Review

LAST HOUSE ON DEAD END STREET

Nachdem ich mir “Last House on Dead End Street” erstmalig anschaute, wusste ich nicht so recht wie ich den Film einordnen sollte und ob der Kauf der CMV DVD vielleicht eine Fehlinvestition war.
Alls ich, nach einiger Zeit, den Film ein zweitesmal ansah entdeckte ich viele Details, die mir beim erstenmal entgangen waren, “Last House...” zieht einen dermaßen in das Geschen hinein, dass man nach mehrmaligen Konsum immer noch Stellen, Szenen und Geräuschkulissen neu entdeckt , bzw. neuinterpretiert. Die CMV DVD war somit ihr Geld wert und “Last House...” ein Film voller Kraft und visueller Bildsprache, Roger Watkins Amateur Produkt ist ein wahres Juwel der Independent/ Streetguerilla-Szene der frühen 70er (jammerschade dass es solche Filme(macher) heutzutage nicht mehr gibt).
Störend empfand ich jedoch, dass bereits zu Beginn des Filmes die Hinrichtungs-Ausweidungsszene von Mrs. Palmer zu sehen ist und für mich vollkommen deplaziert wirkt, bedenkt man aber dass “Last House...” ursprünglich 180 Minuten Spielzeit hatte, der Film von fremden Film/Videofirmen nach eigenen Vorstellungen Geschnitten wurde und erst 1977 gezeigt wurde - “Last House...” wurde bereits 1973 gedreht, wird sofort klar das dies garantiert nicht der Endschnitt ist, denn Roger Watkins für seinen Film vorsah, sondern vielmehr eine willkürliche Verstümmelung dritter darstellt (der Film wird trotzdem nicht in seiner Wirkung zerstört, man sollte sich vor Augen halten wie die, von Roger Watkins persönlich geschnittene Version, wirken könnte).
Das Bonusmaterial ist auch nicht von schlechten Eltern, bedenkt man dass es sich um einen Amateurfilm handelt:
6 Kurzfilme
Videotagebuch
Bildergalerie
Auftritt in der Joe Franklin Show
Alternativer Vor- und Abspann
Kinotrailer
Outtakes
Insbesondere der Auftritt in der Joe Franklin Show, sowie die Kurzfilme, die andeuten welche Vorbilder, Ideen und Aussagen hinter Roger Watkins stecken (meine Favoriten: Ron Rico, Requiem, Tale from the Crypt).

Die gezeigten “Goreszenen” sind meiner Meinung nach, nicht so extrem wie sie oft dargestellt werden, der tiefste Horror entsteht meistens im Kopf des Betrachters und genau hier nistet sich “Last House...” für längere Zeit ein.
“Last House on Dead End Street” hat eine, durch das ungewöhnliche Ambiente, der dreckigen Drehplätze, dem Aufzeigen menschlichen Verhaltens in einer degenerierten Gesellschaft und der unkonventionellen Umsetzung durch Filmlaien eine Visualität, die vollkommen abseits aller Hollywood Studio-Horrorproduktion ist und dem Massenpublikum schwer zu schaffen machen wird. Jenen die jeden grenzdebilen Schund nur allzu gern als “Partyfilm” deklarieren, werden den Zugang zu derartigen Werken nie finden.

Last House on Dead End Street ist ein faszinierend verstörender Film, dem mehr als drei Jahrzehnte nichts von seiner Soghaften, nihilistischen Aussage rauben konnten.
Wer Filme von Unbekannten, innovativen Exzentrikern als Bereicherung im Universum Hochglanzpolierter Dutzendware ansieht, wird in “Last House on Dead End Street” ein filmisches Kleinod der Ausgehenden Hippie/Flower Power Ära finden.

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