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Spätestens seit dem überwältigenden Erfolg von Peter Jacksons „Lord of the Rings“-Trilogie sind Fantasy- und/oder Heldensagen wieder „in“ – eine Tatsache, die Produzenten auf der Suche nach lukrativen Filmstoffen natürlich nicht verborgen geblieben ist. Trotzdem war das Kinojahr 2004 eher von Enttäuschungen auf dem Gebiet epischer Geschichten gezeichnet: Erst blieb „Troy“ an der Box Office hinter den Erwartungen zurück, dann floppte auch noch „King Arthur“ – aus beiden Handlungen hatte man jedoch die mystischen Elemente entfernt (Achilles wurde nicht von einem Gott niedergestreckt und Merlin durfte nicht zaubern), so dass jenes Genre nicht wirklich bedient wurde.
Nun aber, pünktlich zum ersten Advent (also in etwa der Zeit, in welcher Jackson in den vergangen Jahren seine Epen herausbrachte), präsentiert Sat-1 seine Prestigeproduktion „Ring of the Nibelungs“, welche „die größte deutsche Heldensaga“ aufwändig in heimische Wohnzimmer bringt – Ritter, Zaubermittel und Drachen inklusive…

Als die Sachsen unter der Führung ihrer Zwillingskönige (Götz Otto & Ralf Moeller) Xanten überrennen, kann nur der junge Königssohn Siegfried dem Massaker entkommen und wird fortan ohne Kenntnis seiner Herkunft von dem Schmied Eyvind (Max von Sydow) aufgezogen…
12 Jahre später: Inzwischen zu einem jungen Mann herangewachsen, beobachtet Siegfried (Benno Fürmann) eines Nachts einen Meteoriteneinschlag, hält diesen für ein Zeichen der Götter und reitet zum Krater, wo er auf die schöne isländische Königin Brunhild (Kristanna Loken) trifft, welche die Ereignisse ebenfalls als Teil einer Prophezeiung sieht – sie verbringen eine leidenschaftliche Nacht miteinander, worauf sie nach Island zurückkehrt und auf ihn zu warten gelobt...
Währenddessen wird das Königreich Burgund von dem Drachen Fafnir terrorisiert, der einen gigantischen Schatz in seiner Höhle hütet. Auf Drängen seines Beraters Hagen (Julian Sands), zieht König Gunther (Samuel West) schließlich gegen die Bestie in die Schlacht – unterliegt jedoch. Siegfried hingegen gelingt es, den Drachen mit einem aus dem Meteoriten gefertigten Schwert zu töten, worauf er in seinem Blut badet und dadurch nahezu unverwundbar wird. Zusätzlich ignoriert er alle Warnungen der Geister der Nibelungen und nimmt deren Goldschatz in seinen und König Gunthers Besitz. Als die Sachsen den Schatz erobern wollen, stellt sich Siegfried ihnen entgegen, wobei seine Kindheitserinnerungen zurückkehren und er den Tod seiner Eltern rächt.
Aus verschmähter Liebe lässt sich Gunthers Schwester Krimhild (Alicia Witt) derweil auf einen hinterhältigen Plan Hagens ein, Siegfried mit Hilfe eines Trankes an sich zu binden. Der Plan gelingt: Unter dem Einfluss des Mittels wünscht er sie zu heiraten, doch per Gesetz muss zuerst der König verehelicht werden – und Gunther will Brunhild zur Frau. Diese wiederum geht die Ehe nur mit dem Mann ein, der sie im Kampf besiegt, weshalb Siegfried mit Hilfe einer geheimnisvollen Tarnkappe den Platz des Königs einnimmt und das Duell siegreich beendet – doch schon auf der Heimreise weisen die Tafeln von Brunhilds Seherin auf eine Art von Täuschung hin, deren Aufdeckung für alle Beteiligten verhängnisvoll wäre…

