ACHTUNG ! SPOILER !
Another Leo Fong Movie!
24 HOURS TO MIDNIGHT ist ein typischer Leo Fong Revenge-Kracher, in dem uns der Regisseur in bester Ed Wood Tradition eine prominente Hauptdarstellerin präsentiert, die in 90 % der Szenen gar nicht sie selbst ist. Aber der Reihe nach...
Der ehemalige Gangster Harry Grady (Juan Chapa) soll vor Gericht als Kronzeuge gegen „White Powder“ Chan (Stack Pierce), dem Anführer eines Drogen- und Schutzgeldkartells aussagen. Um das zu verhindern, lässt Chan den Mann auf offener Straße niederschießen. Gradys Frau Devon (Cynthia Rothrock) soll ebenfalls getötet werden, doch es gelingt der ausgebildeten Martial Arts Kämpferin ihre Gegner auszuschalten und unterzutauchen. Aus den Unterlagen ihres Mannes erfährt Devon, wer für das Verbrechen verantwortlich ist und schwört den Gangstern Rache. Sie hüllt sich von Kopf bis Fuß in ein Ninja-Outfit, wobei nur ihre Augen frei bleiben und macht sich daran, die Handlanger Chan's einen nach dem Anderen ins Jenseits zu befördern: „Harry, I'll get everyone of those bastards […] the whole rotten bunch.“
Sie legt sich ein ansehnliches Waffenarsenal zu und macht sich an die „Arbeit“. Schon bald stapeln sich die Leichen, und für jedes Opfer hat Devon eine andere Meuchel-Methode parat. Ein Gangster (Tom Wells) wird mit einer Drahtschlinge erdrosselt, ein anderer (Mike Hamilton) endet mit einem Ninja-Stern im Schädel, einen weiteren Ganoven (Kenneth Walshman) tötet Devon mit Pfeil und Bogen. Chan fordert von seine Schergen immer wieder, Devon endlich auszuschalten, doch vergeblich. Nach weiteren Morden u.a. mit Dynamit und mit einem Säbel, geht es schließlich Chan und dem Oberboss Mr. Big (Leo Fong) an den Kragen. Während eines konspirativen Treffens der Gangster sprengt Devon die Bruchbude in der das Treffen stattfindet kurzerhand in die Luft.
Die Polizei hat inzwischen Starsky & Hut..., ach nee, Jackson & McQueen (Bernie Pock & Myra), zur Klärung der Morde aufgeboten, doch die Beiden, die sich zusätzlich noch mit diversen Streetgangs herumschlagen müssen, können immer nur die Leichen aus dem Weg räumen, die Devon hinterlässt: „Holy Moses, looks like World War II.“ Für ihr Unvermögen müssen sie sich mehrfach von ihrem Vorgesetzten zusammenfalten lassen, und am Ende stehen sie ratlos und mit leeren Händen da. Devon taucht inzwischen in Mexiko unter...
Leo Fong führte 1987 Regie bei dem Film „Eye of the Dragon“, in dem Cynthia Rothrock ihre erste Rolle in einem amerikanischen Film spielte. Nachdem Fong für sein nächstes Projekt 24 HOURS TO MIDNIGHT bereits ca. 5 Minuten Material mit Rothrock im Kasten hatte, darunter auch ein paar Kampfszenen, verabschiedete sich die Darstellerin aus der Produktion. Was tun, war nun die Frage. Dank einer „originellen“ Idee wurde das Projekt nach geraumer Zeit ohne Rothrock fortgeführt. Es wurde einfach eine Darstellerin namens De'Ann Power in einen Ninja-Anzug gesteckt, wobei nur noch die Augen frei blieben. Bis zur Unkenntlichkeit vermummt ist sie nun in den restlichen Szenen des Films als Double für Cynthia Rothrock zu sehen. Die wenigen mit Rothrock selbst gedrehten Szenen wurden im Verlauf des Films in Form von Rückblenden immer mal wieder völlig Sinnfrei in die laufende Handlung montiert. Ihren großen Auftritt hat Rothrock dann, als sie, hinter dem Steuer ihres Wagens sitzend, im Radio vom Tode ihres Mannes erfährt. Die Darbietung ihrer Gefühlswallungen (sie heult, sie schreit, sie schlägt auf das Lenkrad, sie grimassiert) ist eine schauspielerische „Glanzleistung“ die man einfach gesehen haben muss! Nicht nur diese Szene wird dem begeisterten Zuschauer gleich mehrfach präsentiert.
