Kann man Karriere machen und trotzdem menschlich bleiben? Mit dieser aktuellen Fragestellung befasst sich der Film „In good Company“, welchen Regisseur Paul Weitz („About a Boy“) in Form einer Kombination aus Generationskomödie, Drama und gesellschaftskritischer Satire inszenierte…
Dan Foremans (Dennis Quaid - „Any given Sunday“) Leben erscheint mit 51 Jahren wie aus dem Bilderbuch: Glücklich mit seiner erneut schwangeren Frau Ann (Marg Helgenberger - TV´s „CSI“) verheiratet, zwei Töchter im Teen-Alter, von denen eine gerade auszieht, um an einer angesehenen New Yorker Uni zu studieren, sowie ein guter Job als Anzeigenleiter eines Sportmagazins lassen Zufriedenheit aufkommen – doch dann wird die Firma von einem Großkonzern aufgekauft, dessen exzentrischer Besitzer (Malcolm McDowell - „Gangster No.1“) entscheidende Veränderungen anstrebt. Zwar wird Dan nicht entlassen, verliert aber seinen Job an den nur 26-jährigen Carter (Topher Grace - „Traffic“) und soll jenem fortan als „zweiter Mann“ untergeordnet zur Hand gehen.
Natürlich ist er von einem unerfahrenen Vorgesetzten, der seinen Posten übernommen hat und zudem nur halb so alt ist wie er, wenig begeistert – zusätzlich entwickelt sich aber auch noch eine heimliche Liebesbeziehung zwischen Carter und Dans Tochter Alex (Scarlett Johansson - „Lost in Translation“), von der er ausgerechnet an seinem 52. Geburtstag erfährt…
Die Grundthematik ist wie aus dem Leben der heutigen Zeit gegriffen: Überall auf der Welt werden Firmen geschluckt, Mitarbeiter entlassen und Kompromisse zähneknirschend zur Tagesordnung gezählt. Gehört man mit 50 bereits zum „alten Eisen“? Ist das theoretische Wissen der Universitäten tatsächlich höher anzusiedeln als praktische Berufserfahrung?
Regisseur Weitz nimmt sich der Thematik auf charmante Weise an, indem er die ernsten Aspekte unaufdringlich in das Gewand einer Generationskomödie hüllt und ihnen somit ihre Schwere nimmt, ohne sie jedoch zu vernachlässigen oder gar zu beschönigen. Auf diese Weise entstand ein durchweg sympathischer, menschlicher Film, der aber auch feinsinnigen Tiefgang in Form einer treffenden Satire auf die Welt der „New Economy“ bietet.
Wie geht man damit um, wenn sich die einem vertraute (Berufs-) Welt auf einmal rapide verändert und man gar im Job degradiert wird? Dennis Quaid („D.O.A.“) vermittelt diese Emotionen, wie auch väterliche Eifersucht oder verletzte Eitelkeit, mit Bravour und zu jeder Sekunde absolut überzeugend. Es macht einfach Spaß, ihm beim Spielen zuzusehen, und hier beweist er einmal mehr, was für ein begnadeter Schauspieler er doch ist. Ihm gegenüber steht der noch relativ unbekannte Topher Grace (TV´s „That`70s Show“), der jedoch mit seinem älteren Kollegen durchaus mithalten kann: Trotz anfänglicher Zweifel hat er mich mit seiner Darstellung des von seiner Frau verlassenen, Karriere-orientierten Geschäftsmanns, der beim gemeinsamen Essen mit der Foreman-Familie erkennt, was ihm eigentlich fehlt, positiv überrascht, denn es gelingt ihm, seinen eher zynischen (aber unsicheren) Charakter mit jugendlichen Charme derart ambivalent darzustellen, dass ein stimmiger Kontrast zu Quaids Figur entsteht.
Als Tochter / Freundin Alex ist Scarlett Johansson zu sehen, die dem Film weitere Punkte auf dem menschlichen Sektor beschert. Momentan ohnehin eine der angesagtesten Vertreter ihrer Generation in Hollywood, beschert sie erneut einen Beweis ihres Könnens, der Interesse an ihren kommenden Projekten anderer Genres (“Love Song for Bobby Long“/“the Island“) weckt. Die durchweg gute Besetzung wird schließlich von den bekannten Gesichtern Malcolm McDowell, Marg Helgenberger, Selma Blair („Cruel Intentions“) und David Paymer („Chill Factor“) vervollständigt.
Natürlich bietet der Film auch einige Klischees, Stereotypen sowie bekannte Handlungsverlaufs-Elemente, findet dabei aber zu einer eigenen Linie und hält gekonnt die Balance zwischen Komödie und Drama – einschließlich des „nicht so ganz“-Happyends.
Fazit: „In good Company“ ist eine charmante Mischung aus Generationskomödie und Businesssatire mit alltagsnahen, sympathischen Charakteren, die von glänzend aufgelegten Schauspielern verkörpert werden … knappe 8 von 10.