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Ja – genau wie die Schuhe im Titel ankündigen ... ist das ein Frauenfilm – aber den kann man sich auch als Mann ansehen wegen: Cameron Diaz – Die ist wieder so was von lecker... und gleichzeitig ist sie auch noch die beste Schauspielerin am Set (sogar überzeugender als der ehrwürdige Altstar Shirley MacLaine)!

Aber Cameron Diaz ist nicht die einzig gute Zutat des Films, tatsächlich ist vor allem die Story überraschend gut, überraschend tiefsinnig und überraschend abwechslungsreich erzählt.
Den Kern der Geschichte (quasi das Familiengeheimnis) erfährt man erst sehr spät und das so unaufdringlich, dass nicht mal ansatzweise Kitsch aufkommen kann.

Das ist eine Kunst, denn von der Thematik her ist die Geschichte altbekannt. Wir lernen zwei Schwestern kennen, die sehr unterschiedlich sind. Während eine asozial und leichtlebig ist (Maggy), ist die andere (Rose) zielstrebig, verantwortungsbewusst und im Beruf erfolgreich.

Die starke Anfangsszene beweist allerdings überdeutlich, dass konsequent auf Kitsch verzichtet wird. Maggy (Cameron Diaz) hat sturzbetrunken Sex in einer Toilette und übergibt sich während dieser Nummer. Ihre Schwester Rose (Toni Collette), eine Anwältin, darf sie dann um 5 Uhr morgens von der Party abholen – weil Meggy am Rande der Bewusstlosigkeit auf einem Sofa eingeschlafen ist.

Und dann geht der Film los, mit einer ziemlich durchgeknallten Maggy (an der allerdings kaum etwas liebenswert ist – also keine Neuauflage von „Verrückt nach Mary“) und als Pendant dazu die korrekte Schwester, die allerdings privat sehr unglücklich ist. Nach einer deutlichen Grenzverletzung trennen sich die Wege der beiden und das verändert sie – diesen Wandel spielt vor allem Maggy – trotz sehr schwierig angelegten Persönlichkeit extrem gut. Etwas farblos wirkt dagegen leider Toni Colette, die zwar o.k. spielt, aber den Wandel – also auch ihre Befreiung von Zwängen nicht ganz so glaubhaft darstellt.

Eine extrem wichtige Rolle spielt natürlich auch der Altstar Shirley MacLaine, die erst spät im Film auftaucht und als erstes merkt man dann, dass man sie schon lange nicht mehr in Filmen gesehen hat – so viele Falten ... . Nach dem ersten (optischen) Schock zeigt sich allerdings, wie gut dieser zweite Strang der Handlung – in dem auch das Familiengeheimnis versteckt liegt – ausgewählt ist. Und wie wichtig und gut dabei auch die – für Hollywood total ungewohnte und untypische – Umgebung ausgewählt ist.

Gegen Ende wird – nach einer sehr stimmigen Auflösung – auch erklärt, weshalb die Schwestern so unterschiedlich sind. Und dass die beiden sich trotzdem – oder auch genau deswegen - zum Glücklichsein brauchen.

Das ist gut beobachtet, schön anzusehen und auch sehr poetisch. Mann ist danach wirklich überrascht, was für gute Geschichten unter dem Label Frauenfilm laufen – da braucht man sich hinterher nicht zu schämen, dass man den „mitgesehen“ hat. Denn trotz Schuhen und Schwesternbeziehung ist das ein sehr guter und auch empfehlenswerter Film!

Auf jeden Fall beweist „In den Schuhen meiner Schwester“, dass derzeit wieder sehr gute Filme aus Hollywood kommen. Die Story ist neuartig, die Ausstattung erstklassig und die Darsteller sind – bis auf Toni Colette – optimal. Plötzlich sieht man sich sogar alte Leute gerne an und entwickelt auch mehr Verständnis für bestimmte Schwierigkeiten. Ein wirklich gelungener Film – und eine fantastische Cameron Diaz.

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