Ansonsten bietet der low budget Film das, was man von einem Leo Fong Werk erwarten kann: In der kleingeistigen Rachegeschichte prügeln sich zahllose amateurhafte Darsteller / Stuntmen durch unbeholfen choreographierte Kampfszenen, die keinerlei Dynamik oder Spannung entfalten. Die Kämpfer bewegen sich in aller Regel ausgesprochen hölzern und fallen zumeist schon bei den leichtesten Hieben theatralisch zu Boden. Stack Pierce als grimmiger Gangsterboss umgibt sich mit einer unglaublich tumben und lächerlichen Bande von Komplizen, die ständig mit aufgeblasenem und infantilem Getue auftreten, aber eigentlich nichts auf der Pfanne haben. In regelmäßigen Abständen gibt es langweilige Prügelszenen oder es kommt zu wilden Feuergefechten mit dicken Knarren, die ohne Sinn und Verstand und ohne rechte Bindung an den Inhalt des Films inszeniert wurden.
Dazu stolpern zwei Polizeibeamte mit verunglückten Frisuren planlos durch die Handlung, ohne irgendetwas sinnvolles zur Story beizutragen. Zum Schluss haben die Beiden ihren großen Auftritt, als es noch einmal zu einem hemmungslosen Gefecht zwischen der Polizei und den Gangstern kommt, bei dem man nicht so recht ausmachen kann, wer hier eigentlich die Guten und wer die Bösen sind. Die vermeintlichen Schurken werden jedenfalls rücksichtslos zusammengeschossen, und die Welt ist wieder in Ordnung.
Der Film kann im Übrigen sein geringes Budget in keiner Szenen verleugnen. Besonders die in schäbigen Dekors inszenierten Innenaufnahmen sprechen eine deutliche Sprache. Da kein Geld für Studioaufnahmen vorhanden war, drehte man in bescheidenen Privaträumen, muffigen Büros und irgendwelchen Schuppen oder Garagen.
Leo Fong selbst ist in einer kleinen Rolle als „Mr. Big“ zu erleben. Sein mimisches Vermögen ist dabei ebenso limitiert wie seine inszenatorischen Fähigkeiten. In einer „leidenschaftlichen“ Liebesszene wälzen sich z.B. ein Mann und eine Frau bei einer seltsamen Form von Petting komplett bekleidet auf einem Sofa und auf dem Fußboden hin und her, machen dabei seltsame Verrenkungen und glotzen unbeteiligt in die Gegend, ohne sich auch nur einmal zu küssen oder gar unschicklich zu berühren! Eine total seltsame Szene. Cynthia Rothrock taucht dann am Schluss noch einmal in ein paar Szenen auf und als Zuschauer erinnert man sich wieder daran, dass sie ja eigentlich die Hauptdarstellerin des Films sein soll...
24 HOURS TO MIDNIGHT ist ein amateurhafter Leo Fong Film, spektakelfreudig aber formal unambitioniert, töricht und unbedarft, doch in seiner Art unverwechselbar.
Man muss Leo Fong einfach mögen, für seinen unerschöpflichen Enthusiasmus, seine unermüdlichen und sympathischen Versuche, gegen alle Widerstände einen unterhaltsamen Film auf Zelluloid zu bannen.
„Noch ein Martial-Arts-Spektakel von Stümpern geschrieben, inszeniert und gespielt.“ schrieb W. Jahnke im Film-Dienst anlässlich der deutschen Video-Premiere im Mai 1994. Inzwischen ist der Film in Deutschland auch auf DVD veröffentlicht worden, wobei Cynthia Rothrock auf dem Cover prominent herausgestellt wurde.
Aus der Werbung:
Eine Frau allein gegen die Mafia... Ihre Rache ist gnadenlos! (DVD)