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Irgendwo zwischen Drama und Thriller angelegter Film von Altmeister John Schlesinger zum Thema Schuld und Sühne.
Karen McCann (Sally Field) führt ein beschauliches Leben: Nach ihrer Scheidung hat sie wieder geheiratet und lebt mit ihrem neuen Ehemann Mack (Ed Harris) sowie ihren beiden Töchtern Julie (Olivia Burnette) und Megan (Alexandra Kyle) in einem schmucken Haus in der Vorstadt und muss sich um nicht viel Sorgen machen – zum Beispiel ob eine Eisstatue für den Kindergeburtstag der Jüngsten OK oder übertrieben ist. Somit zeichnet Schlesinger ein durchaus glaubwürdiges Bild der sorglosen Wohlstandsgesellschaft, um zu zeigen, dass diese von etwaigen Gewaltverbrechen noch mehr geschockt werden.
So ruft Karen Julie auf dem Rückweg von der Arbeit an, um zu hören wie die Geburtstagsvorbereitungen für die jüngere Schwester vorangehen. In dem Moment wird Julie von einem Einbrecher vergewaltigt und ermordet – was Karen alles am Telefon mit anhören muss. Dabei deutet Schlesinger das Schlimme nur an, zeigt keine expliziten Bilder und schockt den Zuschauer trotzdem.

Von da an muss die Kleinfamilie lernen mit dem Verlust umzugehen – vor allem als der Täter, der Supermarktlieferant Robert Doob (Kiefer Sutherland), zwar gestellt wird, aber aufgrund eines Verfahrensfehlers freigesprochen wird…
„Eye for an Eye“ versucht möglichst realistisch zu beleuchten, wie es den Angehörigen der Opfer von Gewaltverbrechen geht und zeigt die Auswirkungen in unterschiedlichster Weise. Während Mack den Verlust mit großer Trauer erträgt, lässt sich Karen total gehen: Sie geht ab und zu nicht zur Arbeit, vernachlässigt ihre Familie und schaut sich nahezu manisch immer wieder das Video von der Verhaftung Doobs an. Dabei bleibt der Film ziemlich lebensnah und glaubwürdig und überzeugt trotz der ruhigen Art.
Leider verfällt „Eye for an Eye“ andrerseits an anderen Punkten in Stereotypen – teilweise in nicht unerheblichem Maße. So ist gerade der Fiesling ein derartiger Schmierlappen, dass es total übertrieben wirkt: Versifft wie sonst was, total unfreundlich, quält kleine Hunde und hat schon das nächste Verbrechen im Sinn. Da zeichnet sich schon ab, dass er aufgrund seines notorischen Verbrechertums am Ende wohl doch in Gefahr gerät, zumal Karen ihn beschattet.

So wendet sich „Eye for an Eye“ in der zweiten Hälfte dem Thriller zu und ist leidlich spannend. Vor allem das Aufgreifen einiger interessanter Ansätze (z.B. dass sich Opfer von Gewaltverbrechen organisieren, um Selbstjustiz zu üben) heben das Zuschauerinteresse, aber insgesamt ist Hälfte zwei leider zu langsam und konventionell erzählt, um noch wirklich etwas reißen zu können. So ist auch der Showdown durchaus ordentlich gemacht, aber nichts Herausragendes.
Dafür hat Schlesinger hier eine echte Topbesetzung versammelt. Sally Field als Mutter in Not sowie Ed Harris als ihr Ehemann erbringen gute Leistungen, während Kiefer Sutherland mit den Klischees seiner Rolle arg zu kämpfen hat. In Nebenrollen überzeugen noch Philip Baker Hall, Keith David und Joe Mantegna, während Beverly D’Angelos paar Auftritte kaum hängen bleiben. Kurz als Selbstverteidigungslehrerin dabei: B-Actionstar Cynthia Rothrock.

Doch trotz der prominenten Besetzung ist „Eye for an Eye“ nur passabel. Zwar nimmt sich der Film teilweise sehr realistisch des Themas Opfer von Gewaltverbrechen an, wird in der zweiten Hälfte jedoch zu einem ziemlich konventionellen und wenig aufregenden Thriller.

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