen drin, als beim oben genannten Kontrahent. Filme in denen die Grenzen zwischen gut und böse richtig verschwimmen sind sehr selten und genau in dieser Hinsicht bietet "Crimson Tide" richtig Diskussionsstoff.

Dank des russischen Politikers Vladimir Radchenko (Daniel von Bargen) prodelt es zwischen der USA und Russland gewaltig. Einige Rebellen sind bereits in Stellung gegangen um einen Erstschlag gegen die Staaten zu inszenieren, ein Atomkrieg steht bevor. Also soll das Atom-U-Boot USS-Alabama in Stellung gehen, um den Vernichtungsschlag der Rebellen zu verhindern. Doch dabei kommt es zu drastischen Meinungsverschiedenheiten zwischen Captain Frank Ramsey (Gene Hackman) und dem ersten Offizier Ron Hunter (Denzel Washington). Der Abschussbefehl ist aufgrund der schlechten Funkverbindung nicht vollständig, doch Ramsey will die Rakten trotzdem abfeuern. Hunter hält dagegen und provoziert somit eine Meuterei.

Es ist ein Alptraumszenario, welches Scott hier durchspielt und für welches man sich den alten Klischeefeind Russland ausgesucht hat. Der Kalte Krieg ist längst vorbei, trotzdem rasselt ein vorlauter russischer Politiker noch mit dem Säbel und hat viele Rebellen auf seiner Seite, die diverse Raketen in Stellung bringen. Also entsendet man das Atom-U-Boot USS-Alabama, dafür holt man Ron Hunter direkt vom Geburtstag seiner Tochter, auch sein bester Kumpel Peter Ince (Viggo Mortensen) muss mit an Bord und spielt im späteren Konflikt noch eine wichtige Rolle. Mit Hunter und Ramsey treffen zwei völlig unterschiedliche Charaktere aufeinander, die auch verschiedene Meinungen vertreten. Ramsey ist ein Macher und Hunter eher der Analytiker und beide haben eine derart unterschiedliche Auffassung vom Krieg, dass es schnell zu Spannungen kommt. Dabei braucht "Crimson Tide" seine Zeit, um richtig in die Pötte zu kommen, aber Spannungen zwischen Hunter und Ramsey sind schon von Beginn an auszumachen. Auch konzentriert man sich fordergründig auf dieses Duell, welches größtenteils in Worten ausgetragen wird. Doch mit dem Eingehen des unvollständigen Einsatzberichtes, beginnt das Chaos. Wer von Beiden jetzt die richtige Entscheidung getroffen hat, zeigt sich erst im Finale. Besonders muss man sich immer im Hinterkopf behalten, was auf dem Spiel steht, wenn eine falsche Entscheidung getroffen wird.

Gerade daraus zieht "Crimson Tide" seine Brisanz und Spannung. Zwischendurch kommt es auch zur Konfrontation mit einem russischen U-Boot. Ein packender Unterwasserkampf steht an, die USS-Alabama wird getroffen, man droht zu sinken und einige Mannschaftsmitglieder lassen ihr leben. In der zweiten Hälfte geht es richtig zur Sache, viel spannender hätte Scott das Geschehen nicht in Szene setzen können. Dabei konzentriert man sich voll und ganz auf die USS-Alabama, es gibt keine unnötigen Schwenks zu anderen Parteien. Es kommt zur Meuterei, die Mannschaft teilt sich auf, denn viele stehen auch hinter Ramseys Entscheidung. So wechselt das Kommando einige Male zwischen Ramsey und Hunter, doch die Antwort auf die Frage wer sich nun irrt, wird uns lange vorenthalten. Im Grunde genommen kann man es sich schon denken, was der Spannung aber keinen Abbruch tut. Auch gibt es keine Festlegung zwischen Gut und Böse, wie auch das überraschend versöhnliche Finale zeigt. Aber im Endeffekt lebt der Film von den brillanten Verkörperungen von Gene Hackman (French Connection, Absolute Power) und Denzel Washington (Mann unter Feuer, Virtuosity). Deren Gefechte sind durchgehend packend und überzeugend, auch in den Nebenrollen tummelt sich jede Menge Prominenz. Da wären Viggo Mortensen, James Gandolfini, Danny Nucci, Steve Zahn, Ryan Phillippe, Matt Craven und Daniel von Bargen.

"Crimson Tide" lässt sich ein bisschen viel Zeit, um das Duell der beiden Hauptfiguren richtig ausarten zu lassen, ist aber ansonsten ein durchgehend packender Kampf, in dem es kein Gut und Böse gibt. Im Fordergrund steht keine Materialschlacht, sondern es muss eine wichtige Entscheidung getroffen werden und eine falsche würde zu einem atomaren Holocaust führen. Die Geschichte hat es wirklich in sich und die brillanten Schauspieler verstärken die Wirkung noch. Die tollen Effekte und einige Actionszenen sind da eher Nebensache.

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