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Wenn man jemanden fragen würde, ob es noch Innovation im deutschen Fernsehen, speziell in Sachen Film, gibt, dann würden die Meisten sicherlich den Kopf schütteln. Und fürwahr, wirklich interessante neue Dinge gibt es heutzutage leider selten. Entweder setzt man auf sichere Quoten-Sieger alla "Tatort" oder "Der Bulle von Tölz" oder man erseuft in unerträglichen Teeniestreifen oder in erbärmlich wirkenden Kitschfilmchen. Doch nun hat das ZDF, einer jener Sender, der uns monatlich, für nur wenig Interessantes, viel Geld aus der Tasche zieht, die wohl innovativste und riskanteste Idee des Jahres gehabt. Und zwar einen Film, der LIVE aufgeführt wird. Und das Endergebnis ist wirklich gelungen, wenn auch nicht 100%!

Nüchtern betrachtet würde der Streifen, mit ziemlicher Sicherheit, durchfliegen, wenn es sich nicht um ein "LiveMovie" handeln würde. Die Story ist nämlich alles andere als einfallsreich. Geschichten um zerrüttete Familien, bei denen eines der Familienmitglieder plötzlich anfängt durchzudrehen, hat man schon X-Mal zu Gesicht bekommen. Sonderliche Höhepunkte gibt es kaum. Wirklich spannend wird es, Storymäßig, eigentlich nur recht selten. Anderseits ist es aber auch höllisch schwierig eine passende Geschichte zu finden, wenn alles in 90 Minuten abgedreht sein muss und es keinerlei neue Versuche gibt.

Doch da das Ganze nun einmal Live ist, sind es natürlich sowieso eher andere Details auf die man achtet und da ist der Streifen dann doch recht gelungen. Wer z. Bsp. auf einen größeren Patzer gehofft hat, der dürfte vergebens gewartet haben. Denn so etwas ist einfach nicht zu finden. Nahezu alles hat wirklich fabelhaft geklappt. Vor allem der Schnitt, die Kameraarbeit und die Leistungen der Darsteller funktionierten einwandfrei. Die 6 Wochen Probe vor der Ausstrahlung, haben sich wirklich bezahlt gemacht. Zwar gibt es schon mal ein paar kleinere Haspler, Z. Bsp. wird der Charakter von August Diehl, ganz am Anfang, mal mit August anstatt mit Lucas angesprochen und auch später gibt es mal kleinere Versprecher, doch der wirklich große Fehler ist ausgeblieben. Und sogar eine prächtige, eigene Interpretation, einer der Darstellerinen, durfte man bestaunen. Als nämlich die Tochter des "Amokläufers" gerade am Telefon mit der Telefonseelsorge (Lucas) spricht, und plötzlich ein, sicherlich nicht eingeplantes, Flugzeug über das Set fliegt, erfindet sie kurzer Hand den Satz "Wir wohnen hier direkt in der Einflugschneise des Flughafens" und rettet somit die Szene! Brillant und schnell mitgedacht, um für den Zuschauer das plötzliche Störgeräusch, direkt in die Geschichte mit einzubauen.

Und wer jetzt denkt, dass er hier sowieso nur irgendwelche vorgebauten Sets zu Gesicht bekommt, der irrt ebenfalls gewaltig. Denn zwischendurch, muss eine der Figuren nämlich von einem Ort zu einem anderen Ort fahren und kommt dadurch natürlich mit den nächtlichen Straßen von Berlin in Kontakt. Aber auch hier funktioniert alles. Keine Staus und nur wenig störende Passanten. Nur einmal grinst jemand aus dem Hintergrund in die Kamera. Aber was solls?

Einen Punkt gibt es allerdings, bei dem noch etwas geübt werden muss und zwar was die Ausleuchtung angeht. Leider ist der Streifen nämlich die komplette Laufzeit über sehr schlecht ausgeleuchtet, was dann doch einiges an Konzentration abverlangt. Vor allem in der Wohnung der Familie selbst, ist es ab und an verdammt dunkel geworden, so dass man nur wenig erkennt. Aber bis zum nächsten "LiveMovie" sollte das Problem behoben sein!

Zu den Schauspielern kann man, wie schon weiter oben erwähnt, auch nur Positives berichten, vor allem im Anbetracht des Live-Verfahrens. Allesamt spielen sie wirklich hervorragend für ihre Position. Mag sein, dass es mancher Dialogfrequenz etwas an Glaubwürdigkeit in punkto Ausdruck mangelt, aber das kann man in diesem Fall wirklich verzeihen. Denn welcher Schauspieler wäre bei so etwas nicht aufgeregt?

Fazit: Größtenteils gelungenes Filmexperiment, dem man die dünne Geschichte mal locker verzeihen kann. Bis auf die Ausleuchtung funktionierte hier alles wirklich prima und den ein oder anderen kleineren Versprecher kann man locker überhören, da es ansonsten keinerlei Patzer gibt.
So etwas Innovatives gibt es leider nur noch selten im Fernsehen zu betrachten und man kann nur hoffen, dass dies nicht das letzte Event dieser Art war!

Wertung: 7/10 Punkte

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