Russische Nationalisten nehmen eine Militär-Basis in Kamtschatka ein und bringen die Welt an den Rand eines Atomkriegs, als sie damit drohen, mit scharfen Sprengköpfen bestückte Interkontinetal-Raketen zu starten. Der Navy-Captain und Hardliner Frank Ramsay erhält den Auftrag, mit dem Atom-U-Boot USS Alabama im Nordpazifik Stellung zu beziehen und im Notfall einen Erstschlag durchzuführen. Tatsächlich empfängt man per Funk den Befehl, die Raketen startklar zu machen und auf die besagte russische Basis abzufeuern, doch ein kurz darauf eingehender zweiter Funkspruch wird durch die Kampfhandlungen mit einem russischen U-Boot unterbrochen. Im Anschluss an das Unterwasser-Gefecht ist das Funkgerät beschädigt und der Korvettenkapitän Ron Hunter, der vor dem Auslaufen als Ersatz für den krankheitsbedingt ausgefallenene ersten Offizier an Bord der USS Alabama gekommen ist, weigert sich, ohne klare Informationen zur Lage Ramseys Befehl zu wiederholen und so seine Zustimmung zum Abfeuern der eigenen Raketen zu geben. Als Hunter Ramsey wegen Verstoßes gegen die Marine-Vorschriften seines Kommandos enthebt und von der Brücke entfernen lässt, eskaliert die Situation an Bord des U-Boots... Okay, "Crimson Tide - In tiefster Gefahr" erreicht nicht gänzlich die Klasse eines "Jagd auf Roter Oktober" oder des besten U-Boot-Films aller Zeiten, Wolfgang Petersens "Das Boot", belegt nach den beiden genannten Streifen aber doch den dritten Platz auf dem Treppchen und ist nach nunmehr 30 Jahren immer noch ein Parade-Beispiel für die Sorte von Film, die Hollywood einst perfekt beherrscht hatte und zu der man aktuell irgendwie nicht mehr in der Lage ist: Star-besetztes Hochspannungs-Kino, das trotz eines enormen Unterhaltungswerts nicht gänzlich gehirnamputiert daherkommt und das den Zuschauer zudem auch dazu anhält, sich nach dem Abspann noch ein paar Gedanken zum gerade Gesehenen zu machen. Spektakuläre Kriegsfilm-Action unter Wasser steht demnach nicht weit oben auf der Prioritätenliste (auch wenn es da doch ein paar F/X-Momente gibt, die in Stock-Footage-Manier seitdem immer wieder gerne in billigen C-Movies recycelt wurden... denn U-Boot ist U-Boot, newa?), stattdessen ist das Ganze in erster Linie ein klaustrophobisches Thriller-Kammerspiel, welches clevererweise das psychologische Duell der beiden Hauptdarsteller in den Fokus des Interesses rückt. So gibt sich "Crimson Tide - In tiefster Gefahr" gar nicht ungeschickt den äußeren Anschein eines typischen Blockbuster-Spektakels aus dem Don Simpson/Jerry Bruckheimer-Stall, ist in Wahrheit aber doch recht dankbares Schauspieler-Kino geworden, bei dem sich Gene Hackman und Denzel Washington gegenseitig zu echten Höchstleistungen anstacheln. Die Beteiligung Quentin Tarantinos, der unkreditiert am Drehbuch herumgedoktert hat, merkt man der Angelegenheit an ihren feingeschliffenen Dialogen und einigen Film- und Comic-Anspielungen an, während Tony Scott hier den besten Regie-Job seiner Karriere abliefert und inszenatorisch den sweet spot trifft... nicht mehr so gelackt und oberflächlich wie noch zu "Top Gun"- und "Tage des Donners"-Zeiten, noch nicht so überkandidelt, nervtötend und flashy wie später bei "Domino" und seinem "Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3"-Remake. Der pompöse Hans Zimmer-Score ist einer seiner besseren und rundet das Ganze auch auf tonaler Ebene zu handwerklich perfekt gemachter Hollywood-Unterhaltung ab, die man Mitte der 90er eventuell nicht als herausragendes Beispiel ihrer Gattung auf dem Schirm hatte, der man rückblickend betrachtet ob ihres ausnahmsweise mal nicht in simpler Schwarzweiß-Manier präsentierten Szenarios (auch wenn die Sympathien da doch bei Washington liegen) ein wenig mehr verdiente Anerkennung zukommen lassen möchte und die auch in der x-ten Wiederholung doch immer wieder einen Blick wert ist. Fazit: Zwischen seinen vielen mittelmäßigen und überschätzten Style-over-Substance-Machwerken ist "Crimson Tide - In tiefster Gefahr" ziemlich klar Tony Scotts bester Film und highly rewatchable.
8/10