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Nachdem die Gemeinschaft der Vampire über die Jahre von Blade dezimiert worden sind, hoffen sie das Blatt doch noch wenden zu können, indem sie den mächtigsten aller Vampire - Dracula persönlich - erwecken. Blade, der inzwischen dank einer Intrige auch vom FBI verfolgt wird, erhält unerwartet Unterstützung von einer Gruppe menschlicher Vampirjäger...

Der klassische Vampirfilm ist Scheiße und BLADE der einzig wahre Vampirjäger. Wer gleich im Anfangsmonolog eines Filmes solche Behauptungen aufstellt, schlägt damit nicht nur dem Filmfan generell ins Gesicht, sondern sollte auch tunlichst dafür Sorge tragen, dass das Folgende die hoch gesteckten Erwartungen erfüllt: um es kurz zu machen: BLADE TRINITY enttäuscht nicht nur hinsichtlich der hochtrabenden Phrasen, sondern ist in vielerlei Hinsicht ein solches Desaster, dass der Film letztendlich nicht mal niedrigsten Erwartungen gerecht wird.
Der Hauptschuldige ist ganz offensichtlich David S. Goyer, seines Zeichens Regisseur und Drehbuchautor. Nun gibt es ja Menschen, die behaupten, dass es bei solchen Filmen nicht auf die Geschichte ankommt. Das mag in gewissem Grade sogar stimmen, doch auch beim simplen Actionkino sollte man auf eine gewissen Geschlossenheit und Logik achten. BLADE TRINITY bietet das mit Abstand dümmste Buch, was mir seit Ewigkeiten in einer Hollywood-Produktion untergekommen ist. Da stimmt einfach gar nichts, da werden minutenlang völlig sinnfreie Szenen zelebriert, nur um ein paar fürchterlich schlechte Sprüche unterzubringen, da tauchen Figuren beliebig dort auf, wo man sie gerade braucht, da werden Charaktere schon bei ihrem ersten Auftreten demontiert und der Zuschauer permanent für dumm verkauft. Offensichtlich hatte der Regisseur ein paar Bilder im Kopf und sah die Aufgabe seines Buches nur darin, diese möglichst sinnfrei zu verbinden.
Kaum besser gestaltet sich die Inszenierung des Werkes, in dem alle Protagonisten ausnahmslos schwach agieren und völlig uncharismatisch wirken: Dass Wesley Snipes schon vorher keine rechte Lust mehr auf den Film hatte, sieht man ihm deutlich an und wenn man das Endprodukt sieht, kann man ihn auch verstehen. Katastrophal besetzt ist Dracula, der eher wie ein kurzweiliger Prügelgegner in einem VanDamme Film anmutet und der Rolle nicht ansatzweise gerecht wird. Abigail Whistler und Hannibal King, offensichtlich als Spin-Off Charaktere eingebaut, bringen den Film endgültig auf Power-Ranger Niveau und offenbaren eine weitere Schwäche des Filmes: Hatten BLADE und BLADE II noch einen klar erkennbaren und gelungenen Style, versagt Teil 3 hier vollständig: Das fängt bei den Outfits an und geht über die Masken - Dracula sieht teilweise aus wie ein Predator - hin zu den plastikähnlichen Waffen, die in Abigals UV-Bogen einen traurigen Höhepunkt der Lächerlichkeit finden.
Bleiben noch die Actionszenen, von denen ein mancher behauptet, sie seien schon immer das Herzstück der BLADE -Filme gewesen: Natürlich gibt es Action in BLADE TRINITY: jede Menge sogar, schnell geschnitten, so schnell sogar, dass man teilweise kaum erkennt, was mit den Vampiren passiert, die sich im Sekundentakt auflösen, auflösen und... ja auflösen. Was in Teil 1 ja noch ein toller Effekt war, wird bis zum Erbrechen wiederholt, mit dem einzigen Unterschied, dass die Kämpfe im Vergleich zu den Vorgängern wesentlich blutärmer wirken. Zudem gelingt es dem Regisseur nie, dass man sich in solchen Szenen wirklich um die Protagonisten sorgt. Das Ganze erinnert viel mehr an ein Videospiel, bei dem sich die drei Helden uninspiriert durch die Reihen der Feinde kämpfen, ohne jemals ernsthaft in Gefahr zu geraten. Wer so etwas spannend findet, dem kann man getrost auch die selbstlaufende Demo eines Egoshooters als Film vorsetzen.
Wenn tatsächlich ein vierter Teil oder ein SpinOff kommen sollten, sollte man es machen, wie Dracula, als er erstmals auf Blade trifft: Weglaufen und drohen, ein hilfloses Baby in die Straßenschluchten zu werfen. Was für ein mächtiger Vampirfürst...
Wie war das am Anfang? Die alten Vampirfilme sind Mist? Wenigstens diese Zeilen sollte man zum Schutz von David S. Goyer aus seinem filmischen Armutszeugnis entfernen, das die vielversprechende FIlmreihe zu Grabe getragen und die große Leinwand eigentlich gar nicht verdient hat - und von dem man auch Freunden des Genres nur dringlichst abraten kann.

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