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Koreanische Gangsterthriller sind meist ein leidliches Thema. Die Cops sind oft wahnsinnig cool und die Gangster werden entweder viel zu harmlos oder aber vollkommen dämlich gezeichnet. Dazu kommt der typische koreanische Ekelhumor und der westliche Zuschauer hat es schwer, dem Film eine gewisse Ernsthaftigkeit zuzuschreiben. Ganz anders bei "Some" ; dieser Mystery-Gangsterthriller ist für koreanische Verhältnisse schon unverschämt westlich gehalten und verzichtet auf jeglichen Ekelhumor oder grotesk überzeichnete Personen. Daneben vermittelt er ein fast klaustrophobisches Bild von Seoul, überall Kameras und Überwachungsmonitore. Es ist ja kein Geheimnis, dass der Koreaner ohne sein Handy nicht überlebensfähig ist, doch was "Some" dieser typisch koreanischen Eigenart für neue Dimensionen entlockt ist schon erstaunlich. Die Handyortung wird zum Fahndungsmittel, ein MP3-Player zum wichtigsten Beweismittel und die Informationsbeschaffung via Funkwellen gerät fast zur unverzichtbaren Waffe. Im Informationszeitalter ist halt die Information alles ; Südkorea ist natürlich schon längst dort angekommen und "Some" zeigt eindrücklich wie weit der Wahn schon geht.

Eine chronologische Inhaltsangabe der Handlung zu liefern ist, da der Film in der Mitte beginnt, praktisch unmöglich. Der Zuschauer bekommt die vorangegangenen Ereignisse erst später nach und nach aufgetischt und kann seine Wissenslücken somit im Verlauf schliessen.
Was sich schnell erschliesst ist die Tatsache, dass hier eine völlig unbedarfte Person in eine ihr vollkommen unbekannte Handlung hereingezogen wird. Dann jedoch scheint ihr diese Handlung widerum nicht vollkommen unbekannt zu sein ; die Person hat Visionen bzw. Déjà-vus und scheint diesen Tag schon zu kennen bzw. vorauszuahnen. Bei dieser Person handelt es sich um die Verkehrsreporterin Seo Yu-jin ( gespielt von Song Ji-hyo ) ; gerade erst in eine neue Wohnung eingezogen und durch die Bekanntschaft von Min Jae-il ( gespielt von Lee Dong-kyu ) ihrem Schicksal ausgeliefert. Sie nimmt nämlich durch einen Kurier überbracht, einen MP3-Player von Jae-il an sich. Dieser MP3-Player wird das wichtigste Beweismittel in einem Drogendeal werden und Yu-jin wird zur Gejagten werden.
Doch sie wird sich ihrem Schicksal nicht alleine stellen müssen ; an ihrer Seite wird der Cop Kang Seong-ju ( gespielt von Soo Go ) auftauchen und beide werden sich vertraut vorkommen. Die Visionen von Yu-jin werden sowohl hilfreich als auch warnend für ihn sein, doch letztendlich aufgeklärt werden sie nie.
Es bleibt zunächst vollkommen unklar wer mit wem Geschäfte gemacht hat und erst später erfährt der Zuschauer die Details. Es geht um einen Drogendeal zwischen einem Syndikat aus Busan und einer Gruppe junger Kleinganoven zu denen auch Jae-il gehört. Dieser Deal wurde von der Polizei wohl infiltriert und ist aufgeflogen, der schon sichergestellte Stoff jedoch geht dem leitenden Chief Oh ( gespielt von Kang Shin-il ) wieder verloren ; er wird von drei unbekannten und maskierten Motorradfahrern überfallen. Jetzt wird Chief Oh selber verdächtigt und alle sind auf der Suche nach dem Stoff.
Seong-ju glaubt an die Unschuld von Chief Oh und vermutet in den eigenen Reihen einen Spitzel, das Syndikat aus Busan verdächtigt die jugendlichen Kleinganoven und diese wissen weder ein noch aus.
Auch der rätselhafte und nicht ausfindig zu machende Kwon Jong-min scheint in die Sache verwickelt. Dieses Wortspiel aus den drei Namen der Kleinganoven Kwon Cheol-woo ( gespielt von Park Cheol-Ho ), Chan Jong ( gespielt von Min Kwon ) und besagtem Min Jae-il kann allerdings schnell aufgeklärt werden, so dass dieser Mann real nicht existent scheint. Doch wo sitzt das Leck bei der Polizei und ist es überhaupt die einzige undichte Stelle in diesem Konstrukt aus Verbrechen und Betrug?

Ich gebe offen zu nach dem ersten Anschauen ziemlich frustriert gewesen zu sein. Man wird als Zuschauer ohne Vorwarnung mitten in die Handlung geworfen und erst später kann man sich Stück für Stück das Gesamtbild zusammensetzen. Dies frustriert ebenso wie auch die Tatsache, dass die Visionen von Yu-jin keinerlei Sinn bzw. Erklärung erfahren. Sie hat einfach Visionen und punkt, man muss es als Kampf gegen das eigene Schicksal einfach akzeptieren und das ist mit Sicherheit der experimentelle Ansatz des Films. Die Macht des Schicksals und was man dagegen ausrichten kann bzw. möchte. Dieser leicht übersinnliche Aspekt wird äusserst reizvoll gegen die geballte technische Überwachung unserer Zeit gesetzt. Kameras wohin man schaut, Handyortung wo man sich auch bewegt, digitale Fotografie als Tagebuch und ein MP3-Player als Beweismittel. Diese quasi unbestechliche Technik wird durch den übersinnlichen Aspekt dennoch überlistet und der Mensch versucht sich zwischen den Funkwellen und Bits und Bytes zu verstecken.
Die Rahmenhandlung selber erscheint nach dem zweiten Sehen dann plausibler ; vieles versteht man sofort und die Zusammenhänge werden schneller deutlich. Der eigentliche Film erscheint jetzt künstlich verkompliziert und eigentlich ja ganz leicht zu entwirren. Ich will nichts vorwegnehmen, doch ich empfehle jedem unbedingt "Some" zweimal anzusehen.
Man wird andere Sachen am Film entdecken. Die gute und ausgefallene Kameraarbeit wird auffallen, die vielen experimentellen Einstellungen werden besser deutlich, weil man nicht mehr so angestrengt den Sinn des eigentlichen Films suchen muss.
Auch die vorzügliche Arbeit beider Hauptdarsteller wird auffallen. Der Film fesselt trotz der schweren Zugänglichkeit schon beim ersten Ansehen und er bleibt auch beim zweiten Durchgang fesselnd.
"Some" ist mit Sicherheit keine leichte Kost und man mag diesen Lauf in die mysteriöse Leere bzgl. der Visionen von Yu-jin auch verurteilen, doch es ist mit Sicherheit überdurchschnittlich gutes wenn auch experimentelles Kino. Wenn Chang Yoon-Hyun jetzt noch neben der perfekten technischen Umsetzung seiner Ideen ein perfektes Drehbuch in die Finger bekommt, dann wird dieser kommende Film mit Sicherheit den Angriff auf die 10 Punkte machen. So bleiben zwar starke 8 Punkte, doch die sind mir noch zu sehr vom persönlichen Geschmack abhängig. Die Gratwanderung zwischen Akzeptanz und Ablehnung ist mir bei "Some" noch zu heikel ; den Film mag man halt oder man hasst ihn. Dieses Problem hatte Chang Yoon-Hyun aber auch schon bei "Tell me something" ; vielleicht kommt beim nächsten Versuch der richtig grosse Wurf.

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