Review
von Leimbacher-Mario
Karies Knacksus
„Marathon Man“ ist irgendwo zwischen „French Connection“, „Three Days of Condor“, „The Dentist“ und „Boys From Brazil“ zu verankern und gilt nicht ohne Grund als einer der Krimigrundpfeiler seines Jahrzehnts. Zu einem jungen Dustin Hoffman „on top of his Game“ kann man nicht nein sagen. Dazu einige weitere Haudegen wie Scheider und sogar Laurence Olivier in einer fiesen Rolle, die man gerne genießt. New York qualmt, Nazischergen mit Diamanten und Zahnbohrern. Ein Komplott, vor dem man kaum weglaufen kann. Es geht um einen unbedarften Geschichtsstudenten in der Stadt, die niemals schläft, der in eine tödliche Verschwörung rund um einen alten, untergetauchten NS-Doktor gezogen wird, als sein älterer Bruder aus Paris zu Besuch kommt…
Oft auf die „Zahnfolterszene“ heruntergebrochen und etwas zu klein verkauft, bietet „Marathon Man“ noch immer ein perfektes Beispiel für zeitloses und verdammt effektives Spannungskino. Hoffmans „Babe“ funktioniert als Identifikationsfigur reichlich, Olivier als Altnazi jagt einem Gänsehaut über den Rücken, der Bohrer auf den Zähnen eh. Das ist frühes, körperliches sowie psychologisches (!) Terrorkino in Form eines hochwertigen Prestigeprojekts, eine erfolgreiche Melange aus Pulp und Paranoia, aus Traumata und Durchhaltevermögen, aus Geistern des Holocausts und vorweggenommenen, gut bekleideten Verbrechern des 21. Jahrhunderts. Von leicht surrealen Verfolgungen und Sequenzen über den clever-verzweigten Aufbau bis zum fast industriell angehauchten, quietschenden Score baut sich hier ein brutaler Suspensesog auf, der über Leichen geht und eigentlich in jede gut sortierte Filmsammlung gehört.
Fazit: spannender, chicer, rauer und durchdringend schmerzhafter Thriller, der das erwachsene Qualitätskino der 70er top vertritt und einen vor'm nächsten Zahnarzt Besuch bang werden lässt.