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Die Sichtung von Inhaltsangabe und Vorschau mag viele Anhänger der ersten Hellraiser-Teile, die wohl unbestreitbar zu den Höhepunkten des Horrorgenres zählen, abschrecken. Und in der Tat, die "Teen"-Horrorwelle greift mit nichts verschonender Frevelhaftigkeit um sich. Wie schon beim letzten Teil handelt es sich bei "Hellworld" um eine wohl ursprünglich als selbständig konzipierte Geschichte, die kommerzträchtigerweise mit den bekannten Hellraiser-Motiven versehen wurde. Hier war man leider so unverfroren, nach "Scream"-Manier in parodistischer Selbstreferentialität das Motiv eines Hellraiser-Kultes zu konstruieren, der - wie im Internet-Zeitalter obligatorisch - im WWW in Form eines Spiels abgehalten wird. Ein Opfer hat das bunte Treiben schon gefordert, wie und warum, erfährt man vorerst nicht, aber sei's drum. Jedenfalls werden die Überlebenden von Lance Henriksen höchstpersönlich zu einer Fete eingeladen, wo der ganze Zauber in Ausverkaufs-Manier zelebriert wird. Hier ereignen sich sehr merkwürdige Dinge, von Halluzinationen bis zu Morden.
Das klingt nun alles andere als vielversprechend, sondern hört sich nach einem Ärgernis für eingefleischte Kenner und Wertschätzer der alten Klassiker an. Aber gar so schlecht präsentiert sich der Streifen dann doch nicht. Rick Bota präsentiert öfters durchaus atmosphärische Bilder, soweit das in diesem Kontext möglich ist. Warum er dann nicht gleich einen Film für ein erwachsenes Publikum - ohne den ganzen Halbstarken-Klamauk - dreht, wird nicht ganz klar. Denn das dumpf-ironische Getue der Jungspünde, die natürlich nur debil ihren Trieben frönen und dabei in alle möglichen Fallen laufen, kennt man derart zur Genüge, daß der Film dadurch nur verlieren kann. Besonders unangenehm fällt der Darsteller Khary Payton auf, der als grimassenschneidender Clown dem Film ein großes Stück möglicher Atmosphäre raubt. Ganz im Gegensatz dazu Katheryn Winnick, die zwar eine ebenso von Klischees verklebte Rolle verkörpert, jedoch eine echte Augenweide ist und in einer leider völlig unpassenden Kampfkunst-Szene, die laut Bota eigens spontan eingefügt wurde, beeindruckend ihre Gelenkigkeit demonstrieren darf. Diese junge Dame erlebt man hoffentlich noch mal in einem angemesseneren filmischen Kontext. Die anderen Darsteller gehen so, man kennt ja diese Art von Filmen und Rollen. Nicht besonders einprägsam.
Die Frage bei diesem Werk ist, warum bei solch guten Voraussetzungen, sprich Winnick, Henriksen und Effektkünster Tunnicliffe, der gute Arbeit geleistet hat, ein so abgedroschenes Gesamtkonzept verwendet wurde. An doofen, kreischenden Backfischen hat man sich einfach sattgesehen. Hieraus wäre viel mehr zu machen gewesen. Der gute alte Doug Bradley gibt wieder brav den Pinhead, und man weiß nicht, was man davon halten soll, daß er wirklich jedes Schindluder mitmacht, das mit seiner Paraderolle getrieben wird. Es schmerzt einfach, wenn die einst mysteriöse Figur des Schmerzensmannes auf das Klischee eines beilschwingenden Metzelmeisters reduziert wird. Aber das ist zum Glück nur in einer Szene der Fall, die ansonsten ansprechend umgesetzt ist. Die kaltmetallene, sadistische Optik der frühen Hellraiser beherrscht Bota immerhin, und die blutigen Effekte fallen für die schwer zu begreifende FSK-Freigabe ab 16 wirklich saftig aus, wenn sie auch nicht am laufenden Band auftreten.
Was leider nicht gelungen ist, ist das Ende des Films. Es erweckt den Eindruck, als könne man einfach nicht zum Schluß kommen, sondern müsse immer noch eine Szene draufsetzen. Insgesamt hätte man sich den Schluß etwas böser gewünscht, aber das ist Geschmackssache.

Insgesamt ein ganz ansehbarer Film, der in einigen Szenen wirklich stimmungsvollen Horror bietet und ab und zu auch mit nettem Splätter aufwartet. Aber mit etwas mehr Wagemut und weniger Klischees wäre viel mehr dringewesen!

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