Bonnie und Hillary sind die besten Freundinnen, und das obwohl sie sich erst seit kurzem kennen. Sie trafen sich an einer Straße, als Hillary per Anhalter weiter fahren wollte. Und beide merken schnell. dass sie ein gleiches Schicksal ereilt hat: Beide wurden in ihrer Kindheit missbraucht, Hillary von ihrem Vater, Bonnie von ihrem Bruder, und so scheint die Verbindung zwischen beiden eine ganz besondere zu sein.
Doch beide sitzen im Gefängnis und die Psychologin Jane als auch der Reporter John versuchen zu ergründen, warum Mrs. Farmer sterben musste. Doch das Einzige, was sie von Bonnie und Hillary hören, ist der Spaß an der Sache selbst. Und es ging den beiden hauptsächlich um Spaß, einem Mordsspaß...
Wertung:
"Fun - Mordsspaß" ist ein Film, der vielleicht nicht ganz und gar unbekannt ist aber eher im Verborgenen geblieben ist, und heute so gut wie gar nicht mehr erhältlich ist. Durch einen Zufall habe ich selbst die Möglichkeit gehabt, meine eigene Fernsehaufnahme wahrscheinlich aus dem Jahr 1998 zu sehen.
Der Film teilt seine Handlung in zwei unterschiedliche Zeiten auf. Zum einen die farbenfrohe kurze Vergangenheit, in welcher der Spaß vorherrscht, zum anderen die s/w-Tristess der Gegenwart im Gefängnis, denn Bonnie und Hillary sind verhaftet worden, obwohl die Polizei gar nicht sicher war, dass sie diese beiden unschuldigen Mädchen verhaften sollte. Ein gewisser Vergleich zum Setting von Natural Born Killers kann hier gezogen werden, denn es das Gefängnis und die teilweise s/w-Aufnahmen mit anteiliger Brutalität und die Verbindung des Verbrecherpärchens zueinander, was eine gewisse Parallelität ziehen lässt.
Die Geschichte an sich ist simpel: Beide Mädchen sind missbraucht worden und beide sind deshalb nicht "normal" und das ist quasi die Verbindung der beiden zueinander. Und beide sehen deshalb diesen "Spaß" im Vordergrund ohne einem normalen Leben nachzugehen. Es wird zwar kurzzeitig auch Schule und Hausaufgaben angesprochen, aber mit dem normalen Leben von Jugendlichen hat dies nichts gemein, insbesondere die Eltern der beiden kommen zwar in Worten jedoch nicht in Bildern vor.
Die einzige Spannungskurve, die der Film hat, ist die Art und Weise, wie es dazu kommen konnte, dass zwei unschuldige Mädchen einen Mord begehen. Das mag für einen Thriller zwar nicht reichen, aber für ein Drama absolut geeignet sein. Als Schauspielerin gefällt mir Renée Humphrey als Hillary deutlich besser als Alcia Witt als Bonnie, wenngleich mir Letztere allein durch die Rolle der Alia in "Dune - Der Wüstenplanet" viel mehr ein Begriff ist. Der Charakter der Hillary ist deutlich gefestigter in ihrer Persönlichkeit, und es wirkt so, als wenn Bonnie durch sie leichter zu beeinflussen ist. Leslie Hope als eher verschrobene Gefägnispsychologin Jane ist ein Gegenpart zu den beiden durchgedrehten Mädchen. Auch William R. Moses als Reporter John ist zwar ebenfalls als Erwachsener nicht auf der Seite der Mädchen zu sehen, versucht aber einiges, um sich mit ihnen anzufreunden und dadurch mehr Informationen aus Ihnen für seine Story zu bekommen. Hier fehlt mir ein wenig die Gefährlichkeit bzw. Unberechenbarkeit der beiden Freundinnen, denn das hätte man hier gut einbringen können.
Die Handlung ist leider etwas zu überschaubar, als wenn jetzt eine große Interpretation oder ähnliches zu erwarten ist. Die Quintessenz bildet sich eigentlich in der Abfolge Spaß - Mord - Gefängnis wider. Das kann man diesem Film durchaus ankreiden. Künstlerisch kann man diesen Film aber trotzdem mögen, denn durch den Wechsel von s/w und Farbe gewinnt er optisch einen gewissen Reiz und auch die leicht amateurhaft gedrehten Sequenzen machen diesen Film zu einem Film, der sehr nah an den Charakteren dran ist. Diese werden in dem, was sie hauptsächlich erzählen entwickelt. Von außen kommen wenige Informationen hinzu, wenngleich die Vergangenheit der beiden ebenfalls zu wenig beleuchtet wird, so dass eine Erklärung für den Mord außerhalb des Spaßfaktors nicht geliefert wird.
Schlussendlich ist es für eine Charakterstudie zu wenig Charakterentwicklung, für einen Thriller zu wenig Spannung und für ein Drama zu wenig Hintergrundbeleuchtung der Charaktere vorhanden, wenngleich letzte Bezeichnung noch am ehesten passt.
Als Wertung sind 07/10 Punkten aber dennoch angebracht. Ich würde eine Sichtungsempfehlung geben, wenn eine Sichtung möglich wäre. Man wird wohl nie verstehen, warum einige Filmperlen in den Archiven verborgen bleiben und eventuell niemals wieder hervorgekrochen kommen. Das ist eigentlich schade, momentan aber leider nicht zu ändern.