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Der Kriegsalltag in einem Feldlazarett als süffig-humorvolle Satire. Die Ärzte, 'Hawkeye' Pierce (Donald Sutherland), 'Duke' Forrest (Tom Skerritt) und im späteren Verlauf 'Trapper John' McIntyre (Elliot Gould), verschlägt es im wild umkämpften Korea in ein Feldlazarett. In diesem werden sie in den ohnehin schon chaotischen Zuständen, unter anderem konfrontiert mit einem bigott frömmelnden Arzt-Kollegen Major Frank Burns (Robert Duvall), einer herrischen sowie überkorrekten Oberschwester O'Houlihan und einem gänzlich überforderten, kommandierenden Offizier, der mehr für sein Angelhobby übrig zu haben scheint als für die Geschehnisse in seinem Lazarett.

Robert Altman erschuf aus chaotisch durcheinander gesprochenen Dialogen, parodistischem Nonsens, grausam blutigen Bildern und dem gemein-zynischem Verhalten seiner Protagonisten eine turbulente, extrem temporeiche, zum Teil kaum übersichtliche, schwarze Komödien-Hatz. Aus dem Chaos entwickelt sich aber doch recht bald ein bizarrer Alltag. Zwischen grenzenloser Langeweile und dem aufreibenden, blutigen Arbeitsgeschehen, gesellt sich noch ein geradezu infantil kindisches Gemüt dazu, das bei den hoch dekorierten Ärzten Ausdruck findet. Man schlägt die nur schwer auszuhaltenden Zustände mit ausdrücklich pubertärem Verhalten tot, oder versucht es zumindest. Der verhassten Oberschwester wird eine Falle gestellt, die sie vor versammelter Mannschaft bloßstellt, der ebenso wenig gemochte, bibelfeste Arztkollege wird hinterhältig hinaus gemobbt, billige sexistische Zoten werden ohne Unterlass über ihre Kolleginnen gerissen und letztlich wird alles versucht um sich gegen die militärisch geordnete Hierarchie aufzulehnen. Kurz: unter den Ärzten herrscht die Stimmung einer Jugendherberge.

Der (auf sicherem Posten) geführte Krieg als befreiend anarchische Ausnahmesituation. Rein für sich genommen verhalten sich die drei Hauptprotagonisten durchwegs unleidlich. Robert Altman bewies Mut, indem er hinter der exstatisch humorvollen Fassade, seinen Figuren authentische, nicht immer politisch korrekte Charaktermodelle verpasste. Ganz deutlich wird das, wenn er den anfänglich als spitzbübisch charmant wahrgenommenen 'Duke' Forrest als Rassisten enttarnt. Interessanterweise wird er nachdem das passiert ist, nicht nur von seinen freundlich gesinnten Kollegen, Hawkeye und Trapper John, ignoriert, sondern der Film selbst lässt ihn von nun an zu einer Randfigur verkümmern, und richtet seine Aufmerksamkeit ausschließlich auf seine zwei verbliebenen Protagonisten.

Alle Figuren haben hier das was man gemeinhin als Ecken und Kanten umschreibt, letztlich geht es aber nicht darum die Figuren als Unsympathen zu entlarven, sondern hier wird eine bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt freche Inszenierung in einem vertrauten, unter strengen dogmatische Regeln stehendem, Umfeld geschaffen. Das Leben und vor allem Sterben wird hier nicht nur als alltäglich beschrieben, sondern es wird ihm jeglicher Betroffenheitsgedanke durch sein provokant infantiles, anarchisches und zynisches Umfeld entzogen. Der Tod des Soldaten im Krieg wird somit als erschreckende Trivialität bloßgestellt, in der Heldenpathos als realitätsferne, ideologisch romantisierte und fragile, den Schein wahrende, Gedankenblase anmutet, oder als tumbe Heuchelei schlicht zum Scheitern verurteilt ist. Nicht zuletzt deswegen, wird Frank Burns gerade weil er dem Krieg und dem Sterben einen Sinn, in Form von schwammigen Durchhalteparolen und religiösem Eifer geben will, als Störung empfunden und hinausgeekelt. Dem Zustand der sinnlos zerstörerischen Kriegsfratze wird mit blanken Hedonismus und Mut zur Infantilität entgegengetreten. Neben ausgiebigem, partylaunigem Alkoholkonsum, wildem Gefummel mit Krankenschwestern und pubertären Streichen, gipfelt diese Abwendung gegenüber der Nüchternheit des Kriegsalltages in einem  absurd witzigen Footballmatch, das man gegen eine vermeintlich haushoch überlegene Mannschaft bestreitet. Hier steigert sich der Film auch zu seinem humoristischen Höhepunkt. Mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln wird dieses Spiel ausgefochten, und alleine die cholerischen Reaktionen des zuvor noch siegessicheren, gegnerischen Trainers, General Hammond (G. Wood), laden zum ausgiebigen Lachen ein.

