Das sollte es ein grönender Abschluss der Marveltrilogie werden und wer stellt sich quer, Hauptdarsteller Wesley Snipes. Er sah Jessica Biel und Ryan Reynolds nicht als Schauspielkollegen, sondern als Konkurrenz. Sein Charakter Eric Blade würde den Film tragen, also solle auch er alleine die Heldenrolle übernehmen. Regisseur und Drehbuchautor David S. Goyer nahm zu Snipes Gunsten schon kleinere Änderungen vor, doch der Streit eskalierte und Snipes wendete sich mit einer Beschwerde sogar an die oberste Instanz in diesem Fall, nämlich New Line Cinema.
"Blade: Trinity" sorgte somit schon während des Drehs für negative Schlagzeilen, was sich auch sichtlich auf die Einspielergebnisse auswirkte. Kostenpunkt des dritten Teils circa 65 Millionen Dollar, was auch locker eingespielt wurde, doch die hohen Erwartungen der Produzenten wurden trotzdem bei weitem nicht erfüllt. Wesley Snipes hatte seinen eigenen Untergang beschworen, verständlicherweise wollte Niemand mehr mit ihm drehen. Er erhielt schon mit Abstand die höchste Gage und Goyer hätte schon dafür gesorgt, dass sein Held in Punkto Screentime nicht zu kurz kam. Snipes Stänkereien führten zu Stress am Set, Gott sei dank merkt man den Darstellern nichts an.
Mit Abigail Whistler (Jessica Biel) und Hannibal King (Ryan Reynolds) wirft Goyer zwei weitere, sehr sympatische Charaktere, ins Geschehen. Trotzdem steht Blade immer noch im Mittelpunkt, etwas schmerzlich für den Fan ist der Tod von Abraham Whistler (Kris Kristofferson). Vampirkiller Blade gerät in die Hände der Behörden und muss sich obendrein noch mit Dracula (Dominic Purcell) höchstpersönlich duellieren. Er war der erste Vampir und hat wie Blade keine Schwächen, also lasset das Duell beginnen.
Die Story ist flach wie eine Flunder. Dracula liegt in der syrischen Wüste mitten im Irak in einem Grab und wird dort von einer Horde machtgeiler Vampire (Parker Posey, Paul Levesque u.a.) zum Leben erweckt. Immerhin hat Goyers Abschluss den nötigen Drive um lückenlos zu unterhalten, die Action wurde dabei ein wenig zurückgeschraubt. Der Auftakt ist richtig krachig, während danach nur kleinere Intermezzos folgen, bis es im Showdown wieder richtig ans Eingemachte geht, inklusive langem Endkampf gegen Dracula, hier Drake genannt. Dabei zieht man mit den unterschiedlichsten und auch sehr kreativen Waffen in den Kampf. Die Fights bieten erneut spektakuläre Choreographien, aber mit Brutalitäten wird gegeizt, "Blade: Trinity" ist mit Abstand der schächste Teil in Punkto Action. Langweilig wird es trotzdem nie und Goyer schafft es sogar ein wenig Grusel einzubauen.
Trotz seines Frustes erledigt Wesley Snipes seine Paraderolle mit der gewohnten Coolness. Aber auch der schicken Jessica Biel und dem humorvollen Ryan Reynolds kann man keine Vorwürfe machen. Nur ein paar von Reynolds Sprüchen sind wirklich auf Kindergartenniveau. Aber ingesamt funktioniert auch hier die humorvolle Note sehr gut. Kris Kristofferson hat hier leider nicht viel Screentime, dafür ist Dominic Purcell als Dracula recht ordentlich und schön auch James Remar, natürlich als Unsympath, wieder zu sehen.
Die Kulisse ist gewohnt düster, gedreht wurde diesmal nicht im Ostblock. Dank des soliden Budgets konnte man in die vereinigten Staaten zurückkehren. Der Score ist auch gut. gelungen.
Nicht ganz das, was ein Fan der Reihe erwartet, trotzdem kommt man um "Blade: Trinity" nicht herum. Snipes vermöbelt mit der üblichen Coolness die Blutsauger und muss sich sogar mit dem Urvater der Vampire messen. Die düstere Optik nebst fetzigem Score ist gelungen, doch die Story ist ganz schön einfallslos. Es kursierten schon Gerüchte um einen vierten Teil, doch bisher ist nichts geschehen, vielleicht darf Snipes da dann Vampire im Knast verprügeln.