Die Besetzung ist interessant, wenn auch nicht durchweg gelungen: Kristanna Loken (“Terminator 3“/“Bloodrayne“) gefiel mir als isländische Kriegerkönigin eigentlich recht gut, obwohl sie vielleicht etwas zu schön für die Rolle war, Julian Sands („Warlock“) überzeugte als hinterhältiger Hagen, Alicia Witt („Urban Legends“), die ich immer gern in Filmen sehe, hat ihre Krimhild meiner Meinung nach (z.B. von den Gesten her) zumindest anfangs etwas zu modern angelegt, Samuel West („Iris“) blieb als König Gunther sehr blass – Altstar Max von Sydow („Exorcist“) lieferte hingegen klar die beste darstellerische Leistung des Films ab.
Und nun zu Hauptdarsteller Benno Fürmann (“Anatomie“/“the Order“) als Siegfried: Zwar ist er talentiert und kommt sympathisch rüber, hier jedoch trotzdem fehlbesetzt – man nimmt ihm den großen Krieger und Schmied nicht wirklich ab. Als Siegfried war er mir einfach nicht „kernig“ genug, auch weil die Figur in dieser Version wie ein Sonnyboy wirkte – immer sauber und gepflegt (selbst beim Schwertschmieden), anständig gekleidet, mit gut sitzender Frisur sowie lockerer Zunge…in meinen Augen zu modern und daher negativ in Sachen Glaubwürdigkeit (was bei der Hauptrolle unweigerlich ins Gewicht fällt).

Der deutsche Regisseur Uli Edel (“Christiane F.“/“Body of Evidence“) hat sich in den letzten Jahren vor allem mit aufwändigen US-TV-Miniserien (“Julius Caesar“/“Mists of Avalon“) einen Namen gemacht – dementsprechend gekonnt und routiniert hat er dieses Abenteuerspektakel dann auch in Szene gesetzt, so dass man am „wie“ angesichts des Formats eigentlich nicht viel aussetzen kann: Das Budget von rund 20 Millionen Euro sieht man dem Film an, die Optik ist sauber und „gelackt“ (was leider etwas auf Kosten der Atmosphäre geht), die F/X (von der „ID 4“-Crew) gehen mehrheitlich in Ordnung und schön fotografierte Landschaften vermögen zu gefallen.
Viele Einstellungen wurden mit Hilfe des „Blue-Screen“-Verfahrens in Szene gesetzt, was nicht immer wirklich zu überzeugen vermag (wie der Kampf auf der Eisscholle) und dem Film zudem einen sehr sterilen Look verleiht. Etliche Hintergründe fallen ebenfalls wegen detaillosen Texturen (hauptsächlich bei Gebäuden) negativ auf. Folgerichtig war die beste Szene nicht etwa der Kampf mit dem Drachen, sondern der Dialog zwischen Brunhild und Krimhild vor der Kirche…

Diese Version der Sagengeschichte ist auf jeden Fall eine freie, entstaubte, poppig-moderne und somit verwässerte Variante, die leider viele interessante Figuren (wie Hagens Vater oder die isländische Seherin) und Hintergründe (wie die Geister der Nibelungen sowie ihr Fluch) zugunsten der kurzweiligen Aufbereitung vernachlässigt. Einige Dialoge sind zudem unpassend lässig ausgefallen (ein Problem, welches „Ginger Snaps 3“ ebenfalls besitzt). Ich persönlich hätte mir etwas mehr an Action gewünscht (beispielsweise bei der Konfrontation mit den Sachsen, die „nur“ in „Postman“-Manier gelöst wurde), sowie stärkere Spannung und ein besseres Gefühl für Atmosphäre. Zum Glück übertrifft die zweite Hälfte die vorangegangene Zeit in fast allen Belangen (außer dass Max von Sydow nicht mehr dabei ist), so dass zum Schluss keine wirkliche Enttäuschung entsteht.

Ein Ring, der gar im Originaltitel auftaucht und seinen Träger mit einem Fluch behaftet, sowie ein Setting mit Ritter, Burgen und einem Drachen (der hier jedoch mehr wie eine Echse wirkt und leider nicht so gut oder Furcht einflößend umgesetzt wurde wie etwa in „Lord of the Rings“ oder „Reign of Fire“)…erinnert alles irgendwie an Tolkien? Ganz genau – schließlich ist bekannt, dass sich jener von alten Sagengeschichten wie dieser (oder etwa „Beowulf“ und der „Edda“) inspirieren ließ. Vergleiche zwischen den Filmen sollte man jedoch schon angesichts der Budget- und Formatunterschiede vermeiden. Mal sehen, wie die „Beowulf & Grendel“-Verfilmung nächstes Jahr ausfallen wird – bis dato können sich Genrefreunde die Zeit mit diesem Werk wenigstens einigermaßen unterhaltsam überbrücken…

Fazit: Trotz einiger Schwächen (wie die fehlbesetzten Hauptrolle) stellt „Ring of the Nibelungs“ eine unterhaltsame, familientaugliche Heldensaga dar, die gerade in der zweiten Hälfte deutlich an Qualität gewinnt … insgesamt noch knappe 7 von 10.

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