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Eine Serie von Raubüberfällen mit diversen Toten hält die Pariser Polizei in Atem. Um die Täter zu fassen und eine Beförderung zu bekommen liefern sich die Polizisten Klein (Gerard Depardieu) und Vrincks (Daniel Auteuil) ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Als der Gangster Silien (Roschdy Zem) Vrincks kontaktiert und ihm den entscheidenden Tipp verspricht weiß Vrincks noch nicht was für Spätfolgen dieses Angebot für ihn haben wird...

Frankreich stand schon immer für herausragende Krimis und Thriller, aber auch wenn deren Blütezeit schon ein paar Jahrzehnte zurückliegt, taucht ab und an doch immer wieder ein weiteres Beispiel dafür auf. In diesem Fall „36 – Tödliche Rivalen“ von Regisseur Olivier Marchal.

Eine absolute Stärke des Films sind für mich sowohl die allgemeinen als auch die besonderen Charakterisierungen. Allgemein bezieht sich hier auf Polizei und Kriminelle. Die „Guten“, also die Polizei agiert hier meist in Grauzonen bzw. komplett im illegalen Bereich. Deutlich wird dies zB. an der Szene, als an einem Gangster, der eine Prostituierte verprügelt und vergewaltigt hat mal kurz eine Scheinhinrichtung zelebriert wird oder Vrincks letztlicher Deal mit Silien...diese Polizisten stehen bestenfalls durch ihre Dienstausweise auf der „guten“ Seite. Trotzdem existiert ein ungeschriebener Ehren- oder Moralkodex, was sich auch in ihrem Verhalten gegenüber Klein zeigt, als dieser an der Trauerfeier für den erschossenen Eddy teilnimmt.

Die andere Seite, also die „Bösen“, agiert größtenteils ohne jegliche Moral und äußerst brutal und rücksichtslos. Einzige Ausnahme davon scheint Silien zu sein, der noch etwas von der altbekannten Gangster-Ehre zu haben scheint, was sich darin zeigt, dass er Vrincks Frau Geld anbietet damit sie besser über die Runden kommt.

Interessant sind nicht nur die Gruppierungen „Polizei“ und „Kriminelle“, auch in den jeweiligen Einzel-Charakteren wird kategorisch gegen den Strich gebürstet. Was Silien auf der „schlechten“ Seite ist, das ist Klein auf der eigentlich Guten, weil er als Polizist durch seine Handlungen komplett auf der anderen Seite steht, keinerlei Moral zu haben scheint und sich dabei auch noch in die eigene Tasche lügt, was für ein guter Polizist er doch sei.

Diese Charakterzeichnungen machen schon mal deutlich, dass „36“ nicht auf den Spuren unzähliger Filme unterwegs ist, die sich einer simplen Gut-/Böse-Zuordnung bedienen. Abseits davon gibt es natürlich auch Filme, die vielleicht gerade deswegen ziemlich große Fußspuren hinterlassen haben. Spontan fallen einem da gleich mehrere Klassiker des Film-Noir ein. „36“ hat sicherlich nicht das Zeug zum Klassiker, erweist sich aber als erstaunlich stilsicherer Wiedergänger deren gängigster Zutaten.

Um in einem Genre wie diesem zu punkten bedarf es neben einem entsprechenden Script natürlich auch entsprechender Darsteller. In Daniel Auteuil und Gerard Depardieu wurden die beiden Hauptfiguren schon mal erstklassig besetzt, was sich auch in deren Performance widerspiegelt. Beide Figuren machen im Verlauf der Handlung eine mehr oder weniger gravierende Wandlung durch die immer wieder auch mit einem innerlichen Zögern, einem entgegen der Wandlung verlaufenden verbliebenen moralischen Impuls verbunden ist und nur auf subtile Weise transportiert werden kann und von beiden Akteuren fehlerfrei gemeistert wird.

Fazit: „36“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich europäische Produktionen hinter us-amerikanischen nicht verstecken müssen. Interessant, spannend und mit erstklassigen Darstellern besetzt hätte der Film eine Kinoveröffentlichung hierzulande mehr als verdient gehabt.

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