Kommen wir nun zum ultimativen Hass-Film für all diejenigen, die Gesinge in Filmen nicht mögen. Gerade das Disney-Studio ist ja dafür bekannt, dass es seine Filme mit allerlei Gesang vollstopft, um unter Kindern und Disneyfans Fröhlichkeit zu verbreiten und allen anderen dagegen auf den Wecker zu fallen. Und das Musical "Mary Poppins" dürfte da wohl den Bogen abschießen, denn es gibt kaum einen zweiten Disney, der so voll gestopft ist mit Heiterkeit und Gesang, wie dieser hier. Doch ist es eigentlich überhaupt möglich "Mary Poppins" nicht zu mögen? Eigentlich nicht, denn "Mary Poppins" ist so viel mehr als nur Geträller!
"Mary Poppins" ist die wunderbare Geschichte, des wohl beliebtesten und besten Kindermädchen, dass die Welt je gesehen hat. Es spielt mit den Kindern, erlebt mit ihnen Abenteuern und vollbringt eine wunderbare Tat nach der anderen, die jedes Kind glücklich machen würde. Dennoch ist sie auch bestimmt und lässt den Kiddies nichts durchgehen, was nicht recht ist. So und nicht anders muss das perfekte Kindermädchen sein! Das Drehbuch, welches auf den Kinderbüchern von P.L. Travers basiert, ist wunderbar geschrieben, enthält keinerlei Ungereimtheiten und ist nur so gespickt mit wohlwollender Heiterkeit und kindergerechtem Abenteuergeist. Für einen Kinderfilm ist es geradezu ideal.
Dabei gibt es in der perfekten Welt von Mary Poppins eigentlich keinerlei Bösewichter, keinerlei Feindseligkeiten und nichts was man auch nur im entferntesten Sinne für Schlimm halten würde. Und das dürfte wohl auch der Punkt sein, warum heutzutage so viele Karies davon bekommen. Denn Marys Welt ist eine Traumwelt, die so leider nicht existieren kann und damit wohl bei manchem nicht gerade auf Gegenliebe stößt, da ja alles sooo unrealistisch ist. Aber trotz oder gerade deswegen ist die Geschichte und das Filmerlebnis eigentlich so großartig. Man muss sich einfach mal fallen lassen in eine Welt, die sich wohl jeder zu seiner Kindzeit gewünscht hätte, wenn man nur genügend Fantasie besitzt!
Denn die Fantasie ist hier der Dreh- und Angelpunkt. Was hier an fantastischen und liebevoll verrückten Ideen drin steckt, sprengt fast den Rahmen der menschlichen Vorstellungskraft. Da erleben Mary und die Kiddies ein wundervolles Abenteuer in einem, auf die Straße gemalten, Bild, sind eingeladen zu einer schwebenden Tee-Party unter der Decke, reiten auf Karussellpferden durch die Gegend, tanzen über die Dächer von London und erleben eine liebevolle Verrücktheit nach der anderen. Großartig, nie böse und immer so wie es einem richtig Spaß macht. Kindisch aber einfach nur zum "auch haben wollen"!
Wenn man jetzt mal die Geschichte und die Handlung beiseite nimmt, dann sticht einem noch ein weiterer gigantischer Punkt ins Auge: Die Inszenierung. Was Disney hier, bereits im Jahre 1964, vollbracht hat, übertrifft alles was es bis dahin gab und konnte auch Jahre später nicht vom Thron gestoßen werden. Perfekte Computertricks, wunderbare Kostüme, prächtige Kulissen und die nahezu perfekte Verschmelzung von Animation- und Realfilm, ergeben ein wahres Fest für die Augen. Kann sein das manches heutzutage überholt wirkt, doch für 1964 war der Film seiner Zeit um Jahrzehnte voraus.
Und dann eben noch die, eben nicht von allen gemochten, wunderbare Musik und der großartige Gesang, der eigentlich besser kaum sein könnte. Stimmungsvolle Lieder wie "Wenn ein Löffelchen voll Zucker..." oder "Supercalifragilisticexpialigetisch" sind wahre Meisterwerke und schon längst Kult unter den Disney-Freunden. Für die Musik gab es einen Oscar, für den Song "Chim Chim Cheri" ebenfalls. Mag sein, dass diese Art von Musik und Gesang auch schon lange überholt ist und manchmal ziehen sich die Musical-Szenen auch ein wenig in die Länge, doch unterhaltsam sind sie allemal, zumal auf Kitsch oder ähnlichem wirklich vollkommen verzichtet wurde. Herrlich altmodisch, herrlich nostalgisch, einfach wunderbar!
Aber selbstverständlich dürfen auch noch die grandiosen Darsteller-Leistungen nicht vergessen werden. Oscar-Gewinnerin Julie Andrews überzeugt als Mary Poppins so sehr, wie sie es, in ihrer gesamten Karriere, wohl kein zweites Mal mehr zu schaffen vermochte. Hach was hätte ich sie damals gerne als Kindermädchen gehabt, so sehr überzeugt war ich von ihr;). Und natürlich auch Ober-Clown Dick Van Dyke, über den man sich einfach nur köstlich amüsieren muss. Seine Grimassen und Blödeleien sind Weltklasse und sein Pinguin-Tanz schon lange Kult! Wer hier nicht lacht, der kann einem eigentlich nur leid tun. Aber auch alle anderen, großen und kleinen, Nebenrollen (darunter die wirklich faszinierenden Leistungen der Kinder) können mehr als gefallen.
Fazit: Absolut wunderbares und bezauberndes Kindermusical, dass durch seine durchgehend heitere Handlung, der wunderbaren Geschichte, den grandiosen Darstellern und seiner, zeitlich weit voraus angesiedelten, Inszenierung, auch heute noch für Entzücken bei Kindern und allen Erwachsenen sorgt, die im Herzen wenigstens noch ein letztes Stück ihrer Kindheit behalten haben. Ein grandioses Stück Filmgeschichte, voller Spaß, Unterhaltung und wunderbaren (ab und an aber vielleicht etwas zu langen) Musical-Szenen! Deshalb muss man Mary vielleicht nicht unbedingt lieben, doch wer ihr gar nichts abgewinnen kann, der darf sich sicher sein, dass auch das letzte Quäntchen Kindheit und Fröhlichkeit in ihm verloren ist! Und das sollte man sich eigentlich ein Lebenlang behalten!
Wertung: 9/10 Punkte