Als es da hieß, der Daywalker werde nach einer erfolgreichen und gelungenen Fortsetzung ein weiteres Mal auf die Leinwand zurückkehren, dürfte die Freude bei allen "Blade"-Fans entsetzlich groß gewesen sein. Nun ist es endlich so weit und wieder einmal stellt sich die spannende wie unangenehme Frage, ob der hoch angesetzte Erwartungshorizont nicht doch reiner, unvorsichtiger Übermut war?
Ist dem so, bietet sich in einigen Fällen dann immerhin noch ein Film, der den sehnlichen Vorstellungen des Zuschauers zwar nicht originalgetreu entspricht, letztendlich aber doch durch seine unerwarteten Qualitäten und seinen individuellen Stil zu überzeugen weiß. So war es bei "Blade 2". Für "Blade: Trinity" allerdings bedarf es schon einem sehr starken alkoholischen Gebräu, um sich das Endprodukt schön trinken zu können. Das ist die bittere Erkenntnis, die sich hier gewinnen lässt und insgeheim bereits vom Unterbewusstsein befürchtet wurde. Zum einen liegt es natürlich in der Natur der Fortsetzung, stets einen schweren Stand zu haben. Zum anderen verlief aber speziell der Dreh schon alles andere als optimal, denn Wesley Snipes konnte sich nicht wirklich mit dem Skript anfreunden. Da der mittlerweile sagenumwobene Vampirjäger bekanntlich nicht gerade ein Synonym für gute Laune ist, fiel es Snipes schließlich auch gar nicht schwer, eine grimmige Miene aufzulegen.
Nun, das Drehbuch sah vor, Jessica Biel als Abigail Whistler und Ryan Reynolds als Hannibal King an Blades Seite zu stellen. Ob man sich damit einen Gefallen getan hat, bleibt fraglich, denn Whistlers Tochter Abigail fristet lediglich ein undankbares Dasein als farblose Amazone, die Vampire trotz nicht existierender übernatürlicher Kräfte mühelos erledigt, wobei ihr außerdem noch die Kopfhörer ihres MP3-Players - denn ohne Musik bestreitet sie keinen Kampf - nicht einen Millimeter verrutschen. Hannibal King erhielt als Charakter dagegen die Freiheiten, uns aufdringlich mit künstlich coolen Onelinern zu belästigen. Überhaupt leidet hier vieles merklich an erzwungener Coolness. Dominic Purcell stellt sich da als der größte Fehlgriff der Besetzung heraus, denn er scheint ein besonderes Exemplar von einem Antischauspieler zu sein. Lediglich Paul Michael Levesque, mit der Figur des Jarko Grimwood förmlich immer auf der Suche nach der eigenen Intelligenz, vermag dies noch zu übertreffen; doch der ist schließlich Wrestler.
Bei Dominic Purcell allerdings wird das fehlende Charisma zum größeren Ärgernis, soll er doch ausgerechnet den ehrfürchtigen Dracula, aus dem in der hochmodernen Welt schlicht Drake wurde, verkörpern. Der gewohntermaßen keine Denkprozesse ankurbelnde Plot serviert letztendlich, nachdem er sich kaum an Logik oder einen ernsthaften Spannungsaufbau klammerte, erwartungsgemäß einen Endkampf zwischen Blade und Drake, der hinlänglich als durchschnittlich furios gewertet werden kann. Etwas spektakulärer hätte es da schon sein dürfen, aber schließlich bleibt sich der dritte "Blade"-Film, dessen oberstes Ziel es ohnehin nicht unbedingt war, möglichst viele Kämpfe zu präsentieren, in dieser Hinsicht treu. Natürlich zerbröseln auch hier wieder reichlich Vampire in traditioneller "Blade"-Manier, aber im Großen und Ganzen hält sich dies in Grenzen. Ebenso verhält es sich mit der roten, von allen Vampiren so begehrten Flüssigkeit, dem köstlichen Blut, das überraschenderweise nur selten fließt.
Dafür jedoch verleitet die allgemeine, durchgestylte Optik von Drehbuchautor und Regisseur David S. Goyer einen gerne dazu, in Erinnerungen an das Original zu schwelgen. Und bei näherer Überlegung ist der gesamte "Blade: Trinity" zugegebenermaßen in jedem Falle alles andere als ein schwarzes Schaf für die Filmreihe; im Grunde sogar ein absolut solider, kinowürdiger Popcornactioner - nur ob dieser den persönlichen Ansprüchen eines jeden "Blade"-Jüngers gerecht wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.