Die Unfähigkeit, gehen zu lassen, und der Wert der Erinnerungen sind Nuancen im Themenkomplex von VITAL, dem neuen Werk von Shinya Tsukamoto - ein Film, der sich leider als präzedenzlose Enttäuschung in sein Schaffen reiht. "Bullet Ballet" war also noch nicht der Tiefpunkt.
Ausgedünnte und eher sehr unangenehme Referenzen – spastische Tanzeinlagen und ein paar schlotende Industrieschornsteine sowie der menschliche Körper als zentrales Element – bieten Bezugspunkte zu seinem meisterlichen Frühwerk, aus dessen Schatten VITAL in keinem Moment heraustreten kann. Die Hauptrolle – ein nach schwerem Autounfall unter Amnesie leidender Medizinstudent, dem es gelingt über die Sezierung des Körpers seiner toten Freundin einen Teil seiner Erinnerungen zurückzugewinnen – ist mit dem für gewöhnlich ja sehr gern gesehenen Tadanobu Asano eklatant fehlbesetzt. Die Rückblenden offenbaren einen Exkurs über Schmerz und Gewalt als wesentliche Daseinsimpulse, dem Shinya Tsukamoto mit seiner regelrecht langweilenden Inszenierung nicht gerecht werden kann. Sein mit Abstand schwächster Film, befinde ich, was nicht ausschließt, dass er in dem einen oder anderen Feuilleton wie eine Offenbarung aufgenommen werden wird.