Review

Das Duell zwischen den berühmten französischen Schauspielern Gerard Depardieu und Daniel Auteuil, daß 2004 in die französischen Kinos kam ,wird gerne mit dem De Niro-Pacino Duell aus „Heat“ verglichen.

Damit wird einem Meisterwerk wie „Heat“ unrecht getan, denn außer der Begegnung zweier Top-Schauspieler, die sich auf Augenhöhe treffen, haben die Filme nur gemeinsam, daß sie dem selben Genre angehören.

Zu Beginn erlebt man Leo Vrinks (Auteuil), Komissar bei der Pariser Polizeieliteeinheit, im Kreis seiner Kollegen, die gemeinsam einen Freund verabschieden, der zu einer anderen Einheit wechseln wird.
Gleichzeitig dringen ein paar Geldeintreiber in einen Pariser Nachtclub ein und verletzen die Chefin dabei schwer. Noch in der selben Nacht wird ein Geldtransporter brutal überfallen und ausgeraubt.

Diese Art des Raubüberfalls wiederholt sich seit über einem Jahr immer in der gleichen Professionalität, aber die Pariser Polizei findet keine Spur. Der Polizeichef Mancini fordert deshalb seine Truppen auf, endlich die Gangster zu fassen. Der Nachdruck rührt auch daher, weil Mancini bald in der Karriereleiter nach oben rückt und er ein sauberes Haus übergeben will an seinen Nachfolger.

Als neuer Polizeichef kommt dabei neben Leo Vrinks der gleichrangige Denis Klein (Gerard Depardieu) in Frage und Mancini ruft eine Art Wettbewerb aus : wer die brutalen Geldtransporträuber faßt, bekommt die Stelle.

Doch zuvor kümmert sich Vrinks erst einmal um den Typ, der die mit ihm befreundete Nachtclubbesitzerin zusammengeschlagen hat. Er nimmt sich ein paar Kollegen mit und sie bestrafen den Typen mit äußerster Brutalität...

Schnell verdeutlicht der Film, daß es sich bei Vrinks um einen unter Kollegen sehr beliebten Kommissar handelt, der auch zu vielen Gangstern gute Kontakte pflegt. Das er dabei auch unkonventionelle Methoden anwendet, wird bisher toleriert.
Klein dagegen verhält sich in seinen Methoden scheinbar korrekt, gilt aber als ehrgeiziger Einzelgänger und ist entsprechend unbeliebt.

Zusätzlich verdeutlicht der Film das auch durch das jeweilige Privatleben der Gegenspieler. Vrinks wird als liebevoller Ehemann und Vater einer Tochter gezeigt, während Klein eine kinderlose und erkaltete Ehe führt.

Während Depardieu im ersten Drittel des Films in seiner sinistren Art noch schwer einzuschätzen ist, werden seine Motive - sobald er sich in die Ermittlungen gegen die Geldräuber aktiv einsetzt – bald klar.
Auteuil ist von Beginn an der Symphatieträger, dem aber wegen seiner nicht immer korrekten Methoden immer mehr böse mitgespielt wird....

Beide Charaktere sind zu eindimensional angelegt. Das scheinbar zweideutige – hier symphatisch, aber unkonventionell, da unsymphatisch, aber äußerlich korrekt – findet nur im Außenraum statt.

Nie merkt man Auteuil echte innere Zweifel an ,denn seine Methoden, die zwar für den Zuschauer nachvollziehbar sind, erzeugen viel Unglück und auch bei Depardieu bleibt der Ehrgeiz, der zu seinen manipulativen Methoden führt, immer an der Oberfläche. Beide Charaktere können dadurch nicht wirklich fesseln und bleiben oberflächlich. Auch die familiären Bilder bleiben klischeehaft und gleiten mit entsprechender Musik teils ins kitschige ab.

Das heißt aber nicht, daß der Film langweilig ist. Im Gegenteil, es gibt viel Action, die professionell dargestellt wird und durchaus auch vor Brutalitäten nicht zurückschreckt. Der Film hat insgesamt ein hohes Tempo und ist in seiner optischen Qualität mit Hollywood auf Augenhöhe.

Allerdings nicht in seiner Professionalität und auch wenn es spitzfindig erscheint, so möchte ich doch darauf hinweisen.

In der Story gibt es einen Zeitsprung von 6 Jahren (in der deutschen Synchronisation sogar 7), der äußerlich durch nichts zu erkennen ist, außer daß Vrinks Tochter inzwischen ein Teenager ist.

Alle anderen Personen sind keinen Tag gealtert. Doch das könnte man noch wohlwollend durchgehen lassen, aber dann hätte man bei der Ausstattung besser aufpassen sollen.

Vor dem Zeitsprung wird der Film als in der Gegenwart spielend dargestellt, betont noch durch den modernen Alfa ,den Vrinks fährt (und den er wohl mit etwas eingesacktem Geld bezahlt hat).
Sieben Jahre später müßte dann ja in der Zukunft liegen, was durch nichts zu erkennen ist.

Aber das der Gangster, der zu Beginn den Nachtclub überfällt, auch nach so viel Jahren immer noch den selben alten Mercedes fährt wie zu Beginn ,ist völlig unrealistisch. Da war der Wunsch, daß der Zuschauer nach anderthalb Stunden Film diese Person wiedererkennt ,bei den Machern größer als eine realistischere Ausstattung.

Fazit : durchaus ansehnlicher Polizei-Actionfilm aus Frankreich mit guten Darstellern, aber in der Charakterzeichnung zu eindimensional und im Detail fehlerhaft. Etwas für einen entspannten Abend, aber nichts für ein wiederholtes Erlebnis zu der ein überragender Film wie „Heat“ immer wieder einlädt (6/10).

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