Review


Müsste ich die besten Filme aller Zeiten bestimmen, dann würde in den oberen Plätzen sicher ein Film rangieren: Das Dschungelbuch. Denn der Film zum Buch von Michael Ende beinhaltet derart viel Liebe zum Detail, dass der Film jedem, wirklich jedem Zeichentrick - oder Animationsfilm meilenweit überlegen ist. Es wird die Geschichte des kleinen Moglis erzählt, der als Baby mitten im asiatischen Dschungel freigesetzt wird. Inmitten von Wölfen, Schlangen, Panthern, Bären - ja sogar Tigern macht sich der Kleine schnell Freunde - doch leider auch Feinde, den bösen Tiger Shir Khan, der sich entschlossen hat, in diesen Gebieten wieder verstärkt auf die Jagd zu gehen. Im Rat der Wölfe beschließt man, dass man den Jungen dieser Gefahr nicht länger aussetzen kann, so wird der Panther Baghira beauftragt, Mogli zur Siedlung der Menschen zurückzubringen, wo er ja schließlich auch hingehört.Das Problem ist nur, dass Mogli aufgrund seiner Freunde den Dschungel gar nicht erst verlassen will. Die Zeichnungen sind allesamt extrem liebevoll verfasst. Der Dschungel sprüht nur so von Details, kein Klischee bleibt unbeachtet. Doch es ist nicht die Kulisse, sondern die grandiosen Charaktere, die den Film in ungeahnte qualitative Höhen befördern.Der Junge Mogli, der an seinen Tierfreunden hängt, Menschen gar nicht gewohnt ist.Die hinterhältige Schlange Kar, deren Horizont einzig und allein das nächste Fressen ist.Baghira, der Mogli zwar auch nicht verlieren will, allerdings sehr objektiv und moralisch denkt.Er ist vorausschauend, ahnt die drohende Gefahr. Und dann der unbesorgte Hippie-Bär Balu, der dem Film so unheimlich viel Charme verleiht. Wer kennt nicht „Probier's mal mit Gemütlichkeit“…? Natürlich erwarten den Zuschauer aber noch viele weitere liebevolle Charaktere. Und jeder Charakter, und das sage ich selten, ist absolut perfekt und makellos synchronisiert. Jeder Sprecher beherrscht seinen Job sehr gut, das Gesamtbild leistet absolut hervorragende Arbeit ab. Auch die Lieder können ausnahmslos überzeugen. Ob das kultige „Probier's mal mit Gemütlichkeit“ des Bären Balu, der fress-süchtige Klagegesang der Schlange, der Marsch der Elefantenherde oder das niedliche Liebeslied des kleinen Mädchens gegen Ende des Films - jeder Song passt und untermalt das Filmgeschehen perfekt. Man schaue sich mal die Zeit an, in der jener Film entstanden ist: Ende der 60er Jahre - die Hippie-Zeit. Das Gegenteil moralgeleiteter „Spießer“ gegen unvernünftigen „Hippie“ hat es auch in diesen Film geschafft. Verkörpert Balu den unkomplizierten, stets fröhlich-unbesorgten Hippie, der sich aus Moral und Regelwerk wenig macht, stellt Baghira den vernünftigen, sehr moralbedingten Erwachsenen dar, der stets die richtige Reaktion auf die aktuelle Problemstellung weiß. Die Rassismusvorwürfe an dem Film kann ich allerdings nicht nachvollziehen, ich halte sie auch für schwachsinnig. Wer in einem liebevollen Kinderfilm (der aber auch für Erwachsene geeignet ist) menschenfeindlich-diskriminierende Botschaften herausliest, sollte sich doch einmal den Kopf fassen und sich fragen, ob er nicht etwas zuviele Verschwörungstheorien gelesen hat.„Das Dschungelbuch“ ist ein unerreichtes Meisterwerk, dass jeglicher Konkurrenz erhaben ist.

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