<!--StartFragment -->Dass das Geschehen der im Titel aufgeführten 72 Stunden rückblickend aus einem Monat sicherer Entfernung erzählt und somit das Mitgeteilte dem historischen Charakter zugeführt wird, macht es nur noch unspannender als es ohne das nunmehr vorhandene Vorwissen auch so schon ist. Drei Tage Belagerung als Beleg für letztlich überstandene Erfahrungen und Leiden, wobei die Fixierung durch alleweil bereite Zeit- und Ortsangaben dem Ablauf zwar die nötige Dramaturgie beigeben soll, aber die Dauer dessen im Kontrast zur stetigen Belanglosigkeit auch noch mehr schlechtes Licht auf den Film selber wirft. Denn das, was Autor, Produzent und Regisseur James Ha hier entwickelt hat, kommt über die Anfangsminuten und manche zur Verstärkung dienende Begriffe, die der Substanz halber allerdings unnütz verwirklicht sind niemals hinaus. Ein brauchbares Storygebäude wird aufgrund der Wertlosigkeit des Notierten und der unzureichenden, bruchstückenhaft und in seiner Vorläufigkeit sowohl anstrengenden als auch nichtigen Situationsdeutungen zur Qual. Ausnahmezustand für den Zuschauer.
Produziert von B&S Limited (B&S Films Creation Works House), die sich 1998 bis 2004 im Geschäft der direct to video Ware festgebissen und mit den dafür bedachten Anfertigungen auch schnell den unrühmlichen Spitznamen "bullshit" erwirkt hatten, sticht das vorliegende Produkt sogar noch aus der Masse sonstiger Ausbeute für die Flimmerkiste heraus. Nicht nur, dass für eine Woche lang über den Imperial circuit gar ein Kinostart für "Lose Gun 72 Hours" erschuftet wurde, stellt sich die Besetzung auch auf dem Papier als mal nicht gänzlich unbekannte Angelegenheit heraus und lässt sich zumindest das erste Drittel und sein syntaktischer Aufbau auch als stiltypische Wendung des Genres rühmen. Eine Täuschung wohl, verzweifelt vor dem drohenden Zusammenbruch:
17.12.2002.
Ausgestattet mit Störfunksendern, Handfeuerwaffen und Handgranaten überfällt die Bande um Kwong [ Ken Lo ] inmitten in der Stadt am helllichten Tag die sage und schreibe 93 Mio $ wertvolle Lieferung eines Juweliers, wobei die vor Ort befindliche Truppe um Inspector Lee [ Danny Lee ] von der Island Side Organized Crime Division prompt die Straßen absperren und so die Gauner vorübergehend an der Flucht hindern und zur Aufteilung zwingen lässt. Während Sung Ling [ Ellen Chan ] und ihr Freund Wai [ sleepy eyes of death: Vincent Lam Wai ] die Beute verstecken, wird sie von der Polizei in Gewahrsam genommen, er flieht mit dem zufällig anwesenden Taxifahrer Sing [ Shing Fui-On ] und verschanzt sich in dessen Heim auf Sai Kung, was Sings Frau [ May Law ] ebenso wenig passt wie den Kindern Yung [ Gloria Wong ] und Lui [ Sze Ming ]. Während die Fahndung nach den Verbrechern auf Hochtouren läuft, gerät die global unterdrückte Familie in eine isolierte Bedrängnis.
Der, wenn überhaupt, eher als Action Director und "tough guy" in unzähligen Klein- und Kleinstauftritten bekannt gewordene James Ha darf sich hierbei nur genau einmal der eigentlichen Leidenschaft des Radau hingeben; nur der Opener des Überfalls bietet Anlass, Gelegenheit und vor allem auch das Budget, sich trotz marktbedingten Niedriglohn mal ein wenig mehr in die öffentliche Stadt zu begeben und mit der Aufreihung hektischer Bewegung und Gegenbewegung aus der Verantwortung ansonsten höchst fadenscheiniger Intendanz zu entziehen. Dabei stellt das Vorspiel auch durchaus den erwünschten Behelf und überzeugende Rechtfertigung für mal etwas mehr Tumult bereit, wird sich über den Java Road Market, North Point, Hong Kong Island beschossen und gejagt, die Straßenüberführung als ungewohnte Abkürzung genutzt und die Granatsplitter in der Gegend verteilt. Inklusive der Einleitung und Vorbereitung mal einige Minuten, die aufgrund der wiedermal äußerst schäbigen Optik und ihrer kläglichen Technik dahinter zwar auch nach Nichts aussehen, aber sich zumindest mit besten Wissen und Gewissen bemühen, die alten und nicht ganz so mageren Zeiten für einen kurzen homemade - Moment mal wieder aufleben zu lassen.
Danach und damit auch zum fast frühmöglichsten Augenblick wird die komprimierte Gerechtigkeit schon wieder aufgehoben, machen sich heillose Satzknäuel, lapidare darstellerische Leistungen und der endgültige Zustand von phantasieloser Blöße und diesseitiger Tristesse breit. Zwar wird weiterhin in auffälliger Weise die Dringlichkeit des Ermittlungsverfahrens und die Suche und Verfolgung betont und die Inständigkeit der ablaufenden Frist mit allminütlicher Zeiteinblendung in Szene gesetzt, sprechen die einschränkend-abwertenden Bilder allerdings eine gänzlich andere Sprache und überfordert man sich eher mit einer bedrückenden Wirklichkeit.
Denn Wai, der natürlich ein ganz lieber Mensch ist und sich nur zum Schutz seiner Freundin und für die Operation der Mama am Raub beteiligt hat, hat nicht nur gar nicht vor, seinen Geiseln in ihrem ganz eigenen Entwicklungsland ein schweres Leben zu bereiten oder gar der Gefahr auszusetzen, sondern führt die Chargenkomparserie über die Seinsdeutung zu einem besseren Leben. Die [recht asoziale Gesindel-]Familie, die bisher nur sich selber cholerisch agierend an den Hals und die karge Stütze gegangen ist, macht zusammen mit dem "Neuankömmling" als Kummerkastenonkel gemeinsame Sache gegen den schmierigen Freund der Tochter, aufdringliche Gläubiger, hereinplatzende Lehrer, feiert erstmalig den Geburtstag des Vaters, wäscht gemeinsam das Auto und schafft es sogar in realistischer Alltagsbeschreibung verzahnt, die Mutter mal an die Küche zum Herd zu bewegen. Das Wunderwerk Stockholm-Syndrom ? Satirische Fragwürdigkeit ? Unverstand und Torheit.
Die Verzerrungen menschlichen Verhaltens im trauten Heim der Sings, das mit durch gesessenem Sofa, wackligem Rundtisch und Röhrenfernseher in der Bühnendekoration nunmehr als Haupt- und nahezu auch alleinige Szenerie für den simulierten Widersinn fern von gesundem Urteil und Geschmack herhalten muss, lassen den Film über äußerst verschlungene Denkpfade und der szenisch verstolpernden Aufführung schnurstracks zum bräsigen Sozialdrama wandern. Ein abrupt gemachtes Amateurvideo, in dem Unterhaltung zu Belehrung und Thrill zu einem Rededuell auswächst.