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„Capital Punishment“ gehört zu jener Reihe minderwertiger Filme mit denen Gary Daniels seine Karriere startete, ehe er mal in guten B-Actionern agieren durfte.
Held der Geschichte ist James Thayer (Gary Daniels), ein Ausnahmekickboxer. Von den Behörden wird er jedoch angesprochen, weil sein ehemaliger Sensei nun dick im Drogengeschäft ist und einen Kronzeugen killen will. James soll gegen den Mann, einen Kickboxmeister antreten und dessen Tod im Ring faken. Gesagt, getan, nun stirbt der Kontrahent wirklich und man schiebt den Tod James in die Schuhe. Alles schon mal hanebüchen blöd, aber es kommt noch schlimmer.
James kann jedoch aus dem Gewahrsam der Behörden entkommen, da auch einige von deren Leute in die Sache verstrickt sind. Von den Häschern seines ehemaligen Mentors gehetzt, versucht er diesen zu stoppen...

„Capital Punishment“ ist der Beweis dafür, dass selbst ein Film, in dem es alle paar Minuten auf die Fresse gibt, kreuzlangweilig sein kann. Gary Daniels freilich ist fit wie ein Turnschuh, zeigt einiges an spektakulären Moves wie auch ein paar seiner Kontrahenten, von Choreographie und Inszenierung der Kämpfe sind echt unter aller Sau. Da bewegen sich die Fighter teilweise aus dem Bildausschnitt heraus und die Kamera folgt nicht schnell genug oder die Kämpfe finden in viel zu dunklen Räumen statt, die man nicht vernünftig ausgeleuchtet hat. Da hilft dann auch die schiere Menge nichts, obwohl in „Capital Punishment“ keine fünf Minuten ohne Schlägerei vergehen.
Furchtbar auch die Tatsache, dass Regisseur David Huey ein absoluter Nichtskönner ist und auch mit kaum Budget arbeitet. So sehen die Drehorte so aus, als seien die Sets kurz vorher noch vom Praktikanten zusammengezimmert worden oder man habe direkt in der Privatwohnung eines Beteiligten gedreht. Darauf kommen noch inszenatorische Schnitzer mit Unmengen von Anschluss- und Logikfehlern der übelsten Sorte. Da verfolgt James Bad Guys zu Fuß und hat auf einmal ein Motorrad zur Hand oder er steht auf einer Straße in der Vorstadt, wirft zwei Handgranaten und die folgende Explosion findet auf einer Brücke im Urwald (vermutlich Stock Footage wie bei quasi jeder Explosion im Film) statt.

Doch David Huey ist nicht nur Regieversager, auch die schlappe Entschuldigung eines Scripts hat er verbrochen ohne auf Spannung, Sinn oder Kohärenz Rücksicht zu nehmen. Hanebüchen wird Klopperei an Klopperei gereiht, gelegentlich durchsucht James dafür mal Verstecke der Bösen, oft tauchen die scheinbar hellseherisch begabten Fieslinge immer da auf, wo er gerade ist – wundersamerweise immer kurz vor oder nach ihm. Auch hier spielt Logik keine Rolle, da taucht im Finale eine scheinbar tote Person wieder auf und eine andere Person aus James’ Umfeld enthüllt hanebüchenerweise, dass sie schon Jahre für die Bösewichte arbeitet.
Körperlich mag Gary Daniels hier voll auf der Höhe sein, in einer Trainingssequenz macht er einen Spagat auf den auch Jean-Claude Van Damme stolz sein könnte, doch schauspielerisch ist er in diesem Film leider ein Graus. Ähnlich unbegabt der Rest der Darsteller, deren Rollen auch kein Klischee auslassen (der fiese Sensei verkloppt regelmäßig Untergebene zum Training und nietet jeden unwilligen Partner um). In einer Minirolle ist auch David Carradine zu sehen, der aber nur gelegentlich ein paar Sätze ins Telefon sabbeln darf und zum Schluss in zwei Szenen kurz in einem Laster sitzt.

Auch wenn man einen talentierten Kickboxer wie Gary Daniels an der Hand hat reicht es nicht, einfach die Kamera bei zahllosen Prügelszenen einfach draufzuhalten. Inszenierung, Choreographie, Script und Budget sind bei „Capital Punishment“ für die Tonne, da helfen auch die teilweise sogar halbwegs ansprechenden Fights nichts.

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