Review

Gesamtbesprechung

Wie so viele Wissenschaftler vor ihm ist auch der junge Dr. Frankenstein aus Ingolstadt besessen von dem Gedanken, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Alle Tabus über Bord werfend, erweckt er einen aus Leichenteilen zusammengeschusterten Leib zum Leben, nur um das gar nicht mal so enttäuschende Ergebnis angesichts seines wenig einnehmenden Gebarens schnöde zu verstoßen. Die Kreatur aber kehrt nach Anhäufung diverser Unheile zurück, um Rechenschaft von ihrem Schöpfer zu verlangen.

Mary Shelleys berühmter Roman wurde ja mittlerweile schon dutzendfach verfilmt, da sollte man sich bei Neuverfilmungen schon irgendetwas einfallen lassen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Die Macher des knapp dreistündigen Zweiteilers entschieden sich dabei, die Karte Detailtreue zu spielen und nur mit notwendigsten Änderungen die Geschichte des Viktor Frankenstein und seiner Kreatur zu bebildern.
Diese Kreatur beispielsweise ist dann auch nicht das hünenhafte Monster mit Schrauben im Hals, das wahllos Menschen mordet, sondern ein empfindungsfähiges eloquentes Wesen, das im Grunde keinen Groll gegen die Menschheit hegt. Erst als sein "Vater" das Versprechen bricht ihm eine Gefährtin zu zimmern, wird das Umfeld Viktors empfindlich ausgedünnt. Sonst ist aber das Monster die tragische Figur, das eigentlich nur leben will und folgerichtig am Ende sogar überlebt.
Mit Horror hat der Zweiteiler ebenfalls kaum was am Hut. Minutiös werden die Geschehnisse als Flashbackfilm aufgearbeitet, nachdem Frankenstein sein Monster bis zu einem Schiff ins Packeis verfolgt hatte und halbtot dort vom Schlitten fällt. Der Kapitän hört sich dann die Lebensbeichte an, von der Kindheit in Genf, bis hin zum Studium in Ingolstadt. Roter Faden dabei allerdings schon die morbide Faszination von Leben und Tod, bis hin zur Blitz und Donner "es lebt" Nacht und den allseits bekannten Folgen.
Der Nachteil dieser Herangehensweise ist allerdings, das sich die Geschichte doch ziemlich in die Länge zieht. Die wenigen Morde sind stets im Off und dienen fast nur als Abwechslung der sonstigen Biographie. Selbst als Frankenstein ein heimgesuchtes Dorf erreicht, drücken ihm die Bewohner nur eine Nachricht in die Hand und weiter geht die Hatz, statt zumindest wie in the Village ein wenig Suspense aufzubauen.
Stellenweise wirkt das ganze so trocken, das es als Dokumentation auf Phoenix auch nicht schlecht aufgehoben wäre. So ist es eine drei Stunden Mischung aus Biographie, Drama und Horrorelementen zu der man ordentlich Sitzfleisch mitbringen sollte. Auch die Darsteller passen sich dabei dem durchschnittlichem Niveau nahtlos an. Interessant für diejenigen, die vielleicht gerade das Buch gelesen haben oder auch mal mehr Information über die Person Frankensteins erfahren möchten, als man sie in den zig Horrorfilmen vorher sonst bekommt.
5/10

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