Review

Wolke Hegenbarth spielt eine westdeutsche Schülerin, die sich bei einer Klassenfahrt in der DDR verliebt und nun zu ihrem Freund nach Westberlin ziehen will. Ihr Vater, gespielt von Michael Brandner, will dies verhindern und verspricht demjenigen, der seine Tochter zu ihm zurückbringt eine hohe Geldsumme. Schon nehmen dutzende Personen die Verfolgung auf. Da Hegenbarth kurz vor der Grenze auf einen jungen Flüchtling trifft und mit diesem durch dessen Tunnel in die DDR flieht, wobei ihnen dort die Stasi direkt im Nacken sitzt, überqueren auch ihr Vater und dessen Kopfgeldjäger die Grenze.

"Crazy Race" hatte mir überhaupt nicht gefallen, deutsche TV-Komödien kann ich in aller Regel nicht einmal ansatzweise leiden und ich bin kein sonderlich großer Fan von Dirk Bach oder Martin Schneider, aber dennoch habe ich selten so viel gelacht, wie bei "Crazy Race 2" und selbst beim zweiten und dritten Ansehen war der Film noch überaus amüsant. Dass der Film objektiv betrachtet meine 9 Punkte nicht unbedingt verdient haben mag ist mir dabei durchaus klar, zumal die Platzierung in der OFDb schon für sich spricht, aber Humor ist bekanntlich sowieso Geschmackssache und mir gefällt er eben.

"Crazy Race 2" amüsiert vor allem deshalb, weil er mehrere Nebenhandlungen mit dutzenden verschiedenen Figuren, eine lustiger als die andere, miteinander verbindet und so ein schnelles Tempo halten kann. Der Fokus liegt dabei auf Wolke Hegenbarth, die einmal mehr liebenswert, schlagfertig und amüsant daherkommt und Manuell Witting, der sich bemüht, aber neben den wesentlich erfahreneren Darstellern an seiner Seite relativ blass wirkt. Die Beziehung zwischen den beiden läuft gradlinig aufs Happy End zu und teilweise bremsen die beiden mit den wenigen, aufgesetzt emotionalen Momenten den Film aus, wobei sie von den Nebendarstellern teilweise den Rang abgelaufen bekommen, weil diese wesentlich amüsanter sind. Dass die Charakterkonstruktion dabei unglaublich flach ist, ergibt sich von selbst.

Die Nebenfiguren und vor allem deren Konstellationen sind es im Endeffekt, die den Reiz des Films ausmachen und ein riesiges Klamauk-Gewitter bieten, das bestens unterhalten kann, wenn man denn geistig auf Durchzug schaltet. Am besten sind dabei Lars und Ande von Mundstuhl, die als Krankenpfleger, die sich gegenseitig dutzende Medikamente verabreichen Gags am laufenden Band liefern. Die beiden Vollblut-Komiker Uwe Steimle und Johann König präsentieren als Grenzsoldaten eine sehr gute Leistung und überzeugen vor allem im heiteren Zusammenspiel, wobei sie mit Katy Karrenbauer, die in der knallharten Rolle des Fräuleins gerade deshalb lustig ist, weil sie erst gar nicht versucht lustig zu sein, in der zweiten Hälfte des Films eine weitere Darstellerin zur Seite gestellt bekommen, die den Unterhaltungswert noch weiter hebt. Martin Schneider ist langsam, denkt langsam und bremst den Film teilweise aus, wobei er mit Michaela Schafftrath eine schwache Darstellerin zur Seite gestellt bekommt, die seine Defizite nur teilweise kompensieren kann, sich mit dem zeigen nackter Haut aber relativ sittlich zurückhält. Dirk Bach gibt als Egon Krenz eine ganz gute Figur ab und Ottfried Fischer ist als Ossi, der glaubt in der BRD zu sein ein weiterer Höhepunkt des Films und ist sichtlich bestens aufgelegt. Mit Michael Brander und Ingrid Steeger sind zwei Charakterdarsteller vertreten, die darstellerisch sehr gute Arbeit leisten und als altes Ehepaar ebenfalls überzeugen. Mit Otto Waalkes, Werner Böhm, Roberte Blanco und Daniel Kübelböck konnte man ein paar weitere Stars für Gastauftritte gewinnen, die durchaus zünden können.

Regie führte Christoph Schrewe, der bereits mit anderen RTL-Produktionen in Erscheinung treten konnte. Er verknüpft die einzelnen Nebenhandlungen sehr gut und springt so schnell hin und her, dass der Film nicht zum stillstand kommt. Er vermeidet zumindest über weite Strecken Fäkalhumor und überzeugt mit liebevollem und niveaulosen Klamauk und Slapstick, wobei er seine Darsteller perfekt in Szene setzt. Die Filmmusik ist ebenfalls ganz gut gelungen und die einzelnen Stücke sind passend auf die Figuren zugeschnitten, so ertönt bei Ottfried Fischers Auftritten beispielsweise immer ein bayrisches Blasinstrument. Die Action-Szenen sind gute gemacht, bis auf eine Szene, in der billige Computerspiel-Effekte verwendet werden, so gibt es nicht sonderlich viel auszusetzen.

Fazit:
Ja, der Film hat eine indiskutabel schlachte Story und ja, der Humor ist niveaulos. Mit seinem schnellen Erzähltempo, den bestens aufgelegten Darstellern aus Deutschlands Comedy-Elite und den überaus amüsanten Nebenfiguren ist "Crazy Race 2" dennoch eine hervorragende Komödie und in meinen Augen die beste, die der deutsche Film seit Jahren hervorgebracht hat. Ich habe Tränen gelacht und dafür gibt's 9 Punkte, auch wenn sie der Film nicht unbedingt verdient haben mag.

92%

Details
Ähnliche Filme