Review

"Tenebre" war nicht nur mein erster Argento, er hat auch meine Sicht auf das, was man potentiell aus dem Thriller/Horrorgenre herausholen kann grundliegend geändert. Ein kalter Alptraum in einer strahlend hell ausgeleuchteten, semi-futuristisch stilisierten Welt, der seinem Titel ( "Tenebre" = "Dunkelheit") mehr als gerecht wird, denn hier tun sich menschliche Abgründe auf von denen (außer vielleicht David Fincher) kaum ein Hollywood Regisseur zu erzählen wagen würde.
Manchen ist der Film zu verwirrend. Mir gefällt ja gerade, dass Argento einem die Chance gibt viele Reize und Symbole des Films erst bei wiederholtem Genuss entdecken zu können. Die Radikalität, mit der Argento hier seine Vision realisiert hat, macht auch nicht vor der Hauptfigur halt Einen ähnlichen Storykniff sollte der Regisseur noch einmal in "Das Stendahl Syndrom" versuchen, wobei er dort aber an seinem hohen Ziel eher gescheitert ist. Tenebre ist in seinen besten Szenen das was guter Horror öfter sein sollte: ein visualisierter schrecklich-schöner Traum, der auf der Liste der beschlagnahmten Filme in D ebenso wenig etwas zu suchen hat wie Romeros "Zombie" oder Bavas "Bay of Blood". Aber Zensoren interessiert es herzlich wenig ob sie nun Filmkunst oder Exploitation vor sich haben, zumal sie den "gemeinen Videogucker" in ihrer Arroganz ohnehin nie für fähig erklären würden diesen feinen Unterschied selbst zu erkennen. Wie "gut" also, dass sie so fleißig auf uns aufpassen....

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