[Vorsicht! Spoilerwarnung!]
„You know what would look good at you? Me.“ [„Weißt du, was dir guttun würde? Meiner!“]
Dieses Zitat ist leider nur eine Kostprobe der „anspruchsvollen“ Konversation, die in diesem Film geführt wird: Wer dachte, dass „Hellraiser - Hellseeker“ qualitativ nicht mehr unterboten werden könne, hat „Hellraiser - Hellword“ noch nicht gesehen. Der nunmehr achte Teil der Horrorsaga um Pinhead ist der dritte und letzte von Rick Bota inszenierte Hellraiser-Film, der hiermit den bis dahin tiefsten Tiefstpunkt der Reihe definierte. Bis heute frage ich mich, wie man Mr. Lance Henriksen hierfür gewinnen konnte. „Hellworld“ ist eine selbstreferenzielle, geschmacklose Satire infantilen Geistes, die den Mythos „Hellraiser“ auf einer Metaebene aufgreift und daraus eine nicht mehr ernstzunehmende Farce macht. Zugleich präsentiert er eine glanzvolle Reihe pubertärster, hormongesteuerter Unannehmlichkeiten rund um soziale Interaktion.
Die Handlung dreht sich um eine Gruppe junger Leute, die besessen von einem Online-Spiel namens „Hellworld“ sind. Deren Freund Adam war so versessen auf das Spiel, dass er aufgrund seiner Obsession Suizid beging. Die Clique wird von Schuldgefühlen geplagt, da sie Adams Tod nicht verhindern konnte. Später werden die Freunde zu einer exklusiven „Hellraiser-Party“ eingeladen, die in einem großen Anwesen stattfindet und von dem namenlosen Antagonisten ausgerichtet wird. Der begrüßt die Gruppe als Gastgeber. Nach und nach verschwinden immer mehr Mitglieder der Gruppe, bis nur noch die blonde Hauptdarstellerin und der blasse Hauptdarsteller, deren beider Namen ich schon längst vergessen habe, übrig sind. Hintergrund: Der Gastgeber ist der Vater des verstorbenen Adam und gibt der Gruppe die Schuld an seinem Tod - aus demselben Grund, der für deren Schuldgefühle sorgt: Sie haben ihn nicht davon abhalten können, „Hellworld“ zu spielen. Der Film macht uns allerdings glauben, Pinhead und die Cenobiten seien am Werk...
Gleichzeitig wird der Antagonist hier als größter Hellraiser-Fan überhaupt präsentiert, der sogar im Besitz des Original-Zauberwürfels und vieler anderer zugehöriger Reliquien und Devotionalien ist - inklusive einem Gemälde vom Spielzeugmacher Le Merchant. Ja klar, oder? Ihn als weltgrößten Anhänger der höllischen Mythologie trifft natürlich keinerlei Schuld am Tod seines Sohnes, aber seine besten Freunde müssen für ihre Untätigkeit dran glauben. Neben den Kills darf man dabei zusehen, wie sich Libido-fokussierte Hornochsen im Wettkampf um die allerschlechtesten Anmachsprüche messen. Dazu gibt es unsinnige sexuelle Andeutungen, die ab einem Alter von etwa 16 Jahren (also der Freigabe des Films) nicht mehr besonders belustigend sein dürften.
Die Hauptdarstellerin ist derart belanglos und wechselt mitunter ihre multiple Persönlichkeit: Ist sie in der einen Szene noch völlig verzweifelt angesichts des Horrors, der sich in dem Haus abspielt und von ihrer eigenen Ausweglosigkeit zermürbt, reißt sie in der nächsten Szene plötzlich blöde Witze und fühlt sich von der Handlung des Films gelangweilt. Da kann keinerlei Atmosphäre aufkommen. Der Clou des Films wird am Ende präsentiert: Adams Vater hat den Teenies heimlich Drogen in die Drinks gemischt, die ohnmächtig machen und starke Halluzinationen auslösen. In diesem Zustand hat er die Gruppe lebendig begraben und überließ sie ihrem Schicksal. Der Zuschauer hat also die ganze Zeit über nur deren wahnhafte Albträume verfolgt, die sich teilweise um die Cenobiten drehten. Die gezeigten Morde, die quasi nie stattfanden, wirken größtenteils einfallslos und etwas zu sehr von generischen Folterfilmen wie „Saw“ inspiriert.
Was kann ich Positives über diesen Film sagen? Er ist halbwegs unterhaltsam - in dem Sinne, dass man keine Langeweile beim Schauen empfindet, was wirklich nicht das größte Kompliment ist, das man einem Film machen kann. Aber die Dialoge sind derart trashig und klischeebehaftet, dass man in gewisser Weise das gebotene „Cringefest“ genießt, während man sich gleichzeitig vor sich selbst dafür schämt, mit welcher Banalität man sich die Zeit vertreibt. Der Plot-Twist war eigentlich eine ganz coole Idee - man wird im Glauben gelassen, man würde Pinhead bei der Arbeit bestaunen; in Wirklichkeit genießt der aber die ganze Zeit über seine Freizeit irgendwo im Leviathan-Labyrinth. Leider wird die tolle Idee durch das völlige Fehlen eines schlüssigen Motivs des Antagonisten völlig zunichte gemacht. Der Film nimmt ein frohes Ende wie ein Disney-Film: Die beiden Hauptdarsteller überleben und können aus ihren Gräbern befreit werden, der Killer wird am Ende von dem wirklich echten Pinhead zweigeteilt...
Hier kann ich leider nicht mehr als 3/10 Punkte vergeben. Die Charaktere besitzen keinerlei Tiefe und sind großteils völlig verachtenswert, im besten Falle irrelevant und nichtssagend. Viele Dialoge treiben einem die Schamesröte ins Gesicht, sodass man diesen Film keinesfalls beim ersten Date schauen sollte. Es tritt keinerlei Grusel in Erscheinung; der Film fühlt sich eher wie eine schlechte Teeniefilm-Slasherkomödie an - Hellraiser trifft American Pie. Die Handlung ist unsinnig, weil die Motive des Antagonisten völlig unnachvollziehbar sind und fehlkonstruiert wirken. Mal ganz abgesehen davon, dass die Idee eines Videospiels, das sich um den Mythos des Höllenlabyrinthes und des magischen Würfels dreht, völlig absurd und unglaubhaft ist und diesem damit auch den allerletzten Schrecken nimmt.