Review

Nicht einfach ein Thriller oder ein Science-Fiction-Reißer, sondern eine philosophische Parabel, ein Zeitgemälde aus dem Kalten Krieg, eine ausgefuchste, spannende, unheimliche Meditation über Themen wie Unauflösbares Mißtrauen, die Macht des „Großen Bruders“, über Paranoia und Persönlichkeitsentwicklung in einem technikfixierten Zeitalter. Düster. Als hätten George Orwell und Franz Kafka das Drehbuch geschrieben.
Der FBI-Mann Elliott Gould z.B. führt den „Prozeß“. Er zeigt, daß jede, buchstäblich JEDE Lebensäußerung in ihr Gegenteil verkehrt werden kann: Jeder Beweis zu Gunsten des „Angeklagten“ kann zugleich als eine noch perfektere Täuschung durch den gegnerischen Geheimdienst gesehen werden. Der „Mann aus Metall“ wird zur Verteidigung gezwungen, doch jede Verteidigung ist vergeblich, klagt ihn sogar noch weiter an.
Oder: Jede Tat der einen Seite findet ihr Spiegelbild, ihre genaue Entsprechung in einer Tat der Gegenseite: Keine Seite ist böser oder besser als die andere. Gut und böse sind aufgehoben, austauschbar, verwechselbar: Im Kalten Krieg, im Krieg der Geheimdienste gibt es keinen Unterschied mehr. Beide Seiten sind gleich. Und dennoch bekriegt man sich.
Oder: Obwohl es scheinbar nur darum ging, den Mann am Leben zu erhalten: Die Verwandlung eines Menschen in einen „Mann aus Metall“ verändert den Menschen von Grund auf: So sehr er sich bemüht: Er ist verloren. In einer Welt der Äußerlichkeiten kann er nicht der Gleiche bleiben. Menschenopfer. (Auch sein Verfolger wird einfach sinnlos geopfert, auf der Kühlerhaube im harmlosen Verkehr. Als Verfolgungswerkzeug ist er entbehrlich wie ein Schraubenzieher. Ein Bauernopfer für die „Große Sache“.)
Gespenstisch die Darstellung: Der Mann aus Metall, wie er quälend langsam aus dem Dunkel auftaucht, als lebendige Monströsität. Ein synthetischer Mensch, gezeichnet von einer Maske, ohne Blutdruckschwankungen, Schweißausbrüche, Herzrasen. - Und doch hat er Gefühle.
Zwar spricht er immer gleich gleichmütig, überlegt, sachlich, seriös, gemessen, gepflegt: Eigentlich ein Vorbild. Und doch bleibt er ausgestoßen, wird er ausgestoßen. Am augenfälligsten bei seinen Gängen durch die belebte Stadt, wo er (es wirkt wie mit „Versteckter Kamera“ aufgenommen) angestarrt wird wie ein Freak, ein Monster, ein Außerirdischer – was er auch ist: Ein Produkt gnadenloser Technologie, die den Menschen (er selbst ist ein Forscher) zum Roboter/Computer degradiert: Das Forschungsprojekt „Neptun“ braucht den Mann, auch wenn er damit zum Roboter, „unmenschlich“ werden muß. Hauptsache, das Projekt kann weitergehen. Doch als Forscher hat er auch dazu beigetragen, zur Entmenschlichung des Menschen. Was er jetzt schmerzhaft bedauert. Hinter seiner unbewegten Maske.
Zu Recht entscheidet er sich schließlich zum „Aussteigen“: Er wird Bauer.
Denn so ein technisch hochgezüchtetes Wesen, mehr Technik als Mensch, das sich aus der Menschheit entfernt hat, ist zugleich nicht mehr kontrollierbar. Es macht Angst. Es wird ausgestoßen. Man traut ihm nicht, nimmt ihn nicht an, verweigert ihm den Zutritt. In einer kafkaesken Parabel verweigert man dem „Mann aus Metall“ den Zutritt – zu der Welt, der zu Liebe man ihn erst in diese Form gezwungen hat.

Details