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Die häufig gezogenen Vergleiche zu „Heat“ sind bei „36“ am ehesten darauf zurückzuführen, dass hier zwei der besten Schauspieler der Nation gemeinsam in einem Polizeifilm agieren – ansonsten sind die Gemeinsamkeiten eher gering.
So stehen die Rivalen hier auf der gleichen Seite des Gesetzes, sind auch beide beim 36ten Revier tätig. Sie waren einst sogar Freunde und Partner, doch über eine Frauengeschichte zerbrach die innige Bindung. Konkrete Informationen zum Bruch der beiden liefert „36“ allerdings erst spät, es wird nur klar, dass die beiden zumindest die Fähigkeiten des anderen achten, sodass sich Annäherungsversuche immer wieder mit Gelegenheiten abwechseln, an denen sich die Kontrahenten gegenseitig in die Parade fahren.
Beide sind potentielle Nachfolger ihres bald zu befördernden Chefs, doch im Bezug auf das Angebot zeigen sich die unterschiedlichen Charaktere der beiden: Denis Klein (Gerard Depardieu) will vor allem die Macht des Amtes und trifft seine Entscheidung vor allem mit Blick auf seine Karriere. Der für den Posten favorisierte Leo Vrinks (Daniel Auteuil) hingegen will ihn gar nicht, ist sein Ziel doch vor allem die Aufklärung von Verbrechen. Will man nun den leidigen Vergleich zu „Heat“ ziehen, so verteilt „36“ seine Sympathien deutlich klarer, denn Klein entpuppt sich bald als Antagonist.

Eine Serie von Raubüberfällen treibt den Konflikt auf die Spitze: Wer der Fall aufklärt, bekommt den Posten. Mit ihren unterschiedlichen Motivationen gehen sie den Fall an, doch die Jagd auf die schwer bewaffnete Bande erweist sich als tödlich...
„36“ erinnert ein wenig an den zwei Jahre zuvor ebenfalls in Frankreich gedrehten „Break of Dawn“: Tolle Darsteller, gute Grundidee, aber zuwenig draus gemacht. Im Gegensatz zu „Break of Dawn“ stört die geringe Actionmenge hier aber nicht, die wenigen Feuergefechte und Stunts sind aber schnittig in Szene gesetzt und wirken nie selbstzweckhaft. Auch die Subplots um die familiäre Situation Vrinks’ oder die Teammitglieder sind meist sinnvolle Ergänzungen, auch wenn man sich hier und da etwas mehr Ausarbeitung wünschen würde (z.B. Leos Verhältnis zu seiner Schutzbefohlenen).
In der ersten Hälfte bietet „36“ jedoch jene Form vom dramatischen Polizeifilm, die zu packen weiß. Die Ermittlungsarbeiten sind spannend wie realitätsnah in Szene gesetzt und Leos harte Methoden am Rande der Legalität (bzw. teilweise darüber hinaus) erinnern an Werke wie „Dirty Harry“, laden zur Selbstevaluation der Situation ein. Dramatische Verstrickungen komplizieren die Lage, da jeder der Rivalen guckt, wo der andere sich eine Blöße gibt und es nach Todesfällen immer enger für beide wird.

Doch nach dieser gelungenen ersten Halbzeit mutiert „36“ auf einmal zum halbgaren Melodram, dem es gehörig an Drive mangelt. Die zweite Hälfte nimmt sogar diverse Fäden der ersten auf, doch aufgrund des Wechsels an Stil und Tempo wirkt „36“ nicht wie ein Ganzes, zumal die langsame Entwicklung eine unschöne Antiklimax bildet. Selbst die finalen Entwicklungen wirken leider gemächlich, das Spannungspotential bleibt ungenutzt und so enttäuscht der Film, obwohl er so gut anfing.
An den Schauspielern liegt dies allerdings nicht. Gerade Daniel Auteuil als harter Kommissar ist mal wieder große Klasse und zeigt, dass es schade ist, dass er nicht die internationale Bekanntheit diverser Kollegen teilt – wie z.B. Gerard Depardieu. Dieser überzeugt auch in der ungewohnten Widerlingsrolle, der sonst so lockere Umtrunk wird hier zur Sauferei, hinter dem Lebemann verbirgt sich hier der eiskalte Karrierist. Das Ensemble der Nebendarsteller lieferte gute Supportleistungen, geht neben den beiden allerdings etwas unter.

So ist es schade, dass „36“ in der zweiten Hälfte so unschön einknickt und aus dem spannenden Polizeifilm ein kaum packender Mix aus Krimi und Melodram wirkt. Angesichts der tollen Hauptdarsteller und der guten Inszenierung wäre da mehr drin gewesen.

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