Der König der Löwen ist das letzte Mal für sehr lange Zeit, dass Disney ein unumstrittenes Meisterwerk abliefert, und das sogar mit einer recht kurzen Laufzeit. Im Gegensatz zu den anderen Disney-Zeichentrickfilmen jener Zeit handelt es sich beim König der Löwen auch noch um eine Originalstory, welche allerdings deutliche Inspirationen bei zahlreichen eigenen Disney-Tier-und Dschungel-Trickfilmklassikern und auch bei Shakespeare (Hamlet und Macbeth) nimmt.
Der Film ist episch in seiner Einleitung, herzerwärmend in seinem ersten Akt, herzzerreissend im zweiten Akt, tröstend im dritten, erleuchtend im vierten und faszinierend kathartisch in seinem letzten Akt. Er erzählt die Lebensgeschichte des kleinen Löwen Simba von der Geburt (ähnlich Bambi oder Dschungelbuch) und gleichzeitig auch die Rachestory für den getöteten Vater. Dabei streift er ganz nebenbei solche Themen wie Faschismus und Diktatur und bleibt dabei die ganze Zeit über immer recht kindgerecht.
Bei so einer Verfilmung kann es da leider nicht ausbleiben, dass gewisse Gewaltspitzen vorhanden sind, und der Film ist in dieser Drastik sicherlich auch nichts für die ganz Kleinen, die das Gesehene doch nachhaltig verstören könnte.Alles in allem könnte man dem Film also keinerlei Schwächen vor halten? Doch, die gibt es und zwar nicht zu wenige:
Zum einen ist die Lauflänge gerade mal so lange, dass die ganze Geschichte ohne große Durchhänger zwar erzählt wird, aber gerade die Zeit, in der Simba erwachsen wird, wird mit einem einzigen popeligen Lied (welches natürlich ein Prunkstück unter den Disney-Songs ist) abgehandelt und die ganzen Probleme, die er hatte, werden einfach unter den Teppich gekehrt. Klar treten diese umso heftiger später hervor, aber da machen es sich die Macher ein bißchen zu einfach. Aber da es sich um einen Kinderfilm handelt, kann man da drüber hinwegsehen.Ein weiterer Punkt ist, wie lapidar Simba als Königssohn mit den Untergebenen umgeht, und dieser Mangel an Respekt vor dem anderen auch vom sonst so weisen Mufasa so stark bestätigt wird. Also Simba ist kurz davor, ein Spoiled brat zu werden. Auch wenn dies durchaus lustig gemacht rüber kommt, wenn hier die ganze von Respekt für alle gesprochen wird, sollte es auch gelebt werden.
Dass die Konfliktlösung und der Epilog so schnell und auch anscheinend keine weitreichenden Konsequenzen vorhanden sind, lassen wir auch mal gnädigerweise durchgehen, da es ja ein Kinderfilm sein soll.Wie man sieht, man könnte den Film eigentlich noch ein bißchen optimieren, dennoch ist es ein ganz starker Beitrag von Disney, der auch so stark ist, dass Erwachsene andere Messages mitbekommen, und der Film für alle Beteiligten eine positive Message hat.
Das hier ist moderner Disney-Bombast vom Feinsten, mit der einen oder anderen kleineren vernachlässigbaren Schwäche.Eigentlich 8 Punkte, aber da er die Kleinen aufrütteln kann, sie verstört und dann schließlich doch komplett erlöst und befreit aus seinen Klauen entläßt, also ein ganz bombastisches Gefühl bei ihnen zurücklässt, 9 Punkte.