Wie seinen Figuren, gesteht sich der Film selbst auch immer wieder absolut verzerrt parodistische Szenen zu. Neben dem bereits erwähntem Footballmatch, gesellt sich dazu ein aberwitzig lästerliches "Letztes Abendmahl", das man dem selbstmordgefährdetem Zahnarzt widmet, der nach einer für ihn unbefriedigenden Nacht mit einer Frau, an seiner Manneskraft zweifelt und sich für schwul hält. Solcherlei Szenen spiegeln wunderbar die kraftvolle und unberechenbare Inszenierung wieder. Die geniale wie unvorhersehbare Mischung aus klamottigen Szenen, dem zynischen Verhalten seiner Figuren und den dennoch stets im Augenwinkel behaltenden traurigen Kriegsalltag, gibt dem Film eine frische, bisweilen pechschwarze Schlagkraft, die bis heute zu wirken weiß. Bisweilen kann man aber (wohl auch zu Recht) den weitgehend unreflektierten Sexismus des Filmes anprangern. Zu sehr scheint der Film die Eigenheiten seiner Figuren anzunehmen, und lässt die Trennung zwischen bloßen, nüchternen Aufzeigen und einer um billigen Humor heischender Aneignung verwischen. Die Argumentation bzgl. einer Dokumentierung eines damaligen (50er Jahre) Zeitgeistes kann man angesichts der wilden, komplett überhöhten Inszenierung nicht wirklich gelten lassen.

Bei aller Kritik, die dem Klassikerstatus allerdings wenig anhaben kann, bleibt „MASH“ ein freigeistiger, bisweilen von spontaner, ätzender Subversivität durchtränkter Film, wie er wohl nur Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre, sprich in der Zeit der New Hollywood-Ära entstehen konnte. Aber am Ende des Filmes, wenn Hawkeye seine Entlassung erfährt, wird schnell klar, dass dieser nur mit gehörigem Wehmut dieses Leben verlassen wird. Diese frivolen, anarchischen, kindlich naiven und auch sehr freien Zustände werden ihm in seinem Zivilistenleben nicht wieder begegnen. Er hat Freunde und tatsächlich Spaß an jenem Barackenleben gefunden, und sein nachdenkliches Innehalten vor seiner Abreise zeugt von einer Verbundenheit zu jenem "einfachen" Leben. Damit hat Altman die Position einer anklagenden, oder mahnenden Anti-Kriegsfilmsatire ausgelassen, und lässt dem Kriegstreiben in seinem Film eine höchst subjektive Sicht zukommen, die sogar dazu bereit ist, einigen - wie gesagt subjektiv erfahrenen - Facetten dieser Zustände nachzutrauern.

MASH" kann durchaus, was sein satirisch subversives Geschick angeht, im selben Atemzug u.a. mit „Dr. Strangelove“, „Catch 22“, oder auch neueren Filmen wie „No Man's Land“ oder „Wag the Dog“ genannt werden. Auch schafft es der Film so viel mehr über das schmerzlich absurde Wesen des Krieges mit seinen verballhornenden wie possenhaften Mitteln zu erzählen, als es viele betont ernsthafte „Kriegsberichterstatter“ vermögen.

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