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Mit „Blade: Trinity“ führt Autor David S. Goyer die Saga konsequent weiter und nimmt zudem selbst auf dem Regiestuhl Platz.
Blade (Wesley Snipes) kämpft mit der Hilfe seines Kumpans Abraham Whistler (Kris Kristofferson) immer noch erbittert gegen die Vampire und rottet direkt zu Beginn des Films mal wieder stilvoll eine kleine Horde aus. Doch Danica Talos (Parker Posey), eine gerissene Vampirin, nutzt die Gelegenheit um Blade als Serienkiller darzustellen und ihm so die Behörden auf den Hals zu hetzen. Damit bietet die erste große Actionsequenz nicht nur ordentlich was fürs Auge, sondern ist sogar noch storyrelevant.
Danica will nämlich Ruhe haben, da sie und ihre Truppe von Blutsaugern inzwischen Dracula (Dominic Purcell), den Stammvater der Vampire, ausgebuddelt haben und mit seiner Macht die Herrschaft über die Welt an sich reißen wollen. Auch wenn Dracula nicht hundertprozentig in die Welt von „Blade“ passt und zumindest seine verwandelte Gestalt nicht so super aussieht, so erweist Goyer dem Mythos Dracula doch seinen Respekt: Dracula ist ein altehrwürdiger Vampir, mit ganz eigenem Moralkodex und weitaus weniger durchtrieben als seine Nachkommen.

Blade ist allerdings nicht mehr der einzige Vampirjäger: Eine Gruppe junger Menschen, die sich Nightstalkers nennt, hat die Blutsauger ebenfalls zu Freiwild erklärt. Allen voran metzeln Whistlers Tochter Abigail (Jessica Biel) und Hannibal King (Ryan Reynolds) Vampire nieder, wo sie nur können, wenn auch nicht so effektiv wie Blade selbst. Auch hier erweist sich Goyer bei seinen Neuerungen so taktvoll, dass die neuen Vampirjäger nicht zu mächtig erscheinen.
Als das FBI Blade als scheinbaren Serienkiller verhaftet und Danica den gefangenen Vampirkiller töten will, greifen die Nightstalkers ein und befreien Blade. Sie wollen mit ihm zusammen gegen die Vampire antreten, denn sie wissen von Draculas Erweckung und dass sie nur gemeinsam gegen den mächtigsten aller Vampire bestehen können…
Die Anzahl neuer Figuren mit viel Storyinhalt ließ bei Drehstart Furcht aufkommen, doch glücklicherweise fokussiert „Blade: Trinity“ wieder Blade als Star. Die anderen sind eher Sidekicks zur Unterstützung, während an Blade die meiste Arbeit hängen bleibt. Hannibal darf ein paar Sprüche reißen und sich dabei weniger stoisch als Blade verhalten, aber diese Art von Humor stört den Film glücklicherweise nicht. Nur etwas mehr Tiefe wäre drin gewesen, denn viele Aspekte (die Beziehung Whistlers zu seiner Tochter, die Freundschaft von Abigail und Hannibal usw.) werden in ein paar bedeutungsschwangeren Szenen nur angeschnitten, aber nicht vertieft.

Die Story erweist sich als recht spannend, vor allem da „Blade: Trinity“ als letzter Teil der Trilogie gedacht ist. Man weiß wirklich nicht, ob Blade das Ende des Films erleben wird und bis zum Schluss bleibt diese Frage spannend. Auch sonst hat Goyer den Film temporeich in Szene gesetzt und lässt keine Längen aufkommen, auch wenn er sich kurz vorm Finale vielleicht geringfügig kürzer hätte fassen können. Erfreulicherweise wurde der Einsatz von CGI-Effekten im Gegensatz zum zweiten Teil wieder etwas zurückgefahren, sodass nur ein paar Szenen darauf zurückgreifen müssen und dabei künstlich aussehen (z.B. der Sprung aus dem Fenster des FBI-Gebäudes). Ein paar nette Schockeffekte (z.B. die Szene mit dem Luftschacht) hat der Film ebenso zu bieten wie ein paar Vertiefungen der „Blade“-Welt: Man bekommt unter anderem eine Blutzapfanlage der Vampire zu sehen und es wird wieder mehr auf die menschlichen Handlanger der Vampire eingegangen.
Im Bereich Action punktet „Blade: Trinity“ ebenso wie die Vorgänger. Es wird recht aufwendig verfolgt und wenn etwas explodiert, dann rummst es richtig (z.B. die Explosion von Blades Versteck), aber das Hauptaugenmerk liegt wie gewohnt auf Shoot-Outs und Fights. Geballert wird mit einer bunten Auswahl an Feuerwaffen sowie Bögen, wobei die Schießereien allerdings nicht ganz so spektakulär wie in den Vorgängern sind. Dafür wird an Kämpfen einiges geboten, wobei vor allem Wesley Snipes mal wieder seine Martial Arts Fähigkeiten voller Eleganz vorführt. Auch Jessica Biel kloppt erstaunlich schick, während man Ryan Reynolds und Triple H (als vampirischer Schläger) etwas weniger aufwendige, aber trotzdem passende Kampfstile verpasst hat. Das obligatorische Schwertduell am Ende ist gewohnt fetzig gemacht und bietet einen würdigen Höhepunkt.

Leider reicht „Blade: Trinity“ nicht ganz an die Vorgänger ran, wofür es zwei Gründe gibt. Zum einen könnte die Geschichte doch etwas wendungsreicher sein, trotz aller Kurzweil. Zum anderen nervt der Film mit etwas zuviel High-Tech-Fanatismus: Blödsinn wie den zusammenklappbaren UV-Bogen hätte man echt weglassen können, zumal viele der vorgestellten Gimmicks keine große Bewandtnis für den Film haben und so nur pseudocool wirken.
Wesley Snipes ist mal wieder voll in seinem Element und spielt Blade so wie der Zuschauer ihn sehen will: Cool, ohne große Gefühlsregungen und trotzdem nicht mit versteinerter Miene. Jessica Biel sowie Kris Kristofferson liefern ebenfalls sehr überzeugende Leistungen ab, vor allem aber Ryan Reynolds überrascht, denn er zeigt, dass er mehr drauf hat als den harmlosen Clown der Marke „Party Animals“. Dominic Purcell als Dracula ist OK, aber man hätte durchaus einen charismatischeren Darsteller finden können, während Parker Posey eher nervt. Im Bereich Nebendarsteller gibt es dafür durch die Bank weg gute Leistungen, unter anderem James Remar als FBI-Agent.

„Blade: Trinity“ ist zwar nicht ganz so gut wie die Vorgänger, aber flottes Actionkino mit sehr viel Coolness und zudem eine sehr konsequent durchgezogene Fortsetzung